Wer ist Deutschlands 1.WM Gegner? Holland tarnt sich als Curaçao!

Am Sonntag steht für Curaçao der größte Moment seiner Fußballgeschichte an. Der Karibikstaat mit knapp 160.000 Einwohnern und nur 444 Quadratkilometern Fläche, also etwa halb so groß wie Berlin, feiert gegen Deutschland seine WM-Premiere und tritt dabei mit reichlich Selbstvertrauen auf. In der WM 2026 Gruppe E warten danach Ecuador und die Elfenbeinküste.

Tahith Chong wärmt sich beim Abschlusstraining der Nationalmannschaft von Curaçao auf, einen Tag vor dem WM-2026-Gruppenspiel der Gruppe E gegen Deutschland im Flagler Credit Union Stadium in Boca Raton, Florida, am 13. Juni 2026. Megan Briggs / Getty Images
Tahith Chong wärmt sich beim Abschlusstraining der Nationalmannschaft von Curaçao auf, einen Tag vor dem WM-2026-Gruppenspiel der Gruppe E gegen Deutschland im Flagler Credit Union Stadium in Boca Raton, Florida, am 13. Juni 2026. Megan Briggs / Getty Images

Freche Ansagen vor dem Duell mit Deutschland

Schon vor dem Anpfiff geben die Außenseiter aus der Karibik den Ton an. Abwehrspieler Roshon van Eijma, 27 Jahre alt, wurde von BILD nach seinem Tipp gefragt und antwortete selbstbewusst: „2:0 für Curaçao.“ Die Frage, ob das frech oder blau sei, drängt sich bei einem Land auf, dessen bekanntester Likör denselben Namen trägt. Auch Juriën Gaari, 32, legt nach und kündigt an: „Wir sind wie Löwen auf dem Platz, um mit den Gegnern zu kämpfen.“ Für Deutschland ist das ein Warnsignal, denn Curaçao reist nicht als Statist zum Turnier an.

Torhüter Eloy Room, 37, ordnet die Partie noch deutlicher ein. „Für Deutschland ist es ein Spiel gegen die Niederlande II, weil unsere Spieler fast alle dort geboren wurden. Das sorgt für eine besondere Rivalität und Brisanz – und motiviert uns zusätzlich.“, sagt er. Tatsächlich ist der Kader fast komplett in Holland geboren. Nur Tahith Chong, 26 Jahre alt und ehemaliger Werder-Profi, kam in Willemstad auf Curaçao zur Welt. Der Rest der 26er-Auswahl stammt aus den Niederlanden. Die seltene Mischung aus karibischer Leidenschaft und niederländischer Prägung macht den Gegner schwer einzuordnen.

Nationaltrainer Dick Advocaat gibt seinen Spielern während einer Trainingseinheit der Nationalmannschaft von Curaçao am 26. Mai 2026 in Noordwijk aan Zee Anweisungen. Der WM-Neuling bereitet sich in den Niederlanden mit Testspielen auf seine erste Weltmeisterschafts-Endrunde vor. (Dean Mouhtaropoulos / Getty Images)
Nationaltrainer Dick Advocaat gibt seinen Spielern während einer Trainingseinheit der Nationalmannschaft von Curaçao am 26. Mai 2026 in Noordwijk aan Zee Anweisungen. Der WM-Neuling bereitet sich in den Niederlanden mit Testspielen auf seine erste Weltmeisterschafts-Endrunde vor. (Dean Mouhtaropoulos / Getty Images)

Advocaat setzt auf Ordnung, Musik und Niederlande-Spuren

Auch an der Seitenlinie steht ein Mann mit Oranje-Vergangenheit. Dick Advocaat, 78 Jahre alt, hatte die WM-Qualifikation zunächst geschafft, zog sich dann wegen seiner kranken Tochter zurück und wurde für das Turnier zurückgeholt. Der erfahrene Coach führte zuvor unter anderem schon dreimal die Niederlande als Bondscoach, erreichte bei der WM 1994 in den USA das Viertelfinale und scheiterte dort erst an Brasilien, dem späteren Weltmeister. Später arbeitete er auch in Gladbach.

Für den Start in die Mission WM 2026 zog es Advocaat mit Curaçao nach Holland. Im eleganten Küstenort Noordwijk bezog der WM-Neuling Ende Mai das erste Trainingslager. Dort legte der 78-Jährige großen Wert auf Disziplin. Gaari beschreibt ihn so: „Es gibt bei uns klare Regeln, vor allem Pünktlichkeit ist ihm sehr wichtig“. Deshalb trägt Advocaat den Spitznamen „kleiner General“. Seine Spieler folgen ihm, nicht zuletzt weil der Niederländer mit ihnen erfolgreich ist und am Ende seiner Laufbahn etwas lockerer geworden wirkt.

Cheftrainer Dick Advocaat leitet das Abschlusstraining der Nationalmannschaft von Curaçao, einen Tag vor dem WM-2026-Gruppenspiel der Gruppe E gegen Deutschland im Flagler Credit Union Stadium in Boca Raton, Florida, am 13. Juni 2026. Megan Briggs / Getty Images
Cheftrainer Dick Advocaat leitet das Abschlusstraining der Nationalmannschaft von Curaçao, einen Tag vor dem WM-2026-Gruppenspiel der Gruppe E gegen Deutschland im Flagler Credit Union Stadium in Boca Raton, Florida, am 13. Juni 2026. Megan Briggs / Getty Images

Diese Lockerheit zeigt sich im Alltag des Teams. Bei Einheiten und im Mannschaftsbus darf karibische Musik laufen, die Mannschaft hat sich dafür sogar eine große schwarze Musikbox zugelegt. Nach der gelungenen WM-Generalprobe gegen Aruba, einem 4:0, ließ sich Advocaat mit seinen Spielern auf einer Bühne von den Fans feiern. So präsentiert sich das Team zwischen niederländischer Struktur und karibischer Atmosphäre als besondere Mischung.

Ein kleines Land mit großem Ehrgeiz

Der größte Tag für das kleinste Teilnehmerland aller Zeiten ist mehr als nur ein Debüt. Curaçao will gegen Deutschland sofort zeigen, dass es nicht nur mitspielt, sondern weiterkommen kann. Advocaat formuliert das Ziel klar: „Dass es gleich zu Beginn gegen Deutschland geht, ist doch fantastisch. Da wissen wir sofort, wo wir stehen. Wir wollen in die nächste Runde. Eine Überraschung ist immer möglich. Und eine Überraschung kann schon reichen, um weiterzukommen“, sagt er.

Der Chefcoach macht seinem Team dabei Mut: „Wir sind nicht chancenlos. Es steckt sehr viel Ehrgeiz in dem Team. Und wenn du den hast, kannst du auch einiges erreichen.“ Schon der Auftakt gegen Deutschland soll zeigen, ob dieses Selbstbild trägt. Im Angriff kann Jürgen Locadia, 32, der im Sturm von Curaçao spielt, jederzeit für Gefahr sorgen. Auch Leandro Bacuna, 34, bringt besondere Voraussetzungen mit, denn er besitzt die Staatsbürgerschaften von Curaçao und Holland. Damit steht ein Gegner auf dem Platz, der äußerlich karibisch wirkt, in seinen Biografien aber fest mit den Niederlanden verbunden ist.

Sonntag wird daher zum Stresstest für Deutschland und zur Bühne für ein Team, das sich mit viel Oranje-Prägung und noch mehr Selbstvertrauen in die WM schiebt. Wenn von Außenverteidiger bis Torwart fast alle in Holland geboren wurden, wirkt Curaçao im Duell mit dem Favoriten wie eine getarnte Niederlande-Auswahl aus der Karibik.