Kritik an der FIFA: neue Regeln bei der WM 2026 – Zu viele auf einmal?

Vor jeder WM schraubt die FIFA am Regelwerk, doch vor der Weltmeisterschaft 2026 fällt die Liste der Änderungen besonders lang aus. Aus Sicht von Bernd Heynemann, WM-Schiedsrichter 1998, kommt in diesem Sommer zu vieles gleichzeitig auf die Unparteiischen zu.

Schiedsrichter Adham Makhadmeh stellt sich mit seinem Gespann vor dem WM-Gruppenspiel zwischen Spanien und Kap Verde auf. Die Partie der Gruppe H fand am 15. Juni 2026 im Atlanta Stadium in Atlanta, Georgia, statt. Buda Mendes / Getty Images North America via Getty Images
Schiedsrichter Adham Makhadmeh stellt sich mit seinem Gespann vor dem WM-Gruppenspiel zwischen Spanien und Kap Verde auf. Die Partie der Gruppe H fand am 15. Juni 2026 im Atlanta Stadium in Atlanta, Georgia, statt. Buda Mendes / Getty Images North America via Getty Images

Der frühere Referee begrüßt zwar den härteren Kurs gegen Zeitspiel, warnt aber davor, dass die zusätzliche Kontrolle die Schiedsrichter im Spielbetrieb eher belastet als entlastet. Auch der VAR erhält neue Eingriffsrechte, was nach seiner Einschätzung den Grat zwischen sinnvoller Korrektur und zu tiefem Eingreifen noch schmaler macht.

FIFA verschärft den Kampf gegen Spielverzögerungen

Heynemann erinnert daran, dass die FIFA schon zu seiner WM 1998 jedes Turnier mit Regelpräzisierungen oder neuen Vorgaben begleitet habe. Damals stand das sogenannte „brutales Spiel“ im Mittelpunkt, sei dann aber im Turnier selbst kaum ein Thema gewesen, weil die Teams vorbereitet waren und die Schiedsrichter konsequent durchgriffen. In Frankreich tauchte dafür das Trikot-Ziehen als neues Phänomen auf und wurde nach der WM als Gelb-Vergehen eingestuft.

Nun nimmt der Weltverband erneut das Zeitspiel ins Visier. Der ehemalige Unparteiische hält es für richtig, dass beim Einwurf der Ball nicht mehr an einen oder sogar zwei Mitspieler weitergereicht werden darf, um wertvolle Sekunden zu schinden. Auch am Torabstoß sollen keine Verzögerungstricks mehr möglich sein, gerade dann nicht, wenn eine Mannschaft führt.

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Hinzu kommen klare Fristen bei Spielunterbrechungen. Für Auswechslungen gilt künftig ein 10-Sekunden-Zeitlimit, zudem soll ein behandelter Akteur nicht sofort wieder auf das Feld zurückkehren können, sobald er über die Seitenlinie begleitet wurde.

Mehr Aufgaben für die Schiedsrichter

Genau hier sieht Heynemann das Problem. Mit den 5-Sekunden-Countdowns bei Einwürfen und Abstößen sowie der Kontrolle der einminütigen Zwangspausen bei langsamen Wechseln oder Behandlungen bekommen die Referees deutlich mehr Verwaltungsarbeit aufgebürdet. Das könne sie von ihrer eigentlichen Aufgabe ablenken, nämlich eine Partie konzentriert und ausgewogen zu leiten.

Zusätzlich sollen die WM-Schiedsrichter künftig auch darauf achten, dass Feldspieler nicht zum Trainer laufen, um sich bei einer Behandlung des Torhüters abzusprechen. Diese Form der Torhüter-Auszeit werde zwar oft als Trick genutzt und müsse bekämpft werden, doch es fehle bisher noch eine klare Regel mit entsprechender Sanktion.

VAR bekommt neue Eingriffsrechte

Auch der Videobeweis wird ausgeweitet. Bei der WM 2026 darf der VAR künftig nicht nur Eckbälle prüfen, sondern auch die zweite Gelbe Karte bei einer Gelb-Roten Karte. Für Heynemann sind diese Neuerungen im Einzelfall nachvollziehbar, in ihrer Summe aber problematisch.

Als Beispiel nennt er das Spiel USA gegen Paraguay. Dort wurde eine Gelbe Karte nachträglich von einem vermeintlichen Foul in eine Verwarnung wegen Schwalbe des Gegners umgewandelt. In dieser Situation erscheine die Korrektur zwar gerecht, zugleich zeige sie aber, wie schmal die Linie zu zu vielen VAR-Eingriffen sei, die am Ende nicht im Sinne des Spiels wären.