Belgien bei der WM 2026 heute: Kevin De Bruyne letzte WM-Chance

De Bruyne bleibt das belgische Herzstück

Kevin De Bruyne geht in seine vierte WM und ist für Belgien auch mit 34 Jahren unverzichtbar. Vor dem Auftakt Belgien gegen Ägypten heute Abend in Seattle spricht vieles dafür, dass der frühere Bremer und Wolfsburger noch einmal eine zentrale Rolle für die Roten Teufel einnimmt. Für den Spielmacher ist es womöglich die letzte große WM-Chance.

Belgiens Mittelfeldspieler Kevin De Bruyne jubelt nach seinem zweiten Treffer während des Fußballspiels der UEFA EURO 2020 Gruppe B zwischen Dänemark und Belgien im Parken-Stadion in Kopenhagen am 17. Juni 2021. (Foto: Stuart Franklin / POOL / AFP)
Belgiens Mittelfeldspieler Kevin De Bruyne jubelt nach seinem zweiten Treffer während des Fußballspiels der UEFA EURO 2020 Gruppe B zwischen Dänemark und Belgien im Parken-Stadion in Kopenhagen am 17. Juni 2021. (Foto: Stuart Franklin / POOL / AFP)

Wer an De Bruyne im Nationaltrikot denkt, landet schnell bei der WM 2018. Damals leitete er den berühmten belgischen Bilderbuchkonter im Achtelfinale gegen Japan ein, als er in der Schlussphase den Angriff nach vorne trieb und Thomas Meunier im genau richtigen Moment bediente. Das 3:2 in letzter Minute brachte Belgien ins Viertelfinale. Dort war De Bruyne erneut entscheidend und stellte mit seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0 gegen Brasilien früh die Weichen auf Halbfinalkurs.

Weltmeisterschaften
15.6.2026
- 21:00
Belgien
- -
Ägypten

Gereifter Regisseur statt Dauer-Alleinunterhalter

Solche Szenen stehen sinnbildlich für De Bruyne in Reinform, für sein Timing und seine außergewöhnliche Raumdeutung. Beides besitzt er auch heute noch, nur eben in einer gereifteren Version. Seit seinem Länderspieldebüt sind 16 Jahre vergangen, und der Routinier blickt längst anders auf seine Einsätze für Belgien. „Als junger Spieler gab es für mich immer nur Vollgas und gewinnen. Heute kann ich viel besser innehalten und diese Ehre empfinden, für mein Land spielen zu dürfen“, sagte KDB vor dem WM-Start.

Der Herbst seiner Karriere ist ihm bewusst. Trotzdem bleibt sein Einfluss enorm. Belgien profitiert weiterhin von seiner Klasse, und das gilt nach wie vor in jedem Spiel. Gleichzeitig gehört De Bruyne zur goldenen Generation der Belgier, zu jenen Spielern, die 2018 WM-Dritter wurden, aber keinen großen Titel gewonnen haben. Nach manchen frustrierenden Momenten im Nationaltrikot scheint er sich nun mit der Vergangenheit arrangiert zu haben. „Mir ist schon klar, dass mir keine zehn Jahre mehr bleiben. Umso wichtiger ist es mir aber jetzt, diesen Moment zu genießen.“

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Die Mannschaft von Belgien posiert für ein Teamfoto vor dem internationalen Freundschaftsspiel gegen Kroatien am 2. Juni 2026 im Stadion HNK Rijeka in Rijeka. (Jurij Kodrun / Getty Images)
Die Mannschaft von Belgien posiert für ein Teamfoto vor dem internationalen Freundschaftsspiel gegen Kroatien am 2. Juni 2026 im Stadion HNK Rijeka in Rijeka. (Jurij Kodrun / Getty Images)

Neue Rolle im Team und viel Zuversicht vor dem Turnier

Seine Teilnahme an dieser WM ist für De Bruyne keineswegs selbstverständlich. In einer schwierigen Saison bei seinem neuen Klub SSC Neapel fiel er wegen einer Verletzung des Beinbeugermuskels vier Monate aus. Dennoch blickt er zufrieden zurück. „Angesichts der Umstände war mein Jahr gar nicht so schlecht. Ich bin nach meiner Verletzung top zurückgekehrt.“ Auch die letzten Testspiele vor dem Turnier machten Hoffnung. „Wir nehmen diesen Elan mit ins Turnier. Hoffentlich starten wir gut und werden dann von Spiel zu Spiel wachsen können“, sagte der 34-Jährige, der im offensiven Mittelfeld der Belgier weiter unverzichtbar ist.

Dass dies nicht mehr in alter Form automatisch bedeutet, dass jeder Angriff über ihn laufen muss, ist Teil der Entwicklung der Mannschaft. Die zunehmende Verletzungsanfälligkeit des Superstars stellte Belgien in den vergangenen Jahren vor Herausforderungen, doch ihn auszusortieren war nie ein Thema. Stattdessen musste die Nationalelf Wege finden, auch ohne den Leitwolf zu funktionieren. Ein Symbol dafür ist Youri Tielemans, der De Bruynes Kapitänsamt übernahm und half, für „KDB“ eine neue und möglicherweise noch wertvollere Rolle zu schaffen.

Vorbei sind die Zeiten, in denen De Bruyne sich den Ball gefühlt bis an den eigenen Strafraum zurückholte und praktisch jede belgische Offensivaktion initiierte. Heute wirkt das Team deutlich ausgewogener. De Bruyne agiert häufiger als Mentor denn als Taktgeber. „Er ist immer noch ein außergewöhnlicher Spieler, einer der besten, die ich jemals trainiert habe“, lobt Belgiens Coach Rudi Garcia.

Genießen mit Doku an der Seite

De Bruyne selbst verwendet in diesen Tagen auffallend oft ein Wort, das seinen Zustand gut beschreibt: „genießt“. Er genießt seine vielleicht letzte WM, er genießt seinen wieder voll belastbaren Oberschenkel und er genießt es, Mitspieler wie Jeremy Doku in Szene setzen zu können. Über den Flügelspieler sagt er: „Jeremy macht mein Leben einfacher. Er hat inzwischen ein gutes Gespür, wann er dribbeln und wann er abspielen sollte. Wir harmonieren gut auf dem Platz“, lobt De Bruyne jenen Doku, von dem auch abhängen dürfte, ob Belgien ein gutes oder sogar ein sehr gutes Turnier spielt.

Gegen Ägypten kommt für den ehemaligen Bundesligaprofi sein 120. Länderspiel hinzu, dazu stehen für ihn bereits 38 Tore im Nationaldress zu Buche. Es ist seine vierte WM-Endrunde, und körperlich spürt er die Jahre inzwischen deutlicher. „Es zwickt alles etwas schneller und stärker als früher. Aber abgesehen davon ist es nicht anders als bei den anderen drei Turnieren.“ Der entscheidende Unterschied liegt eher im Umfeld: Belgien gilt nicht mehr als Mitfavorit auf den Titel, und De Bruyne muss nicht mehr permanent Weltklasse verkörpern. In Nordamerika darf er jenseits des Atlantiks schlicht genießen.