Fifa Ex-Präsident Blatter zu Russland-Rückkehr: „Politik vom Sport trennen“

Ex-FIFA-Präsident Joseph S. Blatter spricht sich für eine mögliche Russland-Rückkehr in den internationalen Fußball aus und fordert: „Politik vom Sport trennen“. In einem Interview mit der Sport Bild argumentierte Blatter, man könne nicht pauschal Länder ausschließen, nur weil sie in Konflikte verwickelt seien. Seine Aussage zur Russland-Rückkehr kommt vor dem Hintergrund anhaltender Sperren russischer Verbände im Fußball. Blatter betont zudem, dass er „kein Richter“ sei und warnt vor politischen Boykottaufrufen gegen sportliche Wettbewerbe. Kritik aus der Ukraine hatte sich Infantino für dieselbe Haltung eingefangen.

(From L) Brazil’s President Dilma Rousseff, FIFA President Joseph Blatter and Russia’s President Vladimir Putin pose during handing over of the 2018 FIFA World Cup to Russia on July 13, 2014 in Rio de Janeiro. AFP PHOTO / RIA NOVOSTI POOL / ALEKSEY NIKOLSKYI

Blatter fordert: Politik vom Sport trennen

Joseph S. Blatter stellte klar, dass er die Trennung von Politik und Fußball für notwendig hält. „Ich bin kein Richter. Meine Meinung zu Russland: Man sollte die Politik vom Sport, vom Fußball trennen“, sagte Blatter der Sport Bild und sprach sich damit für eine mögliche Wiederaufnahme russischer Teilnahme in internationalen Wettbewerben aus. Er warnte vor einer pauschalen Aussperrung von Ländern, die sich in Konflikten befinden, und hob die Bedeutung der sportlichen Integrität und des Spielbetriebs hervor.

Infantino, Verbände und die Debatte um eine Aufhebung

Blatters Position steht nicht allein: Sein Nachfolger Gianni Infantino hatte sich bereits offen gezeigt, den Bann gegen Russland aufzuheben — „zumindest im Jugendbereich“, wie Infantino betonte. Blatter verwies zudem auf Beispiele aus anderen Sportarten, in denen russische Athletinnen und Athleten wieder teilnehmen dürfen, etwa im Tennis. Gleichzeitig nannte er die Praxis mehrerer Verbände, die russische Sportlerinnen und Sportler bereits zulassen, als Argument gegen eine allgemeine Sperre.

Andere Sportarten und Wildcards bei den Winterspielen

Als weiteres Indiz für eine differenzierte Linie wies Blatter auf die Vergabe von Wildcards hin: Für die paralympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo (6.–15. März) erhielten sechs russische und vier belarussische Athletinnen und Athleten Startrechte per Wildcard. Das Beispiel unterstreicht, wie Verbände und Veranstalter in einzelnen Disziplinen über Ausnahmen oder gestaffelte Rückkehrmodelle entscheiden können. Blatter nutzte solche Fälle, um seine Forderung nach einer Trennung von Politik und Sport zu untermauern.

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Status der russischen Teilnahme im Fußball

Im Fußball bleibt Russland seit dem Beginn des Angriffskriegs in der Ukraine 2022 ausgeschlossen; das betraf sowohl Klub- als auch Nationalmannschaften. Das letzte große Turnier mit russischer Beteiligung war daher die EM 2021, das letzte unter FIFA-Regie die Heim-WM 2018. Blatter verwies auf diese Sperre als aktueller Ausgangspunkt der Debatte um eine mögliche Russland-Rückkehr und forderte, Verbände sollten differenzierte Entscheidungen über die Wiederzulassung prüfen.

Blatter gegen Boykott

Obwohl Blatter eine Rückkehr russischer Teilnehmer befürwortet, stellte er sich klar gegen Boykottaufrufe: „Ich bin gegen einen Boykott. Die wichtigsten Akteure im Fußball sind die Spieler, und die wollen unbedingt an der WM teilnehmen.“ Er warnte, dass ein Verzicht von Verbänden auf die Teilnahme zu erheblichen Verwerfungen im Spielbetrieb und unter den mehr als zwei Milliarden Fußballfans weltweit führen würde. Blatter betonte damit die Spannungsfelder zwischen Sportpolitik, Verbandsentscheidungen und dem Interesse der Aktiven.