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Julian Nagelsmann denkt bei der WM schon an ein Szenario, das ihm auch der FC Bayern ab August vorgibt. Manuel Neuer soll helfen, wenn er spielt, doch der Bundestrainer hat zugleich die Möglichkeit eines Teilzeit-Einsatzes fest eingeplant. Als Absicherung steht Oliver Baumann bereit, auch wenn dessen Rückstufung für reichlich Wirbel gesorgt hat.

Neuer als Stütze, aber nicht ohne Risiko
Der Bundestrainer zeigte sich bei der Kader-Bekanntgabe für die WM zur Sensations-Rückkehr des Rio-Weltmeisters auf alles vorbereitet. Über Neuer sagte Nagelsmann, der „extrem jung gebliebenen Torwart“ versetze die Stürmer selbst mit 40 Jahren noch mit seiner „Aura“ in Angst und Schrecken. Zugleich machte er klar, dass die Lage nicht nur ideal verlaufen müsse. „Wenn Manu spielt“, sagte er, dann „hilft er der Mannschaft.“ In den vergangenen Wochen habe es aber auch Momente gegeben, „wo er nicht gespielt hat. Die kann es bei uns auch geben. So verblendet darf man nicht sein, sondern das muss man einplanen.“
Im Nominierungsvideo fand Nagelsmann auch ungewöhnlich warme Worte für den Bayern-Kapitän. Neuer sei „über Jahre das Vorbild aller Torhüter“ gewesen und es „heute mit 40 immer noch“. Dazu rief der Bundestrainer ihm zu: „Strahl den Manuel Neuer aus, mit allem was du hast! (…) Spiel noch mal ’ne tolle WM!“
Baumann als 1b-Lösung und die Bayern-Parallele
Falls im Quartier in Winston-Salem die Wade zwickt, soll Oliver Baumann einspringen können. Nagelsmann bezeichnete den Hoffenheimer ausdrücklich als „Weltklasse-1b-Lösung“ und verwies dabei auf Neuers Verletzungsprobleme. Deshalb sei es ihm „auch so wichtig“ gewesen, Baumann „mein absolutes Vertrauen auszusprechen“, betonte der 36-Jährige. Für den Keeper sei es zwar „ein Schlag“, dass er trotz anderer Versprechen nun doch nicht als Nummer 1 zur WM fahren werde, doch zugleich halte Nagelsmann ihn für jederzeit einsatzbereit für den Mann, von dem er gerade verdrängt wurde.
Der Aufbau erinnert an die Konstellation beim FC Bayern, wo „Mentor“ Neuer mit seinem Erben Jonas Urbig bereits ein Jobsharing praktiziert. Ab August soll der 22-Jährige noch mehr Spiele erhalten, und Urbig ist auch bei der WM dabei, dort als „Trainingstorwart“ hinter der Nummer 3 Alexander Nübel. Das „aufgeweckte Kerlchen“, wie Nagelsmann sagt, könnte wie in München jederzeit in den Kader rücken, falls sich Neuer oder ein anderer Torwart schwerer verletzt.
Widerstand aus Hoffenheim, Rückendeckung von Matthäus
Der Plan ist nicht ohne Nebenwirkungen. Baumann habe sich zwar nach seiner Rückstufung „extrem committed gegenüber der Mannschaft, dass er sie nie im Stich lassen würde“, versicherte Nagelsmann. Doch wie belastbar dieses Bekenntnis bleibt, ist offen angesichts der heftigen Reaktionen aus Hoffenheim. TSG-Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker kritisierte „die Kommunikation und den Stil“ des Bundestrainers. Torwartcoach Marjan Petkovic veröffentlichte zudem ein Foto mit Baumann und der Zeile: „Die Nr. 1 – sportlich und menschlich.“ Baumann zeigte das Bild demonstrativ in seiner Instagram-Story.
Rückendeckung gab es für Nagelsmann aber ebenfalls. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus betonte, Neuer sei weiter „einer der besten Torhüter der Welt. Wenn ein Vinicius alleine auf Manu zuläuft, hat er schon einen kleinen Strich in der Hose.“ Oder Gedanken an die Wade im Kopf.