Ghana Länderspiel am Montag – Deutscher Coach Addo brennt auf Wiedergutmachung

Ghana Trainer Otto Addo will nach dem Debakel in Wien ein anderes Gesicht seiner Mannschaft sehen: Beim  Länderspiel gegen die Fußballnationalmannschaft aus Deutschland am Montag in Stuttgart ist Wiedergutmachung angesagt. Der 50-Jährige Coach Otto Addo, ehemaliger Bundesligaprofi, übte harte Kritik an der Leistung seines Teams nach dem 1:5 (0:1) im WM-Härtetest in Österreich. Addo betonte, dass jeder um die WM spiele und seine Mannschaft intensiver werden müsse. Zugleich macht ihm die Partie gegen den viermaligen Weltmeister persönlich viel Hoffnung und Bedeutung.

Die Spieler der ghanaischen Nationalmannschaft posieren vor dem Testspiel gegen Österreich am 27. März 2026 im Ernst Happel Stadion in Wien für ein Mannschaftsfoto. Christian Bruna / Getty Images
Die Spieler der ghanaischen Nationalmannschaft posieren vor dem Testspiel gegen Österreich am 27. März 2026 im Ernst Happel Stadion in Wien für ein Mannschaftsfoto. Christian Bruna / Getty Images

Wiedergutmachung nach dem 1:5-Debakel

Otto Addo erlebte mit Ghana in Wien einen „bitteren Abend“ und bezeichnete die zweite Halbzeit als Hauptproblem: „Die zweite Hälfte“, schimpfte der Nationaltrainer Ghanas nach dem schmachvollen 1:5 (0:1) im WM-Härtetest in Österreich, „war ein großes Desaster.“ Vor dem Spiel in Stuttgart gegen Deutschland nahm der ehemalige Bundesligaprofi seine Mannschaft in die Pflicht und forderte Konsequenzen.

„Jeder spielt um die WM, wir müssen intensiver sein. Wir haben große Lektionen zu lernen“, sagte Addo und machte deutlich, dass der nach der Pause peinliche Auftritt in Wien am Freitagabend schnell vergessen werden müsse. „Ich kann mich nicht erinnern, wann wir zuletzt so verloren haben. Es ist wirklich enttäuschend“, bilanzierte der Coach und stellte damit die Dringlichkeit einer Reaktion vor dem Länderspiel am Montag heraus.

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Addos persönliche Motivation und Bedeutung des Spiels

Für Addo ist die Partie gegen Deutschland nicht irgendein Länderspiel, sondern eine persönliche Angelegenheit: „Ich bin in Hamburg mit meiner Zwillingsschwester und meiner alleinerziehenden Mutter aufgewachsen. Jetzt bin ich Nationaltrainer“, sagte der 50-Jährige im Gespräch mit dem SID. Er stellte seine Herkunft als Teil seiner Motivation dar und gab der Begegnung zusätzliche Bedeutung.

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„Alles ist möglich“, fügte Addo an und stellte die rhetorische Frage, ob auch ein Sieg gegen den viermaligen Weltmeister erreichbar sei. Für ihn ist das Spiel in doppeltem Sinne wichtig: Für seine Mannschaft, die „an guten Tagen mit den Top-Nationen mithalten“ kann, und persönlich, „weil ich weiß, dass meine Zukunft zu großen Teilen in Deutschland liegen wird“. Man wolle sich ja noch sehen lassen können, so Addo.

Ghana-Nationaltrainer Otto Addo vor dem Freundschaftsspiel zwischen Japan und Ghana im Toyota Stadium in Toyota, Japan, am 14. November 2025. Koji Watanabe / Getty Images
Ghana-Nationaltrainer Otto Addo vor dem Freundschaftsspiel zwischen Japan und Ghana im Toyota Stadium in Toyota, Japan, am 14. November 2025. Koji Watanabe / Getty Images

Kampf gegen Rassismus und die politische Einordnung

Addo schilderte seine Identität als Deutsch-Ghanaer und die damit verbundenen Erfahrungen mit Diskriminierung: Früher habe er sich nur als Ghanaer gesehen. „Früher habe ich mich nur als Ghanaer gesehen. Ich habe mich so gesehen, wie andere mich sehen. Die erste Frage war immer: Woher kommst du?“ Damit zog er eine Verbindung zwischen persönlicher Herkunft und der öffentlichen Wahrnehmung.

In der Presserunde beantwortete Addo auch Fragen zur politischen Dimension: „Was versteht man unter Politik?“, fragte er und präzisierte seine Haltung: „Für mich ist es keine Politik, sich für Menschen, die rassifiziert oder diskriminiert werden, einzusetzen.“ Gleichzeitig machte er klar, dass er bei geopolitischen Konflikten zurückhaltend bleibt: „Aber zu Kriegsthemen, da werde er sich nicht äußern.“

Ärger über den Senegal-Skandal und Kritik an Verbandsentscheidungen

Der jüngste Wirbel um die Aberkennung des Afrika-Cup-Sieges des Senegal ärgert Addo besonders, weil viele Menschen darin eine Bestätigung von Klischees sehen. Er kritisierte die Wahrnehmung: „Es ist schade und schlecht, was passiert ist.“ Addo wies damit auf die Gefahr hin, dass derartige Skandale Vorurteile von außen bestätigen.

Gleichzeitig relativierte er die Besonderheit des Falls, indem er auf historische Ungereimtheiten verwies: „bei der Vergabe der WM 2006 nach Deutschland gab es auch genug Ungereimtheiten“, sagte er und lenkte damit die Diskussion auf die generelle Problematik von Skandalen im Weltfußball.

Afrikas Chancen bei der WM und Ghanas Personal

Für die WM nannte Addo die Bedeutung des Kontinents: Bei der WM sind mindestens neun afrikanische Mannschaften dabei. Er verwies auf starke Anwärter: Marokko, der erste Halbfinalist vom Kontinent, werde wieder stark eingeschätzt, Senegal auch – doch Ghana habe ebenfalls einiges zu bieten. „Verstecken müssen wir uns nicht“, sagte Addo und signalisiert damit Selbstvertrauen.

Er nannte konkrete Spieler aus dem ghanaischen Kader, die in Deutschland aktiv sind: Ransford Königsdörffer vom Hamburger SV, Patric Pfeiffer von Darmstadt 98 und Jonas Adjetey vom VfL Wolfsburg. Außerdem erwähnte er Antoine Semenyo, Rechtsaußen von Manchester City, dessen Marktwert er mit 75 Millionen Euro bezifferte. Obwohl es nicht überaus wahrscheinlich sei, dass Ghana Weltmeister werde, ist der Coach „fest davon überzeugt“, irgendwann einen afrikanischen Weltmeister zu erleben.

Sprachliche Vielfalt Ghanas und Addos Mehrsprachigkeit

Addo hob die interne Diversität Ghanas hervor, die auch eine Herausforderung für seine Arbeit darstelle: In Ghana sei die sprachliche Situation extrem divers. Er erläuterte seine eigenen Sprachkenntnisse als Vorteil und Verbindung zu verschiedenen Bevölkerungsgruppen.

„Addo spricht Twi, die Sprache seiner Eltern und der Ashantis. ‚Aber ich verstehe auch Ga.‘ Es geht auch Englisch, Spanisch, Französisch – oder ein breites ‚Moin‘.“ Damit die Herkunft gleich geklärt ist.