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Julian Nagelsmanns Pressekonferenz nach dem Aus gegen Paraguay bei der WM 2026: Der Bundestrainer ordnete die Niederlage mit schonungsloser Analyse ein und kritisierte vor allem die schwache Absicherung bei den Gegentoren. Nach dem Sechzehntelfinal-Aus im Elfmeterschießen sprach der Bundestrainer von zu wenig Konsequenz, zu wenigen Flanken und einer Mannschaft, die nach dem frühen Rückstand sichtbar verunsichert wirkte. Zugleich stellte er klar, dass ihn die verschossenen Elfmeter von Kai Havertz, Nick Woltemade und Jonathan Tah nicht als Hauptschuldige interessieren. Für Paraguay geht es nun gegen den Sieger von Frankreich gegen Schweden.

Zu langsam, zu wenig Präsenz im Strafraum
Nach dem bitteren Ausscheiden im Sechzehntelfinale der WM 2026 gegen Paraguay zeigte sich Nagelsmann vor der Pressekonferenz selbstkritisch und frustriert. Sein Hauptvorwurf: Deutschland habe die gefährlichen Szenen gegen den tief stehenden und massiven Gegner nicht konsequent genug ausgespielt. Vor allem beim 0:1 monierte er eine unzureichende Verteidigung in Überzahl, anschließend sei das deutsche Spiel zu langsam geworden und von Unsicherheit geprägt gewesen.
Der Bundestrainer erklärte, dass er schon vorab mehr Wucht im gegnerischen Strafraum geplant habe. Mit Leon Goretzka und Nick Woltemade wollte er zusätzliche Präsenz bringen, später rückte auch Joshua Kimmich in der 79. Minute noch ins Zentrum. Trotzdem blieb der Ertrag überschaubar. Deutschland schlug laut Nagelsmann lediglich elf oder zwölf Flanken, obwohl 25 oder 30 möglich gewesen wären. Immer wenn von außen gespielt wurde, sei es gefährlich geworden, insgesamt aber habe die Mannschaft zu selten die passende Lösung gefunden.
Auch bei den Standards sah er einen verpassten Hebel. Bei den Ecken und Flanken habe Deutschland körperliche Vorteile gehabt, im Strafraum aber zu wenig daraus gemacht. Dass der Ball an der zweiten Minute nicht quergelegt wurde und stattdessen eine heikle Chiplösung gewählt wurde, nannte Nagelsmann ebenfalls als einen Schlüsselmoment, den man in einem K.o.-Spiel gegen einen kompakten Block besser nutzen müsse.

Kein Vorwurf an die Elfmeterschützen
Im Elfmeterschießen wollte Nagelsmann die Verantwortung nicht auf einzelne Spieler schieben. Er machte deutlich, dass er keinem der Schützen einen Vorwurf machen werde, weil es wichtig sei, dass sich Profis überhaupt trauen, den Ball zu nehmen und Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass auch große Spieler schon Strafstöße vergeben haben und dass ein Elfmeterschießen in erster Linie die Spitze des Eisbergs sei. Die entscheidenden Fehler lägen oft weit vorher in den 120 Minuten des Spiels.
Auf die emotionale Lage in der Kabine angesprochen, beschrieb Nagelsmann eine Gruppe, die nach dem Abpfiff geknickt und enttäuscht gewesen sei. Mit Jonathan Tah habe er ebenso wenig wie mit allen anderen Akteuren schon ausführlich gesprochen. Er werde das in Ruhe nachholen und sich dann ein genaueres Bild machen. Direkt nach einem solchen Aus sei dafür aber kaum Zeit, zumal er nach eigenen Angaben 17 Interviews absolvieren musste.
Auch Manuel Neuer nahm er ausdrücklich aus der Kritik. An dem Torwart habe das Ausscheiden nicht gelegen, betonte Nagelsmann. In der Verlängerung und im Elfmeterschießen habe der Routinier keine Szenen gehabt, in denen er sich auszeichnen konnte. Es seien kaum klare Abschlüsse auf sein Tor gekommen, vieles sei abgefälscht gewesen. Selbst der freie Kopfball aus neun Metern ohne Gegenspieler sei für jeden Keeper schwer zu halten.
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Rückblick auf die vier WM-Auftritte
Bei der Einordnung des gesamten Turnierverlaufs sprach Nagelsmann von unterschiedlichen Phasen. Zum Auftakt habe es einen emotionalen Sieg im Elfmeterschießen gegeben, auch wenn das Spiel sportlich nicht überragend gewesen sei. Danach sei die Partie gegen Ecuador schwach gewesen und trotz einzelner statistisch ordentlicher Werte verdient verloren gegangen. Insgesamt habe die Vorrunde noch auf einem ordentlichen Weg gewirkt. Erst im K.o.-Spiel gegen Paraguay sei die Mannschaft dann erneut an alten Problemen gescheitert.
Der Chefcoach griff dabei auch die Struktur im eigenen Spiel an. Deutschland habe aus dem 4-4-2 heraus oft zu langsam umgeschaltet, sodass der äußere Mittelfeldspieler den Flügelspieler des Gegners noch rechtzeitig verteidigen konnte. Gerade deshalb habe es mehr Tempo und mehr klare Aktionen gebraucht. Gleichzeitig stellte Nagelsmann klar, dass Paraguay das Zentrum sehr ordentlich verteidigt habe. Das ändere aber nichts daran, dass Deutschland mit dem vorhandenen Ballbesitz mehr Chancen hätte kreieren müssen.
Zum Abschluss dieser Bewertung sprach er von deutlich zu wenig für den deutschen Fußball, wenn man bei einem großen Turnier schon in der ersten K.o.-Runde ausscheide. Dass das Ende der Partie in der zweiten Hälfte und in der Verlängerung auch mit den Pfosten, abgewehrten Bällen und einem nicht anerkannten regulären Treffer zusammenhing, nahm er ebenfalls auf. Über den abgepfiffenen Standard sagte er sinngemäß, es sei geradezu ein Witz gewesen, dass dieser nicht zähle.

DFB-Rollenfrage, öffentliche Rückendeckung und Zukunft
Auf die Frage, wie es mit ihm nach dem Ausscheiden weitergeht, legte sich Nagelsmann fest: Wenn der DFB weiter mit ihm planen wolle, mache er auch weiter. Zugleich machte er keinen Hehl daraus, dass er die Mechanismen des Geschäfts kennt und weiß, dass nach so einem Turnier nicht automatisch breite Unterstützung vorhanden ist. Er sei sich bewusst, dass wahrscheinlich nicht viele im Saal begeistert wären, wenn er weitermachen würde.
Nach WM-Aus: Bleibt Nagelsmann Bundestrainer? Er will weitermachen!
Die anwesenden DFB-Verantwortlichen nannte er zwar schon als Gesprächspartner, aber nicht als Leute für direkte Vertragsgespräche in einer solchen Minute nach dem Aus. Ein Austausch zwischen Tür und Angel in der Kabine, während die Spieler noch am Boden liegen, sei für ihn ausgeschlossen. Dass der Geschäftsführer Rettig, der Präsident und Rudi in ruhigerem Rahmen mit ihm sprechen werden, hielt er für selbstverständlich. Auch öffentlich betonte Rudi bereits etwas zu der Situation.
Zum Thema Rückhalt aus der Öffentlichkeit sagte Nagelsmann offen, dass er in einer Umfrage wohl keine Mehrheit hätte. Er verwies aber darauf, dass Unterstützung im Fußball schnell zurückkommen könne, wenn die Ergebnisse stimmen. Seine Überzeugung sei, dass die Mannschaft bessere Spiele liefern könne. Die Fans im Stadion lobte er ausdrücklich, weil sie bis zum Schluss und selbst nach dem Ende positiv geblieben seien und die Elf lautstark sowie mit Applaus begleitet hätten.
Deutschland verliert & scheidet bei der WM 2026 aus: Bundestrainer Nagelsmann will weitermachen
Auch inhaltlich blickte er auf grundlegende Fragen. Deutschland gehöre nach einem dritten frühen Ausscheiden bei einem großen Turnier nicht zur Weltspitze, sagte er deutlich. Zwar habe man bei den vorherigen Turnieren unter Hansi Flick und Jogi Löw manches ausprobiert und trotzdem einen stabilen Stamm behalten, doch das Ergebnis sei am Ende sehr ähnlich gewesen. Es gebe mehrere Baustellen, unter anderem auf der Position des linken Innenverteidigers. Profilspieler für dieses Anforderungsbild gebe es in der Bundesliga nur wenige, und das Fehlen von Nico Schlotterbeck tue der Auswahl spürbar weh.
Dennoch wollte Nagelsmann den Blick nicht völlig schwarzmalen. Junge und talentierte Spieler seien vorhanden, bräuchten aber Zeit. Dafür zog er Vergleiche zu Manchester City, Liverpool und Spanien, wo größere Entwicklungen ebenfalls nicht von heute auf morgen funktioniert hätten. Bei tiefgreifenden Veränderungen brauche es Geduld, und genau daran müsse sich auch der deutsche Fußball gewöhnen.
Wer Julian Nagelsmanns Analyse des bitteren WM-Aus im Original hören möchte, findet hier die komplette Pressekonferenz nach dem Elfmeterschießen gegen Paraguay.