Kritik an Infantino: Der Ehrenpräsident des FC Bayern München Uli Hoeneß hat sich unmissverständlich in den Machtkampf an der FIFA-Spitze eingeschaltet und Präsident Gianni Infantino nur noch geringe Aussichten auf eine weitere Amtszeit eingeräumt. Der Ehrenpräsident des FC Bayern rät dem umstrittenen Verbandschef offen zum Einlenken gegenüber der UEFA.

Hoeneß empfiehlt Infantino den Schulterschluss mit der UEFA
Bei RTL/Sky wurde Hoeneß deutlich und legte Infantino nahe, auf die europäische Fußball-Union zuzugehen, um den eskalierenden Streit noch beizulegen. „Ich kann ihm nur raten, auf die UEFA zuzugehen und eine Lösung zu finden“, erklärte der 74-Jährige. Ansonsten drohe dem Schweizer im Frühjahr eine äußerst brenzlige Situation, sollte er überhaupt zur Wiederwahl antreten dürfen. Infantino peilt im März offiziell eine vierte Amtszeit an, doch die UEFA hat ihm bereits die Rückendeckung entzogen und drängt öffentlich auf seinen Rückzug. Sollte er an seiner Kandidatur festhalten, steht sogar ein Boykott von FIFA-Turnieren durch europäische Verbände im Raum. Erst kürzlich hatten die UEFA, der nordamerikanische Verband CONCACAF und der asiatische Kontinentalverband AFC in einem gemeinsamen offenen Brief scharfe Kritik geübt und der FIFA vorgeworfen, ihr Vertrauen durch Täuschung missbraucht zu haben.
WM-Investorenplan und Turnierausweitung als Zündstoff
Auslöser der Verstimmung war ein inzwischen wieder verworfener Plan Infantinos, Investoren stärker in die Vermarktung der Fußball-Weltmeisterschaft einzubinden. Auch Hoeneß findet dafür deutliche Worte. „Ich habe nicht für möglich gehalten, dass man auf so eine Idee kommen kann“, sagte der Weltmeister von 1974. Ebenso kritisch sieht er die fortschreitende Aufblähung der Turnierformate unter Infantinos Führung: „Auch die ganze Entwicklung, die von Infantino nach vorne getrieben wird: Jetzt waren es 48 Mannschaften, demnächst werden es 64 sein.“ Die Belastung für die Vereine wachse dadurch immer weiter, wie Hoeneß am Beispiel der Nationalmannschaftsabstellungen verdeutlichte: „Wir haben unsere Spieler jetzt schon sechs Wochen zur Verfügung gestellt und dann wird das vielleicht noch länger. Das ist unglaublich.“

Der „Fall Balogun“ als Wendepunkt
Für den Bayern-Ehrenpräsidenten war es letztlich der sogenannte Fall Balogun bei der jüngsten WM-Endrunde, der das Fass zum Überlaufen brachte. „Herr Infantino hat in seinem Leben im Fußball einige Fehler gemacht, aber das war einer seiner größten“, wetterte Hoeneß. Besonders scharf kritisierte er den mutmaßlichen Einfluss von US-Präsident Donald Trump auf die Entscheidung rund um eine mögliche Sperre des Spielers. „Wenn man einen Mann wie Donald Trump entscheiden oder beeinflussen lässt, ob ein Spieler gesperrt wird oder nicht, ist das der Anfang vom Ende, vom Wettbewerb“, so Hoeneß weiter. Er stellte klar, dass eine solche Einflussnahme für ihn die Integrität des Sports untergrabe: „Und wenn wir so etwas akzeptieren, dann ist es nicht mehr mein Sport. Das ist für mich ein Ding der Unmöglichkeit gewesen.“