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Vier Halbfinalisten, vier sehr unterschiedliche Fußballdenkweisen, vier prägende Persönlichkeiten an der Seitenlinie. Frankreich, Spanien, Argentinien und England gehen mit Didier Deschamps, Luis de la Fuente, Lionel Scaloni und Thomas Tuchel in die WM-Wochen der Wahrheit. Von Grandseigneur bis Nerd reicht das Spektrum, das dieses Turnier an den vier maßgeblichen Übungsleitern präsentiert.

WM 2026 Halbfinale Spielplan & Termine
Die beiden Halbfinals werden am 14. und 15. Juli ausgetragen:
Frankreich und Spanien mit Gegensätzen auf Topniveau
Didier Deschamps führt die Équipe Tricolore seit 2012 und hat mit der aktuellen Auswahl um Superstar Kylian Mbappé ein echtes Offensivmonster geformt. Im Halbfinale am Dienstag gegen Spanien um 21.00 Uhr MESZ, live bei ZDF und MagentaTV, wird der 57-Jährige mit seinem 26. WM-Spiel den legendären Helmut Schön als Rekordtrainer ablösen. Dass er seine Stars klug bei Laune hält, gehört zu seinen größten Stärken. Deschamps hält Kritik von der Mannschaft fern und lebt intern Loyalität vor. Dabei kommt ihm seine Erfahrung als Spieler zugute, schließlich führte er Les Bleus schon 1998 als Kapitän zum Titel.
Für Deschamps ist es bereits das dritte WM-Halbfinale in seiner Amtszeit als Nationalcoach. Nach dem Titel 2018 und dem Endspieleinzug 2022 könnte er sich mit einem weiteren Triumph unsterblich machen. Nur Vittorio Pozzo gelang es bisher, mit Italien 1934 und 1938 zweimal als Trainer Weltmeister zu werden. Sollte Deschamps am Sonntag tatsächlich erneut den Weltpokal in die Höhe stemmen, wäre das zugleich ein perfekter Abschied, denn nach 14 Jahren übergibt der Grandseigneur des französischen Fußballs sein Amt nach dem Turnier an Zinedine Zidane.
Auf der Gegenseite steht mit Luis de la Fuente ein Mann, der für viele noch immer ein Mysterium ist. Der 65-Jährige übernahm Spanien nach der enttäuschenden WM 2022 und brachte die Mannschaft sofort wieder auf Kurs. Unter dem langjährigen Nachwuchscoach gewann die Furia Roja direkt die Nations League, wurde im Jahr darauf Europameister und marschiert auch bei dieser WM bislang sehr abgeklärt von Sieg zu Sieg. Trotz dieser Erfolgsserie ist de la Fuente einer breiteren Öffentlichkeit kaum vertraut geworden, was auch zu seinem Auftreten passt. Er bleibt ruhig, sachlich und meidet jede Form von Selbstdarstellung.
Innerhalb des Teams genießt er großes Vertrauen, nicht zuletzt weil er viele seiner Spieler aus deren Jugendzeiten kennt. Unter seiner Führung ist Spanien inzwischen seit 36 Spielen ungeschlagen. Die Spielidee lässt sich als Tiki-Taka 2.0 beschreiben. Wie schon bei der Weltmeisterelf um den brillanten Xavi 2010 bleibt Ballbesitz das Markenzeichen, doch die aktuelle Mannschaft um Jungstar Lamine Yamal agiert direkter, vertikaler und aggressiver als ihre Vorgänger. Mit einer Mischung aus feinem Kombinationsspiel und konsequentem Pressing will Spanien an die Spitze. Auch dieses mögliche Gold hätte zu einem großen Teil de la Fuentes Handschrift.

Scaloni und Tuchel prägen die anderen Wegmarken
Bei Argentinien verkörpert Lionel Scaloni den ruhigen Gegenentwurf zum lauten WM-Zirkus. Als er 2018 die Albiceleste übernahm, zweifelten viele Landsleute an seiner Eignung. Ein kaum bekannter Coach, der zuvor nur als Assistent seines wenig erfolgreichen Vorgängers Jorge Sampaoli gearbeitet hatte, sollte das stolze Land zurück an die Weltspitze führen? Die Antwort lautet eindeutig ja. Mit Scaloni, der als Spieler nur sieben Länderspiele absolvierte, kehrten die Erfolge schnell zurück. Der Gewinn der Copa 2021 war der erste Titel seit 1993 und zugleich der Auftakt zu etwas Größerem.
Es folgten der WM-Titel 2022 und die Copa 2024, nun jagt Argentinien die erfolgreiche Titelverteidigung. Scaloni setzt bewusst auf Zurückhaltung statt große Gesten und öffentliche Inszenierung. Von Beginn an baute er ein enges Vertrauensverhältnis zu seinen Spielern auf, das diese mit bedingungsloser Leidenschaft erwidern. Vor allem die Mentalität prägt das Spiel der Argentinier. Auch Lionel Messi profitiert von Scalonis ruhiger Führung und dem besonderen Verhältnis zwischen beiden. Der zurückhaltende Coach stellt konsequent das Kollektiv über einzelne Stars, bis auf Messi, und genießt damit innerhalb des Teams hohes Ansehen. Wie Deschamps könnte auch Scaloni mit seinem zweiten WM-Titel Historisches schaffen, und das mit 48 Jahren.
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Thomas Tuchel wiederum hat England in kurzer Zeit zu einem ernsthaften Titelkandidaten geformt. Die Verpflichtung des Deutschen sorgte zunächst für kontroverse Debatten, doch spätestens seit dem Halbfinaleinzug hat der 52-Jährige viele Kritiker überzeugt. Unter Tuchel wirken die Three Lions defensiv stabiler und taktisch variabler als in den Jahren zuvor. Außerdem vertrauen die Stars ihrem neuen Chef, allen voran Jude Bellingham, der dieser Tage im Nationalteam regelrecht aufblüht und so stark auftritt wie nie zuvor.
Mit seiner Detailversessenheit und seiner bisweilen schrullig-nerdigen Art trifft Tuchel offenbar genau den Nerv. Der Coach, der 2021 mit dem FC Chelsea die Champions League gewann, lässt das Königreich vom ersten englischen WM-Titel seit Wembley 1966 träumen. Englands Spiel ist nicht immer schön anzusehen, dafür aber äußerst effizient. Das zeigte schon die makellose Qualifikation. Sollte der Pokal am Ende dieser Woche tatsächlich auf die Insel gehen, wäre Tuchel der erste ausländische Trainer überhaupt, der eine Nationalmannschaft zum WM-Triumph führt.