Es musste irgendwann so kommen, und trotzdem trifft es ein ganzes Fußballland: Lionel Messi (39) hat seine Karriere in der argentinischen Nationalmannschaft beendet. 21 Jahre nach seinem Debüt, nach 207 Länderspielen und 125 Toren. Wer sein Werk auf Titel reduziert, greift allerdings zu kurz. Messis eigentliches Vermächtnis liegt daneben.

207 Länderspiele, 125 Tore: die Bilanz eines Rekordhalters
| Lionel Messi in der Albiceleste | Zahl |
|---|---|
| Länderspiele | 207 |
| Tore | 125 |
| Vorlagen | 68 |
| Debüt | 2005, Platzverweis Sekunden nach der Einwechslung |
| Große Titel | WM 2022, Copa America 2021 und 2024 |
| Weitere Titel | U20-WM 2005, Olympiasieg 2008 |
| Verlorene Endspiele | WM 2014 gegen Deutschland und 2026, Copa America 2007, 2015 und 2016 |
| Auszeichnungen | achtmal Weltfußballer |
| Pflichtspieltore der Karriere | 927 |

Die schiere Wucht dieser Zahlen macht fast sprachlos. Messi führte Argentinien 2022 in Katar zum WM-Titel und gewann die Copa America 2021 und 2024. Damit beendete er ein 28 Jahre währendes Warten seines Landes auf einen großen Titel, das seit 1993 angedauert hatte. Beim Turnier in Nordamerika knackte er im Sommer Rekord um Rekord, bis im Finale gegen ein haushoch überlegenes Spanien nichts mehr ging. Auch bei ihm selbst nicht.
Wenige Tage vor seiner Entscheidung hatte er beim Sieg von Inter Miami noch vier Tore erzielt, einer Mannschaft, die mit ihm steht und fällt, so wie es jahrelang die Albiceleste tat. Mit 39 Jahren, mit Dreierpack und Doppelpack, mit Toren und noch mal Toren, eines technisch brillanter als das andere. Wer, wenn nicht Messi, hätte 2030 im Alter von 43 Jahren ein weiteres Wunder liefern können? Die Legionen von Fans, die ihm zur WM nachgereist waren, hatten genau darauf gehofft. Mehr dazu in unserem Bericht Messi beendet Karriere in Argentiniens Nationalmannschaft.
Die langen Jahre der Niederlagen
Bemerkenswert an dieser Laufbahn ist, wie spät der Erfolg kam. Abgesehen vom U20-WM-Titel 2005 in den Niederlanden und dem Olympiasieg 2008 in Peking waren bittere Niederlagen jahrelang die Regel. Immer wieder war ausgerechnet Deutschland der Spielverderber. Die Bilder haben sich eingebrannt: Messi 2006 auf der Bank in Berlin, 2010 der Trost von Diego Maradona in Südafrika, 2014 der Gang vorbei am WM-Pokal in Rio. Passend dazu bekam er bei seinem Länderspieldebüt 2005 von Schiedsrichter Markus Merk nur Sekunden nach der Einwechslung die Rote Karte.
Hinzu kamen die verkorkste Copa America 2011 in der Heimat und vor allem die verlorenen Endspiele 2007, 2015 und 2016. Nach dem dritten dieser Finals trat Messi aus Enttäuschung schon einmal kurzzeitig zurück. Ausgelöst auch durch die Kritik an seinen Leistungen: Er lebe nur im Barça-Dress auf, hieß es lange in Argentinien, schlimmer noch, er fühle das Trikot der Seleccion nicht.

Diese Vorwürfe trafen ihn, und in seinem Abschiedsbrief ging er indirekt darauf ein: „Ich schwöre euch, immer alles gegeben zu haben, nicht nur in den letzten Jahren, als wir alles gewannen. Alles für dieses Trikot gegeben zu haben.“ Und noch heimatverbundener: Er habe stets versucht, „dafür zu sorgen, dass ihr durch den Fußball stolz darauf seid, Argentinier zu sein“.
Mehr als Titel: was Messi seinem Land zurückgegeben hat
Genau hier liegt sein Werk über den Rasen hinaus. Messi hat einem Fußballland nach jahrzehntelangem Frust, den es lange genug am achtmaligen Weltfußballer selbst ausließ, die Begeisterung für die Nationalelf zurückgegeben. Die gigantischen Fanfeste rund um Argentinien-Spiele, nicht nur an den Spielorten, sondern weltweit, waren allein sein Verdienst. Wie einst Maradona lieferte auch er den gesellschaftlichen Kitt für ein sozial und politisch zerrissenes Land.
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Für ihn selbst schließt sich damit ein Kreis, den er lange vor den erfolgreichen Zeiten beschrieben hatte: „Wenn ich meine Karriere beende, möchte ich etwas mit Argentinien gewonnen haben. Oder wenigstens alles versucht haben, so oft wie möglich. Hinfallen, aufstehen, für deinen Traum kämpfen. So ist das Leben.“ Diese Passage setzte er in sein Abschiedsvideo, untermalt mit einem Lied der Folkloremusikerin Soledad Pastorutti, in dem es um Kämpfe und Rückschläge geht, um Herz und Schmerz. Ein Toast auf das Leben.

Ein zweiter Kreis schließt sich auf traurige Weise. Messis Vater hatte in Rosario einmal ein Interview gegeben, das um die Welt ging, über die Anfänge, aber auch über ein mögliches Karriereende seines Sohnes: „An dem Tag, an dem Leo aufhört, höre ich auf, Fußball zu schauen.“ Er starb wenige Wochen vor der Rücktrittserklärung, sein Sohn bezog sich in seinem Post indirekt darauf. Im Klub läuft Messis Vertrag bis 2028, er steht bei 927 Pflichtspieltoren. Man darf vermuten: Er geht die 1000 an. Wie andere den Abschied bewerten, steht in unserem Artikel Hoeneß lobt den Messi-Abschied.
Häufige Fragen zum Rücktritt von Lionel Messi
Wann hat Lionel Messi seinen Rücktritt erklärt?
Am Montag, dem 31. August 2026, per Instagram. Zwischen dem verlorenen WM-Finale am 19. Juli und der Verkündung lagen rund sechs Wochen.
Wie viele Länderspiele hat Messi gemacht?
207 Einsätze in 21 Jahren, dabei 125 Tore und 68 Vorlagen. Er ist damit Argentiniens Rekordnationalspieler und Rekordtorschütze.
Welche Titel hat er mit Argentinien gewonnen?
Den WM-Titel 2022 in Katar sowie die Copa America 2021 und 2024. Dazu kommen die U20-WM 2005 und der Olympiasieg 2008 in Peking.
Beendet Messi damit seine gesamte Karriere?
Nein. Sein Vertrag bei Inter Miami läuft bis 2028, wenige Tage vor der Rücktrittserklärung traf er beim Sieg seines Klubs viermal. Bei 927 Pflichtspieltoren dürfte die Marke von 1000 Treffern sein nächstes Ziel sein.
War das WM-Finale 2026 sein letztes Länderspiel?
Ja. Die 0:1-Niederlage nach Verlängerung gegen Spanien am 19. Juli 2026 im MetLife Stadium war sein 207. und letzter Einsatz für die Albiceleste.
Quelle: kicker, Text von Jörg Wolfrum.