Bundestrainer Nagelsmann in der DFB Pressekonferenz: „Wir müssen finale Entscheidungen treffen“

Bundestrainer Julian Nagelsmann zog in der Pressekonferenz nach dem Sieg gegen Ghana ein nüchternes Zwischenfazit und kündigte an, dass in den kommenden Wochen „finale Entscheidungen“ für den WM-Kader fallen müssen. Nagelsmann betonte taktische Disziplin in den ersten 25 Minuten, kritisierte aber Unkonzentriertheiten und ein leichtfertig kassiertes Gegentor. Er sprach außerdem offen über interne Erkenntnisse, die Jokerrolle von Deniz Undav, die Pfiffe gegen Leroy Sané und die Perspektive junger Spieler wie Lennart Karl. In der Presserunde machte der 38‑jährige Bundestrainer deutlich, dass an der Grundidee des Teams kaum noch etwas geändert wird und nun viele Gespräche und Entscheidungen anstehen.

Bundestrainer Julian Nagelsmann lacht bei der DFB-Pressekonferenz in der MHPArena in Stuttgart am 29. März 2026. Alexander Hassenstein / Getty Images

Analyse nach dem Sieg gegen Ghana

Auf die Frage „Herr Nagelsmann, wie fällt Ihre Analyse nach dem Sieg gegen Ghana aus?“ antwortete Bundestrainer Julian Nagelsmann (38, Bundestrainer) mit einer direkten Einordnung der Partie. „Wir haben sehr gute erste 25 Minuten gespielt. Taktisch war das sehr diszipliniert. Nur das Tor hat gefehlt. Wir sind ein bisschen ungeduldig geworden und haben uns das Leben etwas schwer gemacht. Wir haben die Positionen nicht mehr gut besetzt, hatten wieder sehr viel Freestyle, wie in der Schweiz. Dann sind wir sehr konteranfällig. Das 1:1 dürfen wir so nicht fressen, das war sehr einfach. Wir haben aber Schritte nach vorne gemacht und konnten Erkenntnisse gewinnen. Die Jungs haben ein Verständnis dafür, wie sie auftreten müssen, damit es stabiler wird.“

Länderspiele
27.3.2026
- 20:45
Schweiz
3 4
Deutschland
Länderspiele
30.3.2026
- 20:45
Deutschland
2 1
Ghana

Deutschland
S S S S S
2 : 1
Endergebnis
Ghana
S S S N N
Kai Havertz
45'+3'
Deniz Undav
88'
I. Fatawu
70'
12
Alexander Nübel
18
Nathaniel Brown
15
Nico Schlotterbeck
4
Jonathan Tah
6
Joshua Kimmich
16
Angelo Stiller
5
Pascal Groß
17
Florian Wirtz
20
Serge Gnabry
7
Kai Havertz
11
Nick Woltemade
16
Benjamin Asare
2
Derrick Köhn
21
K. Peprah Oppong
23
A. Djiku
4
Jonas Adjei Adjetey
3
Caleb Yirenkyi
9
J. Ayew
5
Thomas Partey
8
K. Sibo
11
Antoine Semenyo
19
P. Adu
field field
Tore
Elfmetertor
45'
+3
70'
88'

Gewonnene Erkenntnisse

Auf die Nachfrage „Welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen?“ gab Nagelsmann eine knappe, aber klare Antwort und betonte den internen Charakter der Analyse. „Über einzelne Spieler, über die Herangehensweise. Wir konnten ein paar Themen rausziehen. Die bleiben aber intern, sonst müssen sich die Gegner nicht mehr auf uns vorbereiten.“

Dieses Fußball-Video könnte dich interessieren:

Rolle der Mannschaft bei der WM

In der Pressekonferenz wurde auch die strategische Einordnung für das Turnier angesprochen. Auf die Frage „Sie haben viel über Rollen gesprochen. Welche Rolle wird Ihre Mannschaft bei der WM einnehmen?“ erklärte Nagelsmann: „Ich hoffe eine gute. Ich glaube nicht, dass wir Favorit sind. Ob wir Herausforderer sind, weiß ich nicht. Wir müssen gut ins Turnier starten und uns gute Voraussetzungen für die K.o.-Phase schaffen. Dann ist dort alles möglich.“

Nominierungsphase: Die nächsten Wochen

Zum weiteren Fahrplan vor der Nominierung sagte Nagelsmann offen, dass die kommenden Wochen entscheidend für die endgültige Kaderzusammenstellung werden. „Ich drücke die Daumen, dass die Spieler möglichst viele Titel mitbringen. An unserer Idee wird sich nicht mehr so viel ändern. Wir müssen noch viele Gespräche führen und finale Entscheidungen treffen.“

Deniz Undav: Bleibt die Jokerrolle bestehen?

Auf die Frage, ob sich nach dem Siegtor von Deniz Undav etwas an seiner Rolle ändern werde, reagierte Nagelsmann mit einer klaren taktischen Einordnung. „Das ist eher unwahrscheinlich. Die Rollengespräche habe ich ja nicht für den März gemacht, sondern für die WM. Er setzt sich mit seinen Aussagen selber unter Druck. Wenn er damit gut klarkommt, dann soll er es machen. Er muss es umsetzen auf dem Feld. Ich fand seine Leistung bis zum Tor nicht gut, er hat einmal den Ball berührt. Das Tor macht er sehr gut. Wir brauchen auch im Sommer Joker, um Spiele zu entscheiden. Wir bekommen das nicht immer in den ersten 60 Minuten hin. Das ist sein Auftrag, das ist seine Rolle.“

Pfiffe gegen Leroy Sané

Die Pfiffe gegen Leroy Sané sorgten für Nachfrage in der Presserunde. Nagelsmann nahm die Fans nicht direkt in die Pflicht, übte aber auch Kritik an öffentlicher Zerrissenheit: „Ich will keine Fans kritisieren. Generell finde ich es nicht schön, wenn Spieler ausgepfiffen werden. Zumindest bei der Einwechslung sollte man den Spieler unterstützen, so lange er den Adler auf der Brust trägt. Wenn wir uns gegenseitig zerfleischen, dann wird es nicht besser. Leroy hat besser gespielt als in der Schweiz. Er hat das Tor mit einem guten Laufweg vorbereitet. Am Ende hängt es davon ab, was er die nächsten acht Wochen macht. Aber das betrifft nicht nur ihn, sondern auch die anderen Spieler.“

Eindruck von Lennart Karl

Zum Auftritt des Youngsters Lennart Karl äußerte sich Nagelsmann positiv und hob dessen Stärken hervor. „Er hat einen super Eindruck gemacht. Frech, aber auch demütig. Er hat den ersten Mini-Schritt in der A-Nationalmannschaft gemacht. Er hat eine natürliche Gabe, gut zu stehen und sich im Raum zu bewegen. Von all den jungen Spielern, die wir im Laufe der Zeit nominiert haben, hat er mit den besten Eindruck gemacht.“

Wer soll das Spiel im Mittelfeld steuern?

In der taktischen Diskussion um die Sechser- und Achter-Positionen nannte Nagelsmann konkrete Namen und die Hoffnung auf Rückkehrer. „Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha sollten schon gesund werden. Einer auf jeden Fall, es wäre aber gut, wenn beide gesund werden. Dann habe ich keine Bauchschmerzen. Auf meiner Liste waren mal elf Sechser und Achter. Wir haben schon genug Auswahl. Wir müssen nur die richtigen Spieler für das Turnier finden.“

Kritik in Deutschland und WM‑Spirit

Abschließend ging Nagelsmann auf die öffentliche Debatte und die Stimmung vor der WM ein und ordnete die polarisierende Natur des Fußballs ein. „Das kann ich nicht beeinflussen. Fußball ist ein Sport, der polarisiert. Einzelne Spieler polarisieren. Inwieweit die Leute WM-Euphorie haben, muss jeder für sich entscheiden. Wir wollen guten Fußball spielen und die Leute mitnehmen.“

aufgezeichnet in Stuttgart von Oliver Mucha (SID) SID om mm