SC Freiburg verliert Europa League Finale & ist zwischen Tränen und Stolz

Der SC Freiburg hat im größten Spiel der Vereinsgeschichte die ganz große Chance auf den ersten Titel verpasst und das Europa-League-Finale in Istanbul gegen Aston Villa mit 0:3 verloren. Nach dem bitteren Abend überwogen Tränen und Enttäuschung, zugleich richtete der Blick im Breisgau schon wieder nach vorn. Bei den mehr als 11.000 mitgereisten Fans war der Schmerz ebenfalls deutlich spürbar.

Matthias Ginter vom SC Freiburg wirkt nach Schlusspfiff niedergeschlagen, als er seine Vizemeister-Medaille entgegennimmt. Im Europa-League-Finale am 20. Mai 2026 im Besiktas Park in Istanbul scheiterte der Routinier mit Freiburg knapp an Aston Villa. (Maja Hitij / Getty Images Europe via Getty Images)
Matthias Ginter vom SC Freiburg wirkt nach Schlusspfiff niedergeschlagen, als er seine Vizemeister-Medaille entgegennimmt. Im Europa-League-Finale am 20. Mai 2026 im Besiktas Park in Istanbul scheiterte der Routinier mit Freiburg knapp an Aston Villa. (Maja Hitij / Getty Images Europe via Getty Images)

Tränen nach dem größten Spiel der Vereinsgeschichte

Abwehrchef Matthias Ginter verarbeitete die Niederlage sichtlich angeschlagen. „Direkt danach ist es schon sehr bitter, wenn man die Jungs und die Fans sieht. Es sind ein paar Tränen geflossen“, sagte der 30-Jährige. Auch Julian Schuster fand deutliche Worte für die Atmosphäre nach dem Abpfiff: „Die Trauer und der Schmerz sind groß“.

Der Sport-Club hatte im stimmungsvollen Endspiel über weite Strecken kaum Zugriff auf die Partie und kam beim 0:3 (0:2) in Istanbul nur selten zur Entfaltung. Die Treffer von Youri Tielemans in der 41. Minute, Emiliano Buendia in der dritten Minute der Nachspielzeit vor der Pause und Morgan Rogers in der 58. Minute machten den Traum vom Titel endgültig zunichte. Die französische L’Équipe urteilte entsprechend hart und schrieb, die Hürde sei „zu hoch, viel zu hoch für Freiburg“ gewesen. Der Sport-Club habe „nur auf der Tribüne Paroli bieten“ können.

Zwischen Party in Istanbul und Empfang in Freiburg

Europa League
20.5.2026
- 21:00
SC Freiburg
0.22
xG
2.08
0 3
Aston Villa
SC Freiburg
N U S N S
0 : 3
0.22
xG
2.08
Endergebnis
Aston Villa
N N S U S
Youri Tielemans
41'
E. Buendía
45'+3'
M. Rogers
58'
Tore
41'
45'
+3
58'
Tor
1
Noah Atubolu
29
P. Treu
3
Philipp Lienhart
28
Matthias Ginter
17
L. Kübler
27
Nicolas Höfler
8
M. Eggestein
32
V. Grifo
44
J. Manzambi
19
Jan-Niklas Beste
31
I. Matanović
23
Emiliano Martínez
12
L. Digne
14
Pau Torres
4
E. Konsa
2
M. Cash
8
Youri Tielemans
3
Victor Lindelöf
10
E. Buendía
27
M. Rogers
7
John McGinn
11
Ollie Watkins
field field

Ganz unmittelbar nach dem Schlusspfiff war die Enttäuschung groß, doch bei der internen Feier in der Nacht im noblen Klub Oligark direkt am Bosporus hellte sich die Stimmung trotz des Regenwetters etwas auf. Am Donnerstagnachmittag stand dann die Rückreise an, ehe in der Heimat ein feierlicher Empfang an der Freiburger Messe wartete.

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Schuster blickte dort bereits kämpferisch auf die kommenden Aufgaben. „Wir werden aus dieser Erfahrung lernen und besser werden“, kündigte der Chefcoach an. „Wir wissen, wer wir sind und zu was wir in der Lage sind. Auch dieser Moment wird uns sportlich helfen, in der Zukunft eine bessere Mannschaft zu sein.“ Ginter formulierte den emotionalen Wert des Finales ähnlich, verwies aber auch auf den Abstand, den es für echte Einordnung brauche: „Es wäre für uns alle das i-Tüpfelchen auf der Saison gewesen“, sagte er. Man könne erst „mit ein bisschen Abstand stolz sein“.

Lob aus München und die nächste Europapokal-Runde

Trotz der Niederlage erhielt Freiburg reichlich Anerkennung von höchster Stelle. Bundestrainer Julian Nagelsmann lobte Mannschaft, Fans und Klub als Einheit: „Mannschaft und Fans, der gesamte Verein leben Identifikation, Zusammenhalt und Leidenschaft. Das ist vorbildlich und zeigt, was im Fußball möglich ist, wenn alle gemeinsam für ein Ziel brennen.“ Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf hob die Wirkung des SC hervor. Der Verein sei „spätestens jetzt auch Fußballfans in ganz Europa ein Begriff“, sagte er und bescheinigte dem Klub eine „stetige Weiterentwicklung“.

Diese Entwicklung soll trotz des verpassten Champions-League-Tickets weitergehen. Freiburg hätte sich mit einem Sieg erstmals für die Königsklasse qualifiziert, doch die Schwarzwälder müssen nach dem verlorenen Finale mit der Europa League vorliebnehmen. Durch Platz sieben in der Bundesliga ist der SC zum vierten Mal in den vergangenen fünf Jahren international vertreten, die Conference League soll dabei mehr als nur ein Trostpreis sein. „Wir haben vor gut zehn Jahren begonnen, sportlich, wirtschaftlich und organisatorisch eine Entwicklung aufzusetzen und zu verändern“, sagte Finanzvorstand Oliver Leki bei RTL. Durch die Niederlage werde sich der Verein vom eingeschlagenen „Weg nicht abbringen lassen“. „Wenn ich auf die Entwicklung des Vereins schaue, ist für mich persönlich die wichtigste Botschaft: Wir sind wieder europäisch dabei. Nur das zählt“, betonte Leki.

Kurios ist dabei schon jetzt der Blick auf die Zukunft: Das Finale der Conference League findet am 2. Juni 2027 ebenfalls im stimmungsvollen Hexenkessel von Besiktas statt. Außenverteidiger Philipp Treu gab deshalb noch vor dem Verlassen der Arena die Marschrichtung vor: „Wir wollen kommende Saison wieder hierherkommen.“ Der Ansporn sei riesig, sagte er, „wenn man sieht, was das für Ausmaße annimmt“. So etwas habe er „noch nie erlebt“, und genau deshalb werde die Mannschaft „wieder angreifen“, um sich nach dem verlorenen DFB-Pokal-Finale 2022 und dem bitteren Mittwochabend in Istanbul im dritten Anlauf endlich den Traum vom ersten Titel der Vereinsgeschichte zu erfüllen.