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Die Kritik an den WM-Schiedsrichtern verschärft sich von Spiel zu Spiel. Nach dem Auftritt von Ilgis Tantaschew im Achtelfinale zwischen Frankreich und Paraguay ist der Frust bei den Experten besonders groß, auch Schiedsrichter-Boss Pierluigi Collina gerät immer stärker ins Visier. Auslöser der Debatte war bereits das aberkannte Tor von Jonathan Tah beim deutschen Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay.

MagentaTV Patrick Ittrich fand nach dem 1:0 der Franzosen deutliche Worte für den Unparteiischen aus Usbekistan. Der frühere Bundesliga-Referee sprach von der „schlechteste Leistung bei dieser WM“ und von einem „kompletten Akzeptanz- und Kontrollverlust“, die Partie sei voll „in die Hose gegangen“.
Kritik an der Linie der FIFA
Die Ansage des früheren Bundesliga-Schiedsrichters ist längst kein Einzelurteil mehr. Seit der K.o.-Runde mehren sich die Vorwürfe gegen die Referees, ihre Regelauslegung und den Einsatz der Video-Assistenten. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur der jeweilige Mann auf dem Platz, sondern immer häufiger die Führungsebene um Collina.
Auslöser der Debatte war bereits das aberkannte Tor von Jonathan Tah beim deutschen Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay. Seitdem muss Ittrich, der für MagentaTV als Experte arbeitet, regelmäßig die Leistungen der Unparteiischen einordnen. Währenddessen wartet Felix Zwayer aus Berlin weiter auf seinen ersten Einsatz bei dieser WM nach der Vorrunde.
Collinas Rolle sorgt für Ärger
Die eigentliche Zielscheibe der Kritik ist jedoch der FIFA-Schiedsrichterchef. „Collina macht im Endeffekt seine eigenen Regeln beziehungsweise seine eigenen Anweisungen“, sagte der frühere FIFA-Referee Thorsten Kinhöfer. Für den ZDF-Experten leiten die Unparteiischen auf dem Platz vor allem das weiter, was von oben kommt: „Wenn man bei so einem großen Turnier als Schiedsrichter nominiert wird, dann macht man natürlich das, was der Chef sagt. Was Collina sagt, ist dann Gesetz.“
Besonders verärgert ist Kinhöfer darüber, dass Collina diese Linie vor der WM offenbar ohne öffentliche Erklärung angepasst hat. Einerseits werde bei Zweikämpfen großzügiger laufen gelassen, andererseits sollen die Torhüter stärker geschützt werden. Beide Leitplanken seien bei der Endrunde klar zu erkennen. Nach Collinas eigener Darstellung seien Trainer und Spieler vor dem Turnier darüber informiert worden, alle anderen hätten die Vorgaben aber erst über seinen Zwischenbericht erfahren.

Torhüter-Schutz und neue Auslegung
Genau das stößt auf Widerstand. „Ich habe kein Problem damit, wenn man gewisse Leitlinien vor dem Turnier vorgibt, aber das muss man dann auch kommunizieren. Und das war hier definitiv nicht der Fall. Das wirkt wie eine erfundene Erklärung“, kritisierte Ittrich mit Blick auf die neue Torhüter-Regelung. Zugleich ergänzte er: „Wenn es so ist, dass Collina genau das gesagt hat, dann ist es nachvollziehbar. Aber so was im Nachhinein zu kommunizieren, ist schwierig nachzuvollziehen.“
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Auch Spaniens Sechzehntelfinale gegen Österreich, das der Europameister mit 3:0 gewann, war von dieser Linie betroffen. Dort wurde ebenfalls ein Treffer wegen einer Behinderung des Torhüters aberkannt. Beide Entscheidungen stehen aus Sicht der Kritiker im klaren Gegensatz zu dem, was in den großen Ligen und im Europacup in der vergangenen Saison längst üblich war.

Für Kinhöfer ist die neue Auslegung „sehr, sehr fatal“. Seine Sorge: „Der Torwart weiß, ich muss nur leicht berührt werden, dann schmeiße ich mich auf den Boden, drehe mich noch dreimal. Und dann sagt jeder: Schaue es Dir an, Videobeweis, das Tor wird aberkannt.“
Ob diese WM-Linie auch nach dem Turnier zur verbindlichen Vorgabe für die Bundesliga wird, ist bislang offen. Kinhöfer fordert deshalb schnelle Klarheit: „Die Vereine müssen natürlich wissen, wie ich demnächst zu trainieren habe: Eckstöße, Freistöße und so weiter.“