FIFA WM 2026: Welche Nationaltrainer sind schon zurückgetreten oder wurden gefeuert? Update 7

Der nächste WM-Trainer nimmt seinen Hut: Zlatko Dalic ist sechs Tage nach dem Sechzehntelfinal-Aus Kroatiens gegen Portugal als Nationaltrainer zurückgetreten, nach knapp neun Jahren und dem Vizeweltmeister-Titel 2018.

Ronald Koeman ist nach dem WM-Aus der Niederlande als Bondscoach zurückgetreten und hat seinen Abschied mit bemerkenswerter Ruhe vollzogen. Der 63-Jährige kehrt in seine Heimat zurück und begründet den Schritt mit dem Wunsch, mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Damit beginnt für den niederländischen Verband KNVB erneut die Suche nach einem neuen Nationaltrainer. Und am Freitag folgte der nächste Paukenschlag: Der DFB hat den Vertrag von Bundestrainer Julian Nagelsmann mit sofortiger Wirkung aufgelöst, und die Nachfolge ist laut Transfer-Insider Fabrizio Romano bereits fix: Jürgen Klopp wird neuer Bundestrainer („Here we go“). Auch bei Algerien gibt es einen prominenten Abschied: Superstar Riyad Mahrez erklärte nach dem WM-Aus seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Und nun der nächste Abgang, der kurioseste von allen: Hervé Renard tritt nach nur 18 Tagen als Nationaltrainer Tunesiens zurück. Und mit dem Gastgeber trifft es nun den prominentesten Namen des Turniers: Nach dem Achtelfinal-Aus bestätigte Mexikos Javier Aguirre seinen Rücktritt, Rafael Márquez übernimmt. Und auch die Black Stars aus Ghana stehen ohne Chef da: Carlos Queiroz trat nach dem Sechzehntelfinal-Aus zurück. Und nun der jüngste prominente Abgang: Portugals Roberto Martínez bestätigte nach dem Achtelfinal-Aus gegen Spanien seinen Rücktritt.

Marokkos Trainer Herve Renard beim WM-Qualifikationsspiel zwischen Marokko und Mali am 1. September 2017 im "Prince Moulay Abdellah" Stadion in Rabat. / AFP PHOTO / FADEL SENNA
Trainer Herve Renard beim WM-Qualifikationsspiel zwischen Marokko und Mali am 1. September 2017 im „Prince Moulay Abdellah“ Stadion in Rabat. / AFP PHOTO / FADEL SENNA

Koeman setzt einen Schlusspunkt

Nach dem bitteren Aus im Sechzehntelfinale gegen Marokko, das die Niederlande im Elfmeterschießen mit 2:3 verloren, ließ Koeman zunächst noch Raum für Spekulationen. Erst knapp einen Tag später folgte der offizielle Rücktritt. Seine letzten Worte klangen dabei wie der endgültige Abschied aus dem Nationalteam.

„Ich habe mich entschieden, mehr Zeit mit meiner Frau, meinen Kindern und Enkelkindern zu verbringen“, sagte Koeman. Die De Telegraaf sprach von einem „Abgang mit Würde“ und deutete an, dass die zweite Amtszeit des früheren Weltklasseverteidigers nun beendet sei und der Weg für einen Neuanfang frei werde.

Auch private Gründe spielten eine Rolle. Koemans Ehefrau Bartina kämpft seit Jahren gegen Brustkrebs, und der Coach machte deutlich, wie sehr ihn ihre Situation geprägt hat. „Wenn jemand, den man von ganzem Herzen liebt, einen schweren Kampf ausfechtet, verändert sich die eigene Perspektive. Meine Frau Bartina hat mich trotz ihrer eigenen Krankheit jeden Tag unterstützt und ermutigt, meine Arbeit als Nationaltrainer zu Ende zu bringen. Dafür bin ich ihr dankbarer, als ich es jemals in Worte fassen könnte“, schrieb er bei Instagram.

Der KNVB muss schnell handeln

Für die Niederlande beginnt damit abermals eine Phase des Umbruchs. Als mögliche Nachfolger werden bereits mehrere Namen gehandelt, darunter PSV-Erfolgscoach Peter Bosz, der frühere Liverpool-Trainer Arne Slot sowie Erik Ten Hag und Michael Reiziger. Zeit bleibt dem Verband jedoch kaum, denn im September startet schon die Nations League.

Nigel de Jong, beim KNVB Direktor für Spitzenfußball, betonte die Dringlichkeit, kündigte aber zugleich Sorgfalt an. „Wir wissen um die Dringlichkeit, werden uns aber gleichzeitig die nötige Zeit nehmen, um die richtige Entscheidung sorgfältig zu treffen“, sagte er.

WM-Aus trifft mehrere Nationalteams

Koeman steht mit seinem Rücktritt nicht allein. Insgesamt war für bislang neun Trainer bei dieser WM Endstation. Neben dem Niederländer verloren auch Miroslav Koubek aus Tschechien, Steve Clarke aus Schottland, Sebastian Beccacece aus Ecuador sowie der sogar vom Staatspräsidenten angezählte Myung-bo Hong aus Südkorea ihren Posten. Auch Ghanas Carlos Queiroz trat nach dem Sechzehntelfinal-Aus zurück. Tunesiens Sabri Lamouchi wurde bereits nach nur einem Spiel durch Hervé Renard ersetzt. Und zuletzt zog auch Gastgeber-Trainer Javier Aguirre nach dem Achtelfinal-Aus die Konsequenzen.

Koeman selbst zog damit einen klaren Schlussstrich. Er sei „stolz auf alles, was mir der Fußball gebracht hat, auf die Menschen, die ich kennengelernt habe, und auf die Tatsache, dass ich meine größte Leidenschaft zu meinem Beruf machen durfte“, schrieb er. Auch das klang wie ein Abschied für immer.

Deutschland: DFB löst Nagelsmanns Vertrag auf, Klopp soll übernehmen

Der spektakulärste Abgang aber kommt aus Deutschland: Vier Tage nach dem verlorenen Sechzehntelfinale von Foxborough gegen Paraguay (3:4 im Elfmeterschießen) zogen der DFB und Julian Nagelsmann die Konsequenzen. Der eigentlich bis 2028 laufende Vertrag des Bundestrainers wurde mit sofortiger Wirkung aufgelöst, wie der Verband am Freitag mitteilte. Nagelsmann hatte das Amt im September 2023 von Hansi Flick übernommen. Mit ihm verlassen auch seine Assistenten Benjamin Glück und Benjamin Hübner den DFB.

Für die Nachfolge gibt es einen klaren Wunschkandidaten: Die Verbandsspitze werde „nunmehr das Gespräch mit Jürgen Klopp suchen“, teilte der DFB mit, der 59-Jährige habe „bereits seine grundsätzliche Bereitschaft zur Übernahme des Postens signalisiert“. Kurios: Noch bis zum Ende des Turniers erklärt Klopp die WM als Experte für MagentaTV, ehe er vom „Fernseh-Bundestrainer“ zum echten Chef der deutschen Nationalmannschaft aufsteigen könnte.

Ganz ohne Hürden ist der Wechsel allerdings nicht: Klopps Vertrag als „Head of Global Soccer“ bei Red Bull läuft noch bis 2029, dem Vernehmen nach würde der Konzern ihn nur gegen eine Millionen-Ablöse ziehen lassen, das wäre ein Novum in der über 126-jährigen Geschichte des DFB. Dabei bahnt sich die Verbindung seit Jahren an: Schon 2019 gab es eine lose Verabredung zwischen Klopp und dem Verband, und noch im Januar 2023 sagte er: „Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass ich irgendwann mal Bundestrainer werde. Aber es muss passen.“

Ein weiterer Umbruch beim DFB steht ohnehin bevor: Sport-Geschäftsführer Andreas Rettig verlängert seinen zum Jahresende auslaufenden Vertrag aus persönlichen Gründen nicht. Darüber hatte er Präsident Bernd Neuendorf bereits vor dem Start der Weltmeisterschaft informiert.

Blitz-Amtszeit: Renard nach 18 Tagen schon wieder weg

Es ist die wohl kürzeste Trainer-Episode dieser WM: Hervé Renard ist nach dem Vorrunden-Aus Tunesiens als Nationaltrainer zurückgetreten, nach gerade einmal 18 Tagen im Amt. „Meine Reise ist zu einem Ende gekommen“, schrieb der 54 Jahre alte Franzose bei Instagram.

Renard hatte den Posten erst zum zweiten Gruppenspiel vom entlassenen Sabri Lamouchi übernommen, den Absturz der Nordafrikaner aber nicht stoppen können: Auch die Gruppenspiele zwei und drei gingen verloren, am Ende stand Tunesien mit null Punkten, zwei Toren und zwölf Gegentoren als Schlusslicht der Gruppe F da. Renard hatte zum Amtsantritt betont, „kein Zauberer zu sein“, und behielt damit recht. In seiner Abschiedsbotschaft wertete er die WM-Teilnahme dennoch als großen Erfolg und zeigte sich überzeugt, dass Tunesien „glanzvolle Kapitel in seiner Geschichte schreiben wird“. Pikant: Erst im April war Renard bereits als Nationaltrainer Saudi-Arabiens entlassen worden.

Mexiko: Aguirre bestätigt Rücktritt, Márquez übernimmt

Dem Aus bei der Heim-WM folgte die Bestätigung des Rücktritts: Javier Aguirre ist nicht mehr Trainer der mexikanischen Nationalmannschaft. „Ich sage auf Wiedersehen zum Fußball. Auf Wiedersehen zum Aztekenstadion“, sagte der 67-Jährige nach der 2:3-Niederlage im Achtelfinale gegen England in der Nacht auf Montag deutscher Zeit: „Ich gehe mit Stolz.“ Den Posten des Chefcoaches übernimmt nun wie geplant der ehemalige Barça-Profi Rafael Márquez, der seit 2024 als Co-Trainer unter Aguirre fungiert hatte.

Für Aguirre endet damit bereits die dritte Amtszeit als Coach Mexikos. Schon 2002 und 2010 hatte er die Nationalauswahl bei Weltmeisterschaften betreut, scheiterte jeweils aber ebenfalls im Achtelfinale. Im Juli 2024 übernahm er das Amt erneut. Während seiner Trainerlaufbahn coachte Aguirre zudem die Nationalmannschaften Japans und Ägyptens. Beim Turnier im eigenen Land hatte sich Mexiko ohne Gegentor als Sieger der Gruppe A gegen Südafrika, Südkorea und Tschechien durchgesetzt und auch das Sechzehntelfinale durch ein 2:0 gegen Ecuador überstanden. Gegen England war in Mexiko-Stadt nun Endstation.

Ghana: Queiroz verkündet Rücktritt nach WM-Aus

Auch bei den Black Stars ist Schluss: Der Portugiese Carlos Queiroz ist nach dem WM-Aus im Sechzehntelfinale als Trainer Ghanas zurückgetreten. Das gab der 73-Jährige am Sonntag bekannt. Zuvor hatte Ghana in der ersten K.o.-Runde in Kansas City mit 0:1 gegen Kolumbien verloren. „Ich beende diese Reise mit Stolz auf das Erreichte, aber auch mit der gesunden Unzufriedenheit derer, die stets mehr wollten“, sagte Queiroz.

Queiroz hatte sein Amt erst im April als Nachfolger des früheren Bundesligaprofis Otto Addo angetreten, der nach einem 1:2 im Test gegen Deutschland entlassen worden war. Für den Ex-Trainer von Real Madrid war es bereits die achte Station als Nationaltrainer, zum fünften Mal nahm er an einer Weltmeisterschaft teil. Bei seinem Abschied forderte Queiroz bessere „Rahmenbedingungen für Ghanas außergewöhnliche Fußballtalente“ und mahnte: „Die Zukunft der Black Stars wird nicht allein auf dem Spielfeld gestaltet.“

Portugal: Martínez bestätigt Rücktritt nach WM-Aus

Portugals Nationaltrainer Roberto Martínez bei einer Pressekonferenz während der WM 2026 in Houston.
Portugals Nationaltrainer Roberto Martínez, der nach dem Achtelfinal-Aus gegen Spanien zurücktrat. (Foto: Jack Gorman / Getty Images)
Auch Portugal braucht einen neuen Chef: Nach dem Achtelfinal-Aus gegen Europameister Spanien hat Roberto Martínez seinen Rücktritt als Nationaltrainer bestätigt. „Es ist sicher, dass dies mein letztes Spiel für Portugal war. Ich möchte mich beim portugiesischen Volk bedanken. Ich nehme eine Erinnerung mit, die mir ein Leben lang bleiben wird“, sagte der Spanier nach dem 0:1 (0:0), das ein später Treffer von Mikel Merino (90.+1) besiegelt hatte. Für Cristiano Ronaldo und Portugal ist die WM 2026 damit beendet.

Martínez hatte das Team Anfang 2023 übernommen und im Sommer 2025 zum Triumph in der Nations League geführt, beim Finalturnier in Deutschland hatte Portugal ausgerechnet Spanien im Elfmeterschießen bezwungen. Dass nach der WM Schluss sein würde, hatte er bereits vorher versichert, sein Vertrag lief aus. „Die Spieler haben unglaubliche Arbeit geleistet, sie sind sehr talentiert und haben sich mit ganzem Engagement für das Team eingesetzt“, betonte Martínez, der in 45 Spielen als Trainer eine besondere Beziehung zu Portugal aufgebaut habe. Als Nachfolger wird der Portugiese Jorge Jesus gehandelt: Der 71-Jährige hat seinen Posten bei Al-Nassr in Saudi-Arabien verlassen, Gespräche mit Verbandspräsident Pedro Proença sind geplant, sobald Jesus in die Heimat zurückkehrt.

Kroatien: Dalic tritt nach WM-Aus zurück


Auch Kroatien steht ohne Nationaltrainer da: Sechs Tage nach dem WM-Aus im Sechzehntelfinale hat Zlatko Dalic seinen Rücktritt bekanntgegeben. Wie der kroatische Verband am Mittwoch mitteilte, gibt der 59-Jährige seinen Posten nach knapp neun Jahren frei. „Eine bescheidene Ankunft. Eine unvergessliche Reise. Ein stolzer Abschied“, schrieb der Verband auf X: „Zlatko Dalic hat beschlossen, sein unglaublich erfolgreiches Kapitel mit Kroatien zu beenden.“

Dalic hatte das Team um Kapitän Luka Modric im Oktober 2017 übernommen und 2018 ins WM-Finale geführt, wo Kroatien Vizeweltmeister wurde. 2022 holte er Platz drei, 2023 fehlte im Finale der Nations League nur wenig zum Titel. Insgesamt stand Dalic in 111 Spielen an der Seitenlinie. „Danke für die Erfolge, den Zusammenhalt und deinen unerschütterlichen Einsatz, für Kroatien zu kämpfen“, hieß es in der Mitteilung weiter: „Der Respekt, den du dir bei deinen Spielern, deinem Staff und deinen Gegnern erworben hast, sagt alles darüber aus, was für ein Mensch du bist.“ Bei der WM 2026 war Kroatien im Sechzehntelfinale an Portugal gescheitert (1:2).

WM 2026: Alle Trainer, die nach dem Aus zurückgetreten oder entlassen wurden

Trainer Land Was geschah Unser Artikel
Julian Nagelsmann 🇩🇪 Deutschland Vertrag nach Sechzehntelfinal-Aus mit sofortiger Wirkung aufgelöst, Klopp soll übernehmen Offizieller Rücktritt
Ronald Koeman 🇳🇱 Niederlande Rücktritt nach Aus im Sechzehntelfinale Koeman tritt zurück
Miroslav Koubek 🇨🇿 Tschechien Posten geräumt nach dem WM-Aus ,
Steve Clarke 🏴󠁧󠁢󠁳󠁣󠁴󠁿 Schottland Posten geräumt nach dem WM-Aus ,
Sebastián Beccacece 🇪🇨 Ecuador Aufhören nach dem WM-Aus Beccacece hört auf
Myung-bo Hong 🇰🇷 Südkorea Rücktritt, zuvor vom Staatspräsidenten angezählt Hong wirft das Handtuch
Sabri Lamouchi 🇹🇳 Tunesien Entlassen nach 1.Spiel, ersetzt von Hervé Renard Tunesien feuert Lamouchi
Hervé Renard 🇹🇳 Tunesien Rücktritt nach dem Vorrunden-Aus, nur 18 Tage im Amt ,
Javier Aguirre 🇲🇽 Mexiko Rücktritt nach dem Achtelfinal-Aus, Márquez übernimmt ,
Carlos Queiroz 🇬🇭 Ghana Rücktritt nach dem Sechzehntelfinal-Aus (0:1 gegen Kolumbien) ,
Roberto Martínez 🇵🇹 Portugal Rücktritt nach dem Achtelfinal-Aus (0:1 gegen Spanien), Jorge Jesus als Nachfolger gehandelt
Zlatko Dalic 🇭🇷 Kroatien Rücktritt nach knapp neun Jahren, sechs Tage nach dem Sechzehntelfinal-Aus gegen Portugal Kroatien bei der WM 2026