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Bosniens Tahirovic im Blickpunkt
Im Mittelpunkt der Diskussion steht Benjamin Tahirovic, der laut Berichten 24 Länderspiele für Bosnien-Herzegowina absolviert hat und bei Brøndby IF unter Vertrag steht. Der 23-Jährige hatte sich einst bei der AS Roma und Ajax Amsterdam international einen Namen gemacht und war bis Mitte Februar fester Bestandteil von Brøndby IF.
Nationaltrainer Sergej Barbarez machte die Situation öffentlich und stellte damit den Spieler in den Fokus der Berichterstattung vor dem WM-Play-off zwischen Bosnien und Wales. Die Partie in Wales rückt damit nicht nur als sportliches Aufeinandertreffen in den Vordergrund, sondern auch als Bühne für die Debatte um Tahirovics Klubstatus.
Tahirovics Ausbootung bei Brøndby: Einsätze und Spielminuten
Vor dem Bruch mit dem Klub bestritt Tahirovic 19 von 20 Ligaspielen für Brøndby IF. Mitte Februar kam es dann plötzlich zum Bruch: Der 23-Jährige flog aus dem Team und kam lediglich beim FC Midtjylland (0:0) für 13 Minuten zum Einsatz.
Im Spiel gegen SøndersjyskE saß Tahirovic über 90 Minuten auf der Bank, während er gegen Viborg (0:1) und in Aarhus (0:0) gar nicht mehr im Aufgebot war. Die plötzliche Nichtberücksichtigung sorgt für Spekulationen über die Gründe und wirft Fragen zur Kaderplanung bei Brøndby auf.
Barbarez erhebt Vorwürfe gegen Brøndby und Cooper
Sergej Barbarez äußerte sich am Montag zu Tahirovics Lage und zeigte sich verwundert über die Entscheidung des Klubs. Er sagte: „Die Situation mit Benji ist schwer, er hat mir gestern erzählt, wie die Lage ist und manche Dinge kann man gar nicht glauben“.
Barbarez brachte das Verhalten des Klubs zudem in direkten Zusammenhang mit den anstehenden Play-offs: „Es sieht so aus, als hätte das, was vorgefallen ist, mit seiner Herkunft zu tun.“ Er blieb dabei zunächst kryptisch und ergänzte: „Wenn ein Trainer sagt, er wünsche einem Spieler alles Gute, aber nicht seiner Nationalmannschaft, dann gibt das zu denken.“
Gibt Coopers Aussage wirklich zu denken?
Die These, dass Coopers Aussagen Anlass zur Sorge geben, relativiert sich nach Ansicht mancher Beobachter: Steve Cooper darf als Waliser auf Nationalmannschaftsebene seinem Land die Daumen drücken und kann seinem Spieler dennoch Glück wünschen. Derartige Aussagen hört man in ähnlichen Fällen seit Jahren, dennoch unterstellt Barbarez, Cooper habe seinen Schützling bewusst nicht mehr spielen lassen, damit dieser an Form verliere.
Barbarez begründete diese Vermutung mit Aussagen seines Spielers: „Er hat ihm mitgeteilt, dass er nach diesem Treffen wieder in den Kader zurückkehren und spielen wird“, und fügte an: „Nur damit man die Dimension versteht.“ Gleichzeitig betonte Barbarez seine Hoffnung für das Spiel: „Ich hoffe, dass Tahirovic am Donnerstag nun noch heißer sein wird. Ich glaube, das wird ihm zusätzliche Motivation geben, und das ist auch gut so.“
Grund für Tahirovics Ausbootung ist nicht öffentlich
Tatsächlich bleibt unklar, warum Tahirovic seinen Platz bei Brøndby verloren hat; darüber wurde in Dänemark zuletzt vielfach spekuliert. Fakt ist: Der Traditionsklub befindet sich aktuell in einer sportlichen Krise und ist seit mittlerweile neun Spielen sieglos (4 Remis, 5 Niederlagen).
Brøndby strauchelt gehörig, es droht das Verpassen des Europapokals, und der ehemalige Premier-League-Coach Steve Cooper dürfte bei so einer Bilanz selbst schon ordentlich Druck verspüren. Diese sportliche Lage liefert einen Kontext, in dem Personalentscheidungen und interne Maßnahmen stärker ins Gewicht fallen.
Kopenhagener Reaktion und Coopers Begründung
Barbarez‘ Äußerungen verbreiteten sich rasch und führten zu einem schnellen Echo aus Kopenhagen. Pressesprecher Sören Hanghöj sagte gegenüber TV 2 Sport: „Das ist eine ziemlich gewagte Spekulation. Steve hat die Gründe für diese Entscheidung öffentlich dargelegt, und keiner davon hat auch nur den geringsten Bezug zu einer Nationalmannschaft. Das ist völlig klar“.
Hanghöj verwies zudem darauf, dass die Entscheidung, den Spieler nicht mehr zu berücksichtigen, „nicht allein vom Cheftrainer getroffen wurde. Es war eine Vereinsentscheidung, gemeinsam vom gesamten Trainerstab und der Vereinsführung.“
Cooper selbst hatte unlängst die Ausbootung von Tahirovic und dessen Teamkollegen Sean Klaiber mit „Fehlverhalten“ begründet und gesagt: „Ich möchte nicht auf Details eingehen, aber wenn man Dinge beobachtet, die nicht mit den Werten und dem Team vereinbar sind, dann muss man etwas unternehmen. Wenn der Trainer nichts gegen schlechtes Benehmen und eine schlechte Einstellung unternimmt, dann wird es noch schlimmer kommen. Ergebnisse und Form spielen keine Rolle. Wenn du im Team und erfolgreich sein willst, musst du das Team über alles andere stellen und dich entsprechend verhalten. Das ist das Einzige, was für mich zählt, sonst nichts. Ich habe ihnen alles unter vier Augen erklärt. Wir behalten es für uns, aber sie sind sich ihrer Lage bewusst.“
Hintergrund: Barbarez‘ Karriere
Der ehemalige Bundesliga-Profi Sergej Barbarez brachte in seiner Einordnung seine eigene Erfahrung ein: Er absolvierte 330 BL-Spiele für Hansa Rostock, Borussia Dortmund, den HSV und Bayer 04 Leverkusen und kennt somit die Dynamiken von Klub- und Nationalmannschaftssituationen aus eigener Anschauung.