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Paraguay hat die dürftige Vorrunde hinter sich gelassen und blickt mit wachsender Vorfreude auf das K.o.-Duell mit Deutschland. Nach dem schweren Gruppenprogramm spricht die Albirroja plötzlich wieder vom Traum vom großen Wurf. „Der Traum geht weiter. Jetzt beginnt das Turnier erst so richtig“, schrieb die Asunción Times vor dem Achtelfinalduell mit dem „traditionellen Mitfavoriten“ aus Europa.

Frust der Vorrunde ist vorerst vergessen
Die Kritik an der fahrigen Gruppenphase und an Gustavo Alfaro spielt in Paraguay derzeit nur noch eine Nebenrolle. Ecuador habe bereits vorgemacht, dass auch vermeintlich kleine südamerikanische Nationen das große Deutschland bezwingen können, heißt es dort. Genau daran klammert sich die Hoffnung vor dem Duell am Montag (22.30 Uhr MESZ, ZDF und MagentaTV) in Foxborough bei Boston.
Auch Alfaro selbst gibt sich kämpferisch. Schon nach dem 0:0 gegen Australien zum Abschluss der Vorrunde hatte der 63-Jährige betont: „Natürlich wird es schwer, einen der Top-Favoriten auszuschalten. Aber es ist nicht unmöglich. ‚Unmöglich‘ gibt es nicht. Wir werden mit Gelassenheit in die Partie gehen.“ Zugleich war diese Nullnummer in der Heimat keineswegs euphorisch aufgenommen worden. Die Pressekonferenz nach dem Spiel sei „zeitweise angespannt“ verlaufen, schrieb die Zeitung Ultima Hora.

Die Kritik an Alfaro bleibt deutlich
Auch das 1:4 gegen die USA und das eher schmeichelhafte 1:0 gegen die Türkei hatten in Paraguay für wenig Begeisterung gesorgt. Alfaro sah sich deshalb zu einer deutlichen Verteidigung seiner Arbeit gezwungen. „Ich frage nur: Wisst ihr, wie schwer es war, sich für die WM zu qualifizieren? Wir stehen auf Platz 42 der Weltrangliste!“, erklärte er.
Der frühere WM-Teilnehmer beklagte zudem die geringe internationale Sichtbarkeit seiner Spieler. Seine Profis seien im Ausland kaum bekannt, geschweige denn präsent. „Das ist ein Problem. Warum können sich unsere Spieler nicht durchsetzen? Ich spreche nicht einmal von Europa. Wir können uns auch in Brasilien oder Argentinien nicht durchsetzen.“
Tatsächlich sind nur der am Montag gelbgesperrt fehlende Mittelfeldmann Diego Gómez von Brighton, der angeschlagen ausgewechselte Innenverteidiger Omar Alderete von Sunderland sowie die Angreifer Antonio Sanabria von Cremonese und Julio Enciso aus Straßburg in Europa aktiv. Mit Enciso hat auch Mainz 05 aus der Conference League unliebsame Erfahrungen gemacht.

Ein Duell mit Erinnerungen an 2002
Bei der letzten WM-Teilnahme war Paraguay noch deutlich breiter international aufgestellt. 2010 erreichte die Mannschaft mit dem früheren Bayern-Stürmer Roque Santa Cruz sowie dem BVB-Duo Lucas Barrios und Nelson Valdez das Viertelfinale. Dort scheiterte sie äußerst unglücklich mit 0:1 an Spanien, inklusive verschossenem Elfmeter.
Danach verpassten die Südamerikaner dreimal in Serie die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft. Nun führt der Weg wieder gegen Deutschland. In Paraguay ist dabei vor allem das Achtelfinale 2002 in Südkorea in Erinnerung, als Oliver Neuville das Spiel erst in der 88. Minute mit dem Treffer zum 1:0 entschied.
Auch der bisher letzte direkte Vergleich bleibt präsent. 2013 trennten sich beide Teams in Kaiserslautern 3:3. Erst zum dritten Mal überhaupt stehen sich Deutschland und Paraguay nun wieder gegenüber, und in Paraguay wird schon gehofft, dass es diesmal mit dem ersten Sieg klappt.
Für Alfaro ist die zähe Vorrunde jedenfalls abgehakt. „Jetzt beginnt eine andere WM“, sagte er und legte nach: „Eine völlig andere WM.“