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Zur Fußball-WM 2026 stehen mehrere neue Regelauslegungen und Eingriffe bevor. Das International Football Association Board, kurz IFAB, hat vor dem Turnier zahlreiche Anpassungen beschlossen, die vor allem den Videoassistenten und den Kampf gegen Zeitspiel betreffen. Die Änderungen sind nicht so einschneidend wie die Einführung von Gelb und Rot bei der WM 1970, greifen aber teils deutlich in den Ablauf ein.

VAR soll bei Eckbällen und Platzverweisen stärker eingreifen
Der Videoassistent, der bei einer WM erstmals 2018 eingesetzt wurde, darf künftig in mehr Szenen prüfen. Neu ist vor allem die Kontrolle bei Eckstößen, wenn aus einer eigentlich falschen Ecke direkt ein Tor fällt. Bislang beschränkte sich der Check auf die eigentliche Torentscheidung. Die Überprüfung soll möglichst in Echtzeit erfolgen, um den Spielfluss nicht unnötig zu bremsen.
„Wichtig wird sein, dass sich der VAR nach einer falsch gegebenen Ecke sofort einschaltet und wir nicht jedes Mal zwei Minuten warten müssen“, sagt ZDF-Experte Thorsten Kinhöfer. Für nationale Wettbewerbe ist diese Eckstoß-Regel allerdings nicht verpflichtend.
Auch bei Gelb-Rot wird der VAR künftig in einem engen Rahmen tätig. Er darf eingreifen, wenn eine zweite Gelbe Karte nachweislich falsch gezeigt wurde. Bleibt ein berechtigter Platzverweis durch Gelb-Rot dagegen aus, ist ein Eingreifen des Videoassistenten weiterhin ausgeschlossen.
Zusätzlich kann der VAR Spielerverwechslungen künftig auch dann korrigieren, wenn ein Akteur der falschen Mannschaft verwarnt oder bestraft wurde. Bislang war eine Korrektur nur innerhalb desselben Teams möglich.
„Nach zehn Jahren Erfahrung wurde deutlich, dass das Protokoll von einer begrenzten Anpassung profitieren würde, um seltene, aber eindeutig unfaire Situationen abzudecken“, erklärte der walisische Vertreter Noel Mooney im Rahmen der IFAB-Sitzung im Februar. Das IFAB wird von den britischen Verbänden und der getragen.
DFB mit Kritik, FIFA verschärft den Umgang mit Zeitspiel
Beim DFB stößt die Neuausrichtung nicht nur auf Zustimmung. VAR-Chef Jochen Drees sieht die Entwicklung kritisch: „Das läuft der bisherigen Richtung entgegen. Man öffnet damit wieder den Bereich der Ermessensentscheidungen.“ Auch Thorsten Kinhöfer warnt vor Folgen für die Autorität der Unparteiischen: „Die Entwicklung geht dahin, dass es immer weniger Akzeptanz für die Unparteiischen gibt, anstatt diese zu stärken.“
Ein weiterer Schwerpunkt der Reformen ist das Zeitspiel. Die bereits bestehende Acht-Sekunden-Regel für Torhüter wird ausgeweitet. Künftig soll ein sichtbarer Countdown auch bei Einwürfen und Abstößen laufen, dann mit einer Frist von fünf Sekunden. Wird diese überschritten, wechselt der Ballbesitz.
Auch bei Auswechslungen zieht das IFAB die Zügel an. Der Wechselvorgang muss künftig innerhalb von zehn Sekunden abgeschlossen sein. Dauert es länger, muss der eingewechselte Spieler mindestens eine Minute warten oder bis zur nächsten Spielunterbrechung draußen bleiben.
Spieler, die auf dem Feld behandelt werden, sollen das Spielfeld anschließend für eine Minute verlassen. Eine Ausnahme gilt, wenn die Behandlung nach einem Foul mit Gelber oder Roter Karte erfolgt. Für Torhüter greift die Vorschrift zunächst nicht, Tests sind aber angekündigt. Kritiker befürchten, dass Fouls dadurch indirekt belohnt werden könnten.
Hände weg vom Mund und neue FIFA-Vorgaben
Auch bei Unsportlichkeit verschärft sich der Ton. Spieler, die bei verbalen Attacken den Mund hinter der Hand verstecken, sollen künftig mit Rot bestraft werden. „Wenn man nichts zu verbergen hat, hält man sich beim Sprechen nicht den Mund zu“, sagte Fifa-Boss , der sich für die Regel eingesetzt hatte. Ebenfalls Rot gibt es, wenn ein Spieler aus Protest das Spielfeld verlässt. Das gilt auch für Trainer und Offizielle, die dies anweisen.
Unabhängig davon plant die FIFA eigene Änderungen. In jeder Halbzeit sollen feste dreiminütige Trinkpausen eingeführt werden, und zwar unabhängig von der Witterung. Kritiker vermuten dahinter auch zusätzliche Werbepausen.
Außerdem will der Weltverband die bisher übliche Streichung Gelber Karten erst nach dem Viertelfinale abschaffen. Stattdessen sollen Verwarnungen bereits nach der Gruppenphase gelöscht werden.