Fußball WM 2026 & das Wetter: „Grillhähnchen“, ein krächzender Bundestrainer & die WM Trinkpausen

Die WM 2026 in Nordamerika wird für die Teams nicht nur sportlich, sondern vor allem klimatisch zur Prüfung. Schon die Testspiele zeigen, wie stark Hitze, Kälte aus Klimaanlagen und Wetterumschwünge die Beteiligten belasten können. Julian Nagelsmann nahm seine heisere Stimme dabei mit Humor, machte aber auch klar, wie unangenehm die Bedingungen sind.

Torhueter Manuel Neuer in einer Retro-Trainingsjacke vor dem Test-Laenderspiel zwischen den USA und Deutschland. Die Partie fand am 6. Juni 2026 im Soldier Field von Chicago statt. Alexander Hassenstein / Getty Images
Torhueter Manuel Neuer in einer Retro-Trainingsjacke vor dem Test-Laenderspiel zwischen den USA und Deutschland. Die Partie fand am 6. Juni 2026 im Soldier Field von Chicago statt. Alexander Hassenstein / Getty Images

Hitze draußen, Frost drinnen

Beim 2:1 der deutschen Nationalmannschaft gegen die USA in Chicago wurde deutlich, worauf sich die Auswahl bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada einstellen muss. Nagelsmann sprach von „Jammern auf hohem Niveau“, wollte sich also nicht als Opfer der Umstände darstellen. Gleichzeitig verriet der Bundestrainer, dass ihn seit drei oder vier Tagen Halsschmerzen plagen. „Ich habe Halsschmerzen leider, seit drei, vier Tagen“, sagte er.

Schon die Anreise hatte für den DFB-Chef unangenehme Begleiterscheinungen. „In meiner zugegeben sehr schönen Flugkabine war’s arschkalt“, berichtete er im Soldier Field mit säuerlichem Lächeln. „Hier drinnen ist es eher frostig, draußen eher warm, das ist nicht immer super leicht.“ Dazu komme, dass das „Schonen der Stimme“ in seinem Beruf nun einmal „zu kurz“ komme.

Auch Thomas Tuchels Engländer hatten bei ihrem müden 1:0 gegen Neuseeland in Tampa in Florida mit den Bedingungen zu kämpfen. Für den früheren Bayern- und Chelsea-Coach durfte das Wetter aber keine „Ausrede“ sein. Die Übungsleiter haben im Vergleich zu Fans und vor allem Spielern immerhin den Vorteil, dass sie sich kaum bewegen müssen.

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Das Wetter wird bei dieser Weltmeisterschaft ein entscheidender Faktor sein. Zwischen angenehmen Küstentemperaturen im Norden und tropischer Hitze im Süden liegen Welten – zudem kommt in Mexiko City die extreme Höhenlage (2.250 Meter) als Belastung für die Spieler hinzu.

Hier ist die Übersicht der durchschnittlichen Bedingungen im Juni und Juli für alle 16 Austragungsorte. Die Info zum Stadion-Dach ist besonders für die heißen Regionen wichtig, da diese Arenen voll klimatisiert werden können.

Spielort (Land)Ø Tag / NachtKlima im Juni & JuliStadion-Dach
Atlanta (USA)31°C / 21°CHeiß, sehr schwülVerschließbar
Boston (USA)26°C / 16°CWarm, gelegentlich schwülOffen
Dallas (USA)35°C / 24°CSehr heiß, oft drückendVerschließbar
Guadalajara (MEX)29°C / 16°CWarm, Beginn der Regenzeit (Gewitter)Offen
Houston (USA)33°C / 24°CSehr heiß, extrem schwülVerschließbar
Kansas City (USA)31°C / 20°CHeiß, hohe LuftfeuchtigkeitOffen
Los Angeles (USA)25°C / 16°CWarm, trocken und sonnigÜberdacht
Mexico City (MEX)24°C / 12°CMild (Höhenlage), fast tägliche SchauerOffen
Miami (USA)32°C / 26°CTropisch heiß, extrem schwül, viel RegenOffen
Monterrey (MEX)34°C / 22°CSehr heiß, trocken bis schwülOffen
New York / NJ (USA)28°C / 19°CWarm bis heiß, teils hohe LuftfeuchtigkeitOffen
Philadelphia (USA)29°C / 19°CWarm bis heiß, oft schwülOffen
San Francisco (USA)26°C / 13°CWarm, trocken (Stadion liegt im wärmeren Santa Clara)Offen
Seattle (USA)23°C / 13°CAngenehm mild, wenig RegenOffen
Toronto (CAN)26°C / 16°CWarm, teils schwülOffen
Vancouver (CAN)22°C / 13°CAngenehm mild, eher trockenVerschließbar

Erinnerungen an frühere Turniere

DFB-Sportdirektor Rudi Völler dürfte noch immer wach werden, wenn er an die WM 1994 in den USA denkt. Besonders in Erinnerung geblieben ist zudem eine Aussage von Dortmunds Coach Niko Kovac, der seine Profis beim Klubturnier vor einem Jahr wegen der extremen Temperaturen mit „Grillhähnchen“ verglich.

Der bulgarische Stürmer Iordan Letchkov jubelt nach seinem Siegtreffer während des WM-Viertelfinalspiels zwischen Bulgarien und Westdeutschland am 10. Juli 1994 in East Rutherford. Bulgarien schlug Westdeutschland mit 3:2 und zog ins Halbfinale ein. (Stehend, von links, sind die Westdeutschen Guido Buchwald, Lothar Matthäus und Thomas Haessler) AFP PHOTO/JEAN-LOUP GAUTREAU
Der bulgarische Stürmer Iordan Letchkov jubelt nach seinem Siegtreffer während des WM-Viertelfinalspiels zwischen Bulgarien und Westdeutschland am 10. Juli 1994 in East Rutherford. Bulgarien schlug Westdeutschland mit 3:2 und zog ins Halbfinale ein. (Stehend, von links, sind die Westdeutschen Guido Buchwald, Lothar Matthäus und Thomas Haessler) AFP PHOTO/JEAN-LOUP GAUTREAU

Abhilfe sollen klimatisierte Stadien, Hotels und Teambusse schaffen. Doch genau diese Kältequellen können neue Probleme auslösen, wie das Beispiel Nagelsmann zeigt. Der Weltverband versucht außerdem mit Trinkpausen gegenzusteuern, was zugleich den TV-Sendern Werbeblöcke ermöglicht. Dass die FIFA den Fans zunächst sogar verbieten wollte, Wasserflaschen mit in die Stadien zu nehmen, löste angesichts der Belastung einen Aufschrei aus. Inzwischen lenkte sie ein. Zuschauer dürfen nun „eine weiche, werkseitig versiegelte Einweg-Plastikwasserflasche“ mit einem Fassungsvermögen von 590 Millilitern mitbringen.

Risiken auf dem Platz bleiben

Zusätzlich sind Sprühnebelanlagen, Trinkstationen, Kühlzelte und Ventilatoren vorgesehen. Ob das angesichts der Bedingungen ausreicht, bleibt offen. Die Forschungsgruppe „World Weather Attribution“ rechnet damit, dass die „Wet-bulb globe temperature“ bei 26 der 104 WM-Spiele über 26 Grad liegen wird. Ab diesem Wert gilt ein erhöhtes Gesundheitsrisiko für Sportler.

Dazu kommen in manchen Regionen heftige Gewitter. Bei der Klub-WM kam es deshalb bereits zu mehreren Unterbrechungen. Der US-Test mit Anstoß um 13.30 Uhr Ortszeit, schwül-warmen Temperaturen und Regen war für Nagelsmann deshalb „ein guter Einstieg in die klimatischen Bedingungen“. Und was seine Stimme betrifft, blieb er am Ende gelassen. „So schlecht“, sagte er, „klingt’s ja gar nicht“.