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Die deutsche Nacht bei der WM 2026 brachte späte Dramatik, klare Statements und eine Debatte um Cristiano Ronaldo. Während Ghana in Toronto mit einem Last-Minute-Tor Panama bezwang und Kolumbien den WM-Neuling Usbekistan mit 3:1 stoppte, diskutierte Portugal nach dem 1:1 gegen die Demokratische Republik Kongo über den Formstand seines Stars. Auch Alphonso Davies liefert für Kanada vor dem nächsten Gruppenspiel zumindest gute Nachrichten.

Späte Tore sorgen in Toronto und Mexiko-Stadt für Bewegung
19 Grad, Regen und zwei zusätzliche Abkühlpausen, die die Zuschauer in Toronto hörbar missbilligten, prägten zunächst die Partie zwischen Ghana und Panama. Erst in der fünften Minute der Nachspielzeit explodierte das Spiel dann doch noch, als Caleb Yirenkyi vom dänischen Superliga-Klub FC Nordsjaelland für Ghana zum 1:0 traf. Kurz vor dem Abpfiff wurde es vor dem Tor der Ghanaer noch einmal hektisch, es kam zu einer massiven Rudelbildung. Schiedsrichter Glenn Nyberg blieb skandinavisch ruhig, nur Panamas Carlos Harvey sah nach dem derben Schubsen Gelb.
Auch das letzte Spiel des ersten Spieltags, zugleich die 24. Partie von insgesamt 104 dieser Monster-WM, brachte einen besonderen Moment. Endlich feierte Usbekistan sein Turnierdebüt, und das Team von Fabio Cannavaro wehrte sich ordentlich. Der 22 Jahre alte Abbosbek Fajsullajew erzielte sogar den zwischenzeitlichen Ausgleich. Am Ende setzte sich aber Kolumbien dank Luis Díaz durch. Der Angreifer des FC Bayern markierte beim 3:1 (1:0) das vorentscheidende 2:1, ehe Jaminton Campaz in der 90.+9 den Endstand herstellte.
Kolumbien übernimmt, Usbekistan schreibt WM-Geschichte
Im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt geriet Kolumbien zunächst gegen kompakt verteidigende Usbeken ins Stocken. Jhon Arias prüfte früh das Außennetz, Díaz traf nach starkem Steilpass von Arias den Pfosten. Die Führung fiel schließlich durch Daniel Munoz in der 41. Minute, der auf Vorlage des Münchners artistisch vollendete. Nach der Pause wurde Usbekistan mutiger, ohne zunächst gefährlich zu werden, dann aber sorgte Fajsullajew aus dem Nichts für das 1:1, das erste WM-Tor in der Geschichte des zentralasiatischen Debütanten. Nur wenig später schlug Díaz nach Zuspiel von Gustavo Puerta zu und stellte die Weichen wieder auf Sieg. Kolumbien verwaltete das Ergebnis lange clever, musste in der Schlussphase aber noch einmal zittern.

Die weitere Gruppenlage bleibt spannend, denn Portugal und die Demokratische Republik Kongo hatten sich zuvor 1:1 getrennt. Für Cannavaro, der 2006 in Deutschland mit Italien Weltmeister geworden war, blieb trotz der Niederlage viel Anerkennung für den Auftritt seiner Mannschaft. Er erklärte, es habe sich angefühlt, „als hätten wir in Kolumbien gespielt“. Zudem sagte er, er hoffe, dass seine Auswahl im nächsten Spiel gegen Portugal „mutiger“ auftrete. Vor seinem ersten WM-Turnier als Coach hatte Cannavaro seine Mannschaft noch als potenziellen Überraschungskandidaten beschrieben, und genau diesen Ruf bestätigten die Usbeken über weite Strecken.
Ghana feiert, Kanada hofft auf Davies
Trainer Carlos Queiroz lief nach dem Schlusspfiff erstaunlich rüstig zu den ekstatisch jubelnden Fans, die Spieler fielen Matchwinner Caleb Yirenkyi um den Hals, und auch Verteidiger Marvin Senaya sowie ein Betreuer schwenkten die Flagge Ghanas über den Rasen. Obwohl es „nur“ ein 1:0 gegen Panama war, wirkte der Last-Minute-Erfolg wie eine Befreiung. Antoine Semenyo von Manchester City meinte: „Ich denke, die Emotionen, als wir gefeiert haben, sagen alles“. Queiroz selbst gab zu, dass ihn die Intensität an seine Grenzen brachte: „Es war so tough und intensiv, dass sogar ich müde bin“.
Der 73 Jahre alte Coach sprach auch von einem echten Kraftakt in einem Spiel, in dem Ghana vor der Pause kaum stattfand und Panama zunächst klar besser war. „Zuerst mussten wir leiden, wir haben wie Krieger gekämpft“, sagte Queiroz bei ITV. „Wir haben das Spiel mit Köpfchen gewonnen.“ Mit drei Punkten hält Ghana Kurs auf das Achtelfinale, braucht in der Gruppe L gegen die Favoriten England und Kroatien aber wohl zumindest noch einen Zähler. Der nächste Gegner ist am kommenden Dienstag um 22.00 Uhr deutscher Zeit in Boston die „Three Lions“, ein besonderes Duell für Semenyo. Der 26-Jährige wurde in London geboren und trifft auf Vereinskollegen wie Nico O’Reilly, John Stones und James Trafford. „Das wird anders. Ich freue mich auf die Herausforderung. Jeder im Ghana-Team freut sich darauf. Wir wollen etwas beweisen“, sagte der Flügelspieler.
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Für Kanada gab es vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Katar, das in der deutschen Nacht zum Freitag um 0.00 Uhr deutscher Zeit bei ZDF und MagentaTV übertragen wird, immerhin eine positive Nachricht. Alphonso Davies steht wieder im Kader. Nationaltrainer Jesse Marsch erklärte, der Abwehrspieler des FC Bayern sei „wieder verfügbar, er ist bereit“. Von Anfang an werde der Linksfuß aber noch nicht spielen, vielmehr wolle man sehen, „wie das Spiel läuft“, bevor über seinen Einsatz entschieden werde.
Tuchel ärgert sich, Ronaldo bleibt blass
Thomas Tuchel war nach dem amüsanten 4:2 der Engländer gegen Kroatien alles andere als zufrieden mit den Rahmenbedingungen. Der deutsche Coach der Three Lions fühlte sich bei seiner WM-Premiere um einen besonderen Moment gebracht, weil Fotografen während der Nationalhymne seine Sicht versperrten. „Ich bitte die FIFA inständig, die Position der Fotografen während der Nationalhymne zu ändern“, sagte er. „Es war heute ein ganz, ganz besonderer Moment. Aber ich stand einen halben Meter vor einer Wand aus 50 Fotografen und konnte keinen einzigen meiner Spieler sehen. Das hat mir das Erlebnis ein wenig verdorben.“
In Portugal richtete sich der Blick dagegen auf Cristiano Ronaldo, der beim enttäuschenden 1:1 gegen die Demokratische Republik Kongo wirkungslos blieb. Der 41 Jahre alte Kapitän verschwand nach Abpfiff frustriert in der Kabine, während die Mitspieler noch eine Ehrenrunde drehten. Die portugiesischen Medien gingen hart mit ihm ins Gericht. Público schrieb, das Team habe seinem Vertrauen in Ronaldo ausgeliefert gewirkt und Vertrauen allein reiche nicht mehr, schon gar nicht nicht mehr beim aktuellen Ronaldo. Expresso titelte sinngemäß mit „Houston, wir haben ein Problem“ und nannte den Weltstar „wirkungslos“.

Es ist kein völlig neues Bild. Ronaldos letztes Tor bei einem großen Turnier liegt bereits zehn Spiele und 802 Minuten zurück. Bei der WM 2022 in Katar traf er noch per Elfmeter zum Auftakt, bei der EM 2024 in Deutschland blieb der Jubel des „Siuuu“ dann schon aus. Gegen Kongo kam nun die nächste Ernüchterung dazu. Ronaldo lehnte sämtliche Interviewanfragen ab und verließ das Stadion mit seinen Mitspielern im Pulk an den rund 60 wartenden Journalisten vorbei. Später schrieb er in den Sozialen Medien: „Es war nicht der Start, den wir wollten, aber das ist noch lange nicht zu Ende. Kopf hoch und Fokus auf das nächste Spiel“.
Sportlich hatte João Neves Portugal früh in Führung gebracht, ehe Yoane Wissa noch vor der Pause ausglich. Dazu kam die nüchterne Bilanz des Portugiesen selbst: kein Schuss aufs Tor, kein erfolgreicher Dribblingabschluss, kein Schlüssels pass und sogar weniger Ballkontakte als Kongs Torhüter Lionel Mpasi-Nzau, der auf 35 kam, während Ronaldo nur 25 Mal am Ball war. Kongos Ngal Ayel Mukau meinte, eine besondere Bewachung habe es gegen ihn „nicht wirklich“ gebraucht. Nationaltrainer Roberto Martínez wollte das Resultat nicht überbewerten und betonte, die Einstellung seines Teams sei sehr gut gewesen. Zugleich verwies er darauf, dass eine schwächere Vorstellung in der Gruppenphase noch Zeit zur Korrektur lasse, ehe er nach der WM seinen Posten räumt. Die spanische Marca brachte die Lage auf den Punkt und schrieb, die historische Bürde, Ronaldo in guten wie in schlechten Zeiten auf dem Platz zu halten, laste schwer auf dem Team und helfe sicher nicht.