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Für Marokko wird das Viertelfinale gegen Frankreich auch zu einem Spiel gegen ein Stück eigene Geschichte. Viele Profis im Kader der Nordafrikaner sind in Frankreich geboren und ausgebildet worden, ehe sie sich für die Auswahl ihrer Eltern entschieden. Genau diese Verbindung prägt die Mannschaft vor dem Duell am Donnerstag um 22 Uhr live in der ARD und bei MagentaTV.

Der Blick auf die marokkanische Nationalelf zeigt, wie stark der Verband inzwischen auf Spieler mit französischem Hintergrund setzt. In Rabat war bei einem Besuch des kicker an der Mohammed VI Football Academy im Januar, als es nahe der Hauptstadt viel Wind und noch mehr Sonne gab und es dennoch nicht wirklich heiß war, genau das ein Thema. Die Frage dort: Bleibt Marokko weiter auf diese Generation angewiesen? Im Moment lautet die Antwort ja, auch wenn in der Akademie betont wird, dass sich das auf Dauer ändern soll.

Frankreich ausgebildet, für Marokko aktiv
Die Wege vieler marokkanischer Nationalspieler verlaufen zunächst durch Frankreich. Dort, in Europa, sind sie geboren, aufgewachsen und haben oft früh im Jugendfußball begonnen, obwohl sie zugleich mit Vorurteilen leben und kämpfen mussten. Heute stehen sie für Marokko auf dem Platz und bringen genau jene Ausbildung mit, die sie in der französischen Nachwuchsarbeit erhalten haben.
Die französische Jugendsprache Verlan passt sinnbildlich zu diesem Thema. Dabei wird aus einem zweisilbigen Wort durch das Vertauschen der Silben ein neuer Begriff. Aus tomber wird beton, aus l envers wird verlan, aus fou wird ouf, aus femme wird meuf. Und aus arabe wird beure, ein Wort, das zwar häufig verwendet wird, aber nicht mehr die abwertende Färbung früherer Zeiten trägt. Was das mit Marokko zu tun hat? Sehr viel, vor allem vor dem Duell mit Frankreich.
WM Auswertung der FIFA-Kaderlisten: 76 französische Spieler spielen für eine andere Nation! Für Marokko spielen gleich sechs Spieler:
Issa Diop (Abwehr): geboren in Toulouse, FC Fulham (England)
Redouane Halhal (Abwehr): geboren in Montpellier, KV Mechelen (Belgien)
Ayyoub Bouaddi (Mittelfeld): geboren in Senlis, OSC Lille (Frankreich)
Neil El Aynaoui (Mittelfeld): geboren in Nancy, AS Rom (Italien)
Samir El Mourabet (Mittelfeld): geboren in Straßburg, Racing Straßburg (Frankreich)
Gessime Yassine (Sturm): geboren in Salon-de-Provence, Racing Straßburg (Frankreich)

Diop, Halhal und Bouaddi stehen für die neue Wahl
Issa Diop kommt aus Toulouse. Er spielte zunächst in der Umgebung der Stadt und wechselte später zum großen FC Toulouse. Für Frankreich lief er 40-mal in den U-Nationalmannschaften auf. Über seine marokkanische Mutter gehört er inzwischen zum Kader der Nordafrikaner und traf beim 3:2 gegen die Niederlande sogar selbst.
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Auch Redouane Halhal hat sich für Marokko entschieden. Geboren in Montpellier, spielte er als aktiver Fußballer an der Mittelmeerküste, nur eben auf der falschen Seite, im Norden statt im Süden. Wegen seiner marokkanischen Eltern darf er nun für das Land auf der richtigen Seite des Mittelmeers auflaufen und macht das während der WM bislang ordentlich.
Noch weiter ist Ayyoub Bouaddi. Der 18-Jährige steht weiterhin bei seinem Jugendklub OSC Lille unter Vertrag, hat aber kurz vor der WM die Einbürgerung erhalten. Aufgewachsen in Nordfrankreich, mit marokkanischen Eltern, nutzte er nach 27 Einsätzen für Frankreichs U-Teams die Chance, bei der WM für die neue Heimat gegen die alte anzutreten.
Dasselbe gilt für Neil El Aynaoui, Samir El Mourabet und Gessime Yassine. Alle drei wurden in Frankreich geboren und spielen nun für Marokko. Aus den einstigen Beurs sind gestandene Profis geworden, stolz auf ihr Land und dennoch eng mit ihrer alten Heimat verbunden.
Voraussichtliche Aufstellungen Frankreich gegen Marokko
Frankreich: Maignan, Kounde, Upamecano, Saliba, Digne, Rabiot, Kone, Olise, Dembele, Doue, Mbappe.
Marokko: Bono, Hakimi, Diop, Mazraoui, El Aynaoui, Bouaddi, Ounahi, Brahim Diaz, El Khannouss, Rahimi, Halhal.
Schiedsrichter: Tello aus Argentinien.