Menschenrechte bei WM 2026: Kritik an der US-Regierung weitet sich aus

Wenige Tage vor dem Finale ziehen internationale Menschenrechtsorganisationen eine vernichtende Bilanz der Fußball-WM in den USA. Von einem inklusiven Turnier für alle könne keine Rede sein, so der Tenor bei einer gemeinsamen Medienrunde in New York. Stattdessen sei die FIFA vor dem repressiven Kurs der US-Regierung eingeknickt.

US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino stehen beim Final Draw der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 gemeinsam auf der Bühne neben dem WM-Pokal. Trump trägt einen Orden und unterstreicht damit die besondere Rolle der USA als eines der drei Gastgeberländer. (Copyright Depositphotos.com)
US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino stehen beim Final Draw der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 gemeinsam auf der Bühne neben dem WM-Pokal. Trump trägt einen Orden und unterstreicht damit die besondere Rolle der USA als eines der drei Gastgeberländer. (Copyright Depositphotos.com)

„Diese Weltmeisterschaft fand vor dem Hintergrund des repressiven Vorgehens der US-Regierung gegen Einwanderer statt“, erklärte Minky Worden von Human Rights Watch am Donnerstag. Dem Weltverband warf sie vor, es versäumt zu haben, seine eigenen Menschenrechtsstandards gegenüber der Administration von Donald Trump durchzusetzen. Der vielbeschworene Anspruch, die „inklusivste WM der Geschichte“ auszurichten, sei damit von Anfang an Makulatur gewesen.

Abschiebungen und Verhaftungswellen überschatten das Turnier

Besonders deutlich wurde Daniel Noroña von Amnesty International USA. „Die FIFA hatte versprochen, dass sich jeder sicher fühlen kann. Die Wahrheit ist eine andere. ICE etwa hat die Zahl der Verhaftungen verdoppelt“, sagte er. Der Verband habe die „demokratische Kraft“ des Fußballs zu keinem Zeitpunkt genutzt, um Gegendruck aufzubauen. Als besonders bitteres Beispiel nannte Noroña den Flug der französischen Nationalmannschaft zum WM-Halbfinale. Die Maschine sei einen Tag zuvor noch für Abschiebungen von Menschen nach Nicaragua eingesetzt worden. „Die Grausamkeit geht weiter, und sie hört nicht auf“, so der Amnesty-Vertreter.

Visa-Chaos verhindert echte internationale Fan-Kultur

Auch die Einreisepraxis für ausländische Anhänger geriet scharf in die Kritik. Ronan Evain von der Fanvereinigung Football Supporters Europe bemängelte die intransparente Vergabe von Visa, insbesondere für Fans aus afrikanischen und asiatischen Ländern. „Unsere Beobachtungen haben kaum oder gar keine Hinweise darauf ergeben, dass Ticketinhaber aus Afrika und Asien tatsächlich Visa für die Einreise in die USA erhalten haben“, berichtete Evain. Die Menschen aus diesen Nationen, die man tatsächlich in den Stadien angetroffen habe, seien überwiegend bereits US-Bürger gewesen. Befragungen von Anhängern aus Ägypten, dem Senegal, Kap Verde und weiteren Ländern hätten dasselbe Bild ergeben: Wer im Stadion stand, lebte entweder bereits in den USA oder besaß eine andere Staatsangehörigkeit als das unterstützte Team. Evains nüchternes Fazit: „Es war eine WM für ein paar Glückliche.“

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Auch Presse- und LGBT-Vertreter ziehen negative Bilanz

Kritik kam zudem von Gypsy Guillen Kaiser vom Committee to Protect Journalists, die den restriktiven Umgang mit kritischen Medienvertretern während des Turniers anprangerte. Lily Dong Li Rosengard vom weltweiten Dachverband von Organisationen für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Intergeschlechtliche Menschen zog ein ähnlich ernüchterndes Fazit. „Das war keine inklusive WM“, sagte sie. Mitglieder der LGBT-Gemeinschaft hätten sich während des gesamten Turniers nicht willkommen gefühlt.