Platini fordert Infantinos Rücktritt als FIFA-Präsident

Selbst sein früherer Weggefährte rechnet nicht mehr mit einer Zukunft für Gianni Infantino an der Spitze des Fußball-Weltverbands. Michel Platini, einst UEFA-Boss und Vorgesetzter des heutigen FIFA-Präsidenten, stellte im Machtkampf um die Verbandsführung klar: Infantino müsse gehen. Der Konflikt zwischen europäischen Verbänden und Infantino spitzt sich damit weiter zu. Zuvor hatte die UEFA bereits einen gemeinsamen Anti-Infantino-Kurs eingeschlagen.

Ex-FIFA Präsident Sepp Blatter mit UEFA Präsident Michel Platini nach seiner Wiederwahl letzte Woche am 29.Mai 2015. AFP PHOTO / MICHAEL BUHOLZER
Ex-FIFA Präsident Sepp Blatter mit UEFA Präsident Michel Platini nach seiner Wiederwahl letzte Woche am 29.Mai 2015. AFP PHOTO / MICHAEL BUHOLZER

Deutliche Worte fand der Franzose im Gespräch mit dem Sender Canal+. Platini, der Infantino einst als Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union nach Nyon geholt hatte, sieht das Scheitern seines ehemaligen Vertrauten nicht primär in finanziellen Fragen begründet. „Wirtschaftliche Belange sind das eine, aber Infantino ist gescheitert, weil er als Garant der Spielregeln fungiert und diese nicht respektiert hat“, so der 70-Jährige. Er glaubt zudem nicht, dass der Sturz über die etablierten Sportinstitutionen erfolgen wird. „Es werden nicht die Sportinstitutionen sein, die das klären und ihn zu Fall bringen. Wenn die UEFA Infantino stürzen will, dann wird das über die Gerichte laufen“, prophezeite Platini.

UEFA bereitet juristische Schritte vor

Die Attacken kommen nicht von ungefähr. Der europäische Verband fordert offen den Rücktritt Infantinos und arbeitet nach AFP-Informationen an einer Strafanzeige, die in der Schweiz eingereicht werden soll. Auslöser der Krisenstimmung ist die umstrittene Rolle des FIFA-Chefs bei einem inzwischen fallen gelassenen Vorhaben: Anteile an Turnieren des Weltverbandes sollten an private Investoren veräußert werden, darunter auch Personen aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump. Die Hintergründe des gescheiterten Vorhabens und die Entwicklung des Machtkampfs haben wir bereits in der Chronologie des FIFA-Investorendeals zusammengefasst. Die UEFA verfolgt dabei eine klare Strategie zur Neuausrichtung an der Verbandsspitze. Ziel ist es, Infantino noch vor der Präsidentschaftswahl beim Kongress im März 2027 zur Aufgabe zu bewegen und so einen geordneten Strukturwandel einzuleiten.

Alte Rechnung aus dem Jahr 2016

Zwischen den beiden einstigen Weggefährten schwelt jedoch ein Konflikt, der weit über die aktuelle Krisensitzung des Weltverbands hinausreicht. „Ich wusste immer, dass er Geld und Macht liebt“, sagte Platini süffisant über seinen früheren Mitarbeiter. Der Franzose hat Infantino inzwischen sogar in Frankreich verklagt. Im Kern des Rechtsstreits steht die Frage, welche Rolle Infantino bei den Korruptionsvorwürfen gegen Platini gespielt hat, die sich am Ende zwar als unbewiesen herausstellten, aber dennoch die Kandidatur des Franzosen für das FIFA-Präsidentenamt 2016 zunichtemachten. Über die damaligen Vorgänge und Platinis juristische Schritte gegen Infantino haben wir bereits ausführlich berichtet. Gewählt wurde damals stattdessen Infantino, der das Amt bis heute innehat.