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Bei der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada wird nicht mehr in zwei Halbzeiten gedacht, sondern in vier Vierteln. Die sogenannten Trinkpausen sind offiziell als Kühlpausen vorgesehen, doch in der Praxis haben sie längst einen taktischen Wert bekommen. Für Trainer und Fernsehsender sind sie gleichermaßen willkommen. Da gab es gestern direkt nach dem deutschen Gegentor beim Spiel gegen Curacao eine Trinkpause, direkt danach sieht man die deutsche Mannschaft im Kreis mit dem Bundestrainer. Schock überstanden zum richtigen Zeitpunkt. Dabei war es im Stadion von Houston lauschige 20 Grad dank Stadiondach.

Vom Hitzeschutz zum Taktikfenster
Julian Nagelsmann passte die Unterbrechung im Spiel gegen Curacao perfekt ins Konzept. Schon vor der Pause hatte er Anweisungen aufs Feld geschickt, weil der DFB-Gegner zur Überraschung der deutschen Auswahl mit einer Raute im Mittelfeld agierte. Zwei Minuten nach dem Ausgleich des Außenseiters zum 1:1 in der 20. Minute konnte der Bundestrainer seine Mannschaft dann in Ruhe neu justieren. Nach dem klaren 7:1 sagte er, „die Trinkpause hat tatsächlich geholfen“, und erklärte, dass er mit der Taktiktafel seinen Spielern gezeigt habe, „was wir schon vorher angepasst haben“.
Was auch am Auftritt der deutschen Mannschaft sichtbar wurde: Die Pausen dienen längst nicht mehr nur dem Temperaturmanagement. „Ich finde das gut, weil wir dann im Trainerstab noch mal die Möglichkeit haben, ein paar Dinge anzusprechen, vielleicht auch ein paar Dinge zu korrigieren und anzupassen“, sagt etwa Österreichs Teamchef Ralf Rangnick. Auch Deniz Undav sieht darin einen sportlichen Mehrwert und betont: „Jetzt hast du zweimal im Spiel zusätzlich die Chance“, „taktisch etwas zu verändern“.
FIFA setzt auf vier Viertel
Entstanden ist dieses Vierviertel-Modell aus der Sorge um die Belastung der Spieler. Im vergangenen Dezember legte die FIFA fest, dass bei der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada alle Spiele aus vier Vierteln bestehen sollen. Jede Halbzeit wird dabei nach rund 22 Minuten bei einer ohnehin notwendigen Unterbrechung gestoppt, damit eine dreiminütige Pause möglich wird. Die Regel gilt ausnahmslos für alle Partien, unabhängig von den örtlichen Bedingungen. So sollte die Chancengleichheit gewahrt bleiben.
Genau diese Vorgabe sorgte jedoch bereits für Diskussionen. ARD-Experte Bastian Schweinsteiger nannte die Regelung beim Spiel zwischen Co-Gastgeber Kanada und Bosnien-Herzegowina in der ARD „fragwürdig“, weil in Toronto bei 26 Grad gespielt wurde. Auch beim Auftakt der deutschen Mannschaft in Houston wäre aus sportlicher Sicht wohl keine Unterbrechung nötig gewesen, denn das Stadion war geschlossen und voll klimatisiert.
Kai Havertz merkte deshalb nach dem 7:1 gegen Curacao an: „Die Trinkpause war jetzt nicht so notwendig“, in der Arena sei es „relativ kühl“ gewesen.

Vorteil für die einen, Risiko für die anderen
Für die TV-Anstalten ergeben sich durch die Pausen zusätzliche Werbegelegenheiten. In Deutschland nutzt MagentaTV diese zwei zusätzlichen drei-Minuten-Fenster. Noch stärker profitieren allerdings die Bank und der Coaching-Staff, denn sie bekommen mitten im Spiel die Gelegenheit, nach 22 oder 23 Minuten und noch einmal nach 67 oder 68 Minuten gezielt zu steuern.
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„Es kann den Mannschaften auf jeden Fall helfen“, sagt Undav, besonders dann, wenn Rufe von außen auf dem Platz nicht mehr ankommen. Gleichzeitig hat das neue System auch eine Kehrseite. US-Cheftrainer Mauricio Pochettino würde Trinkpausen nur bei extremen Bedingungen erlauben. „Aber so hat der Gegner die Chance, etwas an seinem Spiel zu ändern, wenn es nicht so läuft für ihn“, warnte er.
Wie schnell sich die Dynamik dadurch drehen kann, zeigte das Duell zwischen Südkorea und Tschechien. Die Tschechen waren zunächst überlegen, doch die Trinkpause stoppte ihre Druckphase abrupt. Am Ende stand eine 1:2-Niederlage. Ähnlich ordnete Brasilien-Coach Carlo Ancelotti das Thema nach dem 1:1 gegen Marokko ein. Die Unterbrechungen seien hilfreich, „um das Problem zu finden, es den Spielern zu erklären, aus taktischer Sicht ist es ein sehr guter Zeitpunkt.“ Bei seiner Mannschaft blieb die Umsetzung dieser Erkenntnis allerdings sichtbar lückenhaft.