Im Machtkampf an der Spitze der FIFA formiert sich massiver Widerstand aus Europa. Die europäischen Top-Ligen, einschließlich der Bundesliga, positionieren sich einem Bericht zufolge geschlossen gegen Präsident Gianni Infantino. Dessen Wiederwahl im kommenden März steht damit zunehmend auf der Kippe.

Geschlossene Front der Liga-Verantwortlichen
Wie Claudius Schäfer, Geschäftsführer der Dachorganisation European Leagues, berichtet, ziehen sämtliche 53 Mitgliedsligen aus 34 Nationen an einem Strang. Dazu zählen auch die „Großen Fünf“ aus Deutschland, England, Spanien, Italien und Frankreich. Die Verbände seien „voll auf einer Linie“, betonte Schäfer. Nach seiner Einschätzung hat sein Landsmann Infantino bei dem Weltverband „keine Zukunft“ mehr.
Im Gespräch mit The Athletic wurde der Schweizer deutlich: „Wir sind äußerst besorgt über seine Führung. Wir stellen seine Eignung infrage, weiterhin Präsident zu sein.“ Aus der Heimat des Weltverbandes beobachte man die Entwicklungen besonders genau, so Schäfer weiter: „Hier in der Schweiz haben wir einen genauen Blick auf die FIFA, und es scheint, dass der Einfluss des Präsidenten von Jahr zu Jahr gewachsen ist. Wichtige Entscheidungen werden getroffen, ohne sinnvolle Rücksprache mit den Beteiligten, die davon betroffen sein werden.“
Verworfener Investorenplan als Auslöser der Krise
Auslöser der aktuellen Vertrauenskrise ist ein inzwischen wieder eingestampfter Plan Infantinos zur Einbindung externer Investoren bei der Klub-WM. Das Vorhaben hat dem FIFA-Boss, der im März 2026 eine vierte Amtszeit anstrebt, erheblichen Gegenwind eingebracht. Die UEFA hat ihm bereits offen die Unterstützung entzogen, drängt auf seinen Rückzug von der Wahl und droht sogar mit einem Boykott von FIFA-Wettbewerben, sollte der Machtkampf eskalieren.
Verschärfend kommt hinzu, dass auch die Kontinentalverbände aus Asien sowie Nord- und Mittelamerika ihre Wortwahl zuletzt deutlich verschärft haben. Nicht alle Verbände ziehen jedoch mit der Kritikerfront mit: Vereinzelte nationale Mitgliedsverbände, insbesondere aus dem asiatischen Raum, haben Infantino weiterhin ihre Rückendeckung zugesichert. Ein aussichtsreicher Gegenkandidat für die Präsidentschaftswahl beim kommenden Kongress hat sich bislang jedoch nicht öffentlich positioniert, was den Ausgang der Nachfolgefrage weiter offen lässt.
Ruf nach struktureller Neuausrichtung
Schäfer gab sich dennoch zuversichtlich, dass sich ein ernstzunehmender Herausforderer finden werde. Unabhängig vom Ausgang der Wahl fordert der Chef der Schweizer Liga eine grundlegende Neuausrichtung der FIFA-Spitze. „Die Rolle und die Aufgaben des FIFA-Präsidenten“ müssten neu definiert werden, erklärte er. Sein zentrales Anliegen fasste Schäfer in einem klaren Statement zusammen: „Wir wollen nie wieder einen Präsidenten, der so mächtig ist wie dieser.“