Fußball-Moderator Sebastian Hellmann: Lothar Matthäus liest ein Spiel wie kein anderer

Vor dem 500. Sky-Topspiel hat Sebastian Hellmann auf eine Zeit mit ungewöhnlich vielen Experten, markanten Begegnungen und ein paar kuriosen Momenten zurückgeblickt. Der Moderator sprach in der aktuellen Sportbild über die Entwicklung der Sendung, über prägende Persönlichkeiten – und darüber, wer am Sky-Tisch besonders herausstach.

TV-Experte Lothar Matthäus und Sky-Moderator Sebastian Hellmann beim Livegespräch auf dem Rasen des RheinEnergieStadions in Köln vor dem Bundesliga-Spiel zwischen dem 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt am 19. Februar 2022. Frederic Scheidemann / Getty Images Europe via Getty Images
TV-Experte Lothar Matthäus und Sky-Moderator Sebastian Hellmann beim Livegespräch auf dem Rasen des RheinEnergieStadions in Köln vor dem Bundesliga-Spiel zwischen dem 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt am 19. Februar 2022. Frederic Scheidemann / Getty Images Europe via Getty Images

Am Samstag steigt mit St. Pauli gegen Bayern das 500. Topspiel auf Sky. Hellmann, der seit Jahren das Format prägt, hat davon nach eigener Erinnerung nur drei verpasst – zweimal wegen Krankheit, einmal wegen seines 50. Geburtstags. „500, was für eine Zahl!“, sagt der 58-Jährige.

Im Laufe der Jahre hat sich auch die Garderobe verändert: Statt Sky-Sakkos seien vor allem Krawatten die eigentliche Währung gewesen. Zehn bis zwölf verschiedene Modelle habe es gegeben, und alle hingen noch bei ihm zu Hause im Schrank.

Von Schneechaos bis Streitgespräch

Auch Ausfälle gehörten zur langen Topspiel-Geschichte. Einmal standen Julia Simic und Hellmann in Stuttgart allein im Stadion, weil Wolff Fuss und Lothar Matthäus wegen des Schneechaos aus München nicht herauskamen und schließlich aus dem Studio zugeschaltet wurden. „Das ist gar nicht so lange her“, erinnert sich Hellmann.

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An das erste Sky-Topspiel denkt er ebenfalls genau zurück: 2009 Hoffenheim gegen Bayern, mit Marcel Reif, Franz Beckenbauer und ihm selbst im ersten Expertenteam. „Das war schon fett“, sagt Hellmann. Beckenbauer habe eine enorme Wucht ausgestrahlt. Besonders eindrücklich sei ein Abend in Hamburg gewesen, bei einem Spiel gegen Bayern, als er mit Beckenbauer und Uwe Seeler am Tisch stand. Die beiden hätten sich vorher schon getroffen und eingestimmt, seien in bester Laune gewesen und hätten enorme Fachkenntnis eingebracht. „Mega. Mehr geht nicht. Das waren die schönen Momente“, so Hellmann.

Später wurde es inhaltlich deutlich hitziger. 2023 in Dortmund legte sich Thomas Tuchel, damals noch Bayern-Trainer, mit der Sky-Runde an, weil ihn Berichterstattung und aus seiner Sicht mangelnder Respekt störten. Er verließ den Tisch, an dem Hellmann schließlich allein mit Lothar Matthäus zurückblieb. Im selben Jahr folgte das legendäre Streitgespräch zwischen Bayern-CEO Oliver Kahn und Matthäus über die Ausrichtung des Klubs. Für Hellmann ist das aber nicht der Regelfall: Man frage konsequent nach, sei dabei jedoch nie unfair oder auf Konfrontation aus. „Wir treiben die Leute nicht in irgendeine Schlagzeile“, betont er.

Warum Lothar Matthäus über allen steht

Auf die Frage nach den prägendsten Experten nennt Hellmann zunächst alle Namen mit Respekt – doch bei Lothar Matthäus setzt er einen klaren Akzent. Seit knapp 14 Jahren arbeiten beide fast jede Woche zusammen, das habe Verbindung geschaffen. Fachlich schätze er vor allem, dass Matthäus ein Spiel „lesen kann wie kein anderer“.

Thomas Tuchel und Lothar Matthäus im Gespräch. (Copyright depositphotos.com / vitaliivitleo)
Thomas Tuchel und Lothar Matthäus im Gespräch. (Copyright depositphotos.com / vitaliivitleo)

Franz Beckenbauer sei dagegen „in jeder Hinsicht einmalig“ gewesen, mit einer unfassbaren Aura. Der Kaiser sei kurz vor dem Anpfiff sogar noch über den Platz gelaufen und habe mit den Schiedsrichtern gesprochen – etwas, das sonst niemand dürfe. Ottmar Hitzfeld habe einen väterlichen Stil gehabt, ihn in Interviews oft beschützt und in brenzligen Momenten ausgeholfen.

Stefan Effenberg wiederum habe ihm gezeigt, wie eine Mannschaft funktioniert; seine Kapitäns- und Brust-raus-Attitüde habe er auch am Sky-Tisch gelebt. Steffen Freund sei ebenfalls als Experte ein Kämpfer gewesen und habe die Grätschen verbal herausgeholt. Jan Aage Fjørtoft habe jede Diskussion belebt, weil er konsequent den Gegenpart übernommen habe. Und Markus Merk beschreibt Hellmann als „Wahnsinns-Analytiker“.

Buzzer, Würste und die Grenzen des Zumutbaren

Mit Reiner Calmund gab es eine ganz eigene Lösung für ausufernde Antworten: Hellmann stellte sich einen Buzzer auf den Moderationstisch, um bei zu langen Ausführungen eingreifen zu können. Bei Tabea Kemme und Julia Simic schätzt er dagegen die Nähe zum aktuellen Fußballgeschäft. Kemme habe bis vor Kurzem noch selbst gespielt, Simic sei Trainerin; beide seien dadurch extrem nah an Trainingsmethodik und -steuerung.

Auch abseits des Mikrofons gibt es kleine Rituale. Bei Lothar Matthäus, Wolff Fuss und Hellmann müsse immer jemand die Stadionwürstchen organisieren, wobei sie sich abwechselten. Matthäus sei dabei sehr großzügig und zahle meist. Auf die Frage nach der besten Wurst nennt Hellmann Leipzig, ergänzt aber augenzwinkernd, dass Matthäus die Wurst in Gladbach besonders gut schmecke.

Nicht immer verliefen die Abende friedlich. Markus Merk wurde auf Schalke einmal mit einer kleinen Billardkugel beworfen, in Bremen flog ein Bauhelm-Schlüsselanhänger auf den Tisch, und in Dortmund landete sogar eine 50 Zentimeter lange Eisenstange dort. „Da hört es dann wirklich auf“, sagt Hellmann.

Zum Schluss erinnert er sich an seinen Lieblingsverein Arminia Bielefeld. Während der Drittliga-Zeit habe er leichtfertig angekündigt, aufzuhören, sobald Arminia gegen Bayern das Topspiel werde. 2020 war es dann so weit – und seinen Rücktritt musste er wieder zurückziehen.