Erstmals hat Jonathan Klinsmann öffentlich geschildert, wie nah er im April an einer Querschnittslähmung vorbeigeschrammt ist. Der US-Torhüter erlitt bei einem Zusammenprall in der Serie B einen Bruch des ersten Halswirbels und stand danach dennoch weiter zwischen den Pfosten. Heute weiß der 29-Jährige, welches Risiko er damals eingegangen ist.

Ein Zusammenprall mit fatalen Folgen
Am 18. April krachte Klinsmann im Auswärtsspiel seines Vereins AC Cesena bei US Palermo, das mit 0:2 verloren ging, mit einem gegnerischen Spieler zusammen. Trotz der Kollision blieb der Schlussmann auf dem Rasen und spielte die restlichen Minuten der Partie zu Ende. Seine Abwehrspieler bekamen von der Schwere der Blessur offenbar eine Ahnung und schoben das Spielgerät in der Schlussphase nur noch sicherheitshalber untereinander hin und her, um ihren Torwart nicht mehr in brenzlige Situationen bringen zu müssen.
Klinsmann selbst ging zunächst von harmloseren Blessuren aus. „Ich dachte an eine Gehirnerschütterung oder ein Schleudertrauma“, erklärte er der New York Times. Erst im Nachhinein wurde ihm klar, wie sein Körper in diesem Moment tatsächlich reagiert hatte: „Dann aber hat meine Nackenmuskulatur verrückt gespielt, um mich vor irgendetwas zu schützen.“ Wäre er in dieser Phase noch einmal zu einer Parade gezwungen gewesen, hätte die Angelegenheit deutlich dramatischer enden können. „Ich weiß nicht, ob ich davongekommen wäre“, so der Sohn von Weltmeister Jürgen Klinsmann.
Riskante Operation und schnelle Fortschritte
Rückblickend zeigt sich der Keeper erleichtert über den glimpflichen Ausgang. „Ich hatte Glück. Es hätte viel, viel schlimmer kommen können“, sagte er mit Blick auf das Horrorszenario, das ihm drohte: „Nie wieder Fußball spielen, nie wieder laufen können.“ Auf Anraten seines Vaters entschied sich Klinsmann für einen Eingriff in Heidelberg. Die Operation galt als kompliziert und laut eigener Aussage „sehr risikoreich“, verlief letztlich aber ohne Komplikationen.
Die Genesung nahm daraufhin einen erfreulichen Verlauf. Bereits wenige Tage nach dem Eingriff konnte Klinsmann wieder selbstständig laufen. Bis zu seiner Rückkehr ins Tor ist es jedoch noch ein weiter Weg. Einen konkreten Zeitplan für sein Comeback gibt es bislang nicht, wie er betonte. Zunächst muss der verletzte Wirbel vollständig zusammenwachsen, ehe die eingesetzten Schrauben in einem weiteren Eingriff entfernt werden können. Als realistisches Ziel für die Rückkehr auf den Platz nennt Klinsmann die Saison 2027/28.
Der Unfall kostete den Nationaltorhüter zudem eine mögliche Teilnahme an der Heim-WM. Ohne die schwere Verletzung wäre Klinsmann nach eigener Einschätzung Teil des US-Aufgebots für das Turnier im eigenen Land gewesen.