Robert Andrich muss bei Bayer Leverkusen die Kapitänsbinde abgeben und darf den Verein offenbar noch in diesem Sommer verlassen. Der 31-Jährige, der bei der Heim-EM 2024 zum wichtigen Arbeiter neben Toni Kroos aufstieg, spielt in den Planungen der Werkself kaum noch eine Rolle.

Robert Andrich steht bei Bayer Leverkusen vor dem Aus. Nach übereinstimmenden Berichten von Kicker, Bild und Sky darf sich der defensive Mittelfeldspieler einen neuen Verein suchen. Gleichzeitig verliert der 19-malige deutsche Nationalspieler das Kapitänsamt.
Nach Informationen von Sky übernimmt Innenverteidiger Edmond Tapsoba die Binde. Patrik Schick gilt als Favorit auf die Rolle des Stellvertreters. Bayer wollte die neue Hierarchie noch am Donnerstag offiziell kommunizieren.
Große Konkurrenz im Leverkusener Mittelfeld
Der neue Trainer Carles Martínez verfügt im Zentrum über mehrere Alternativen. Aleix García, Exequiel Palacios und Equi Fernández konkurrieren um die Plätze im defensiven und zentralen Mittelfeld. Auch Ibrahim Maza kann dort eingesetzt werden. Talent Kennet Eichhorn fällt wegen einer Stoffwechselerkrankung zunächst aus.
Nach Angaben von Sky wurde Andrich bereits mitgeteilt, dass seine Einsatzchancen in der neuen Saison begrenzt sind. Leverkusen möchte deshalb einen zentralen Mittelfeldspieler abgeben. Obwohl sein Vertrag noch bis 2028 läuft, dürfte es den bisherigen Kapitän treffen.
Noch Anfang August hatte sich der 31-Jährige im „Kicker“ kämpferisch gezeigt. Damals sah er keinen Anlass, sich mit einem Wechsel zu beschäftigen, und wollte sich unter dem neuen Trainer sportlich empfehlen. Wenige Wochen später hat sich seine Ausgangslage grundlegend verändert.
Vom Double-Helden zum Abschiedskandidaten
Andrich wechselte 2021 für rund 6,5 Millionen Euro von Union Berlin nach Leverkusen. Seitdem absolvierte er 199 Pflichtspiele und war an 35 Treffern beteiligt. Seinen größten Erfolg feierte er 2024 mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft und des DFB-Pokals.
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Nach den Abgängen von Lukas Hradecky und Jonathan Tah ernannte ihn Erik ten Hag im vergangenen Sommer zum Kapitän. Dass Andrich die Binde bereits nach einer Saison wieder verliert, ist deshalb mehr als eine organisatorische Entscheidung. Zusammen mit den geringen Einsatzchancen deutet die Maßnahme klar auf eine Trennung hin.
Laut „Bild“ zeigt bereits ein Bundesligist Interesse. Der Mittelfeldspieler soll sich allerdings auch einen Wechsel ins Ausland vorstellen können.

Bei der Heim-EM war Andrich der Arbeiter neben Kroos
Besondere Bedeutung gewann Andrich durch seinen späten Aufstieg zum Nationalspieler. Erst im Herbst 2023 debütierte er im Alter von 29 Jahren für die deutsche Auswahl. Wenige Monate später gehörte er bei der Heim-EM zur Stammelf von Bundestrainer Julian Nagelsmann.
In allen fünf deutschen Turnierspielen kam der Leverkusener zum Einsatz, viermal stand er in der Startformation. Neben Toni Kroos übernahm er die defensivere Rolle. Andrich führte Zweikämpfe, sicherte zweite Bälle und schloss Räume hinter den offensiven Mittelfeldspielern. Damit gab er Kroos die Freiheit, den Spielaufbau zu lenken.
Er war bei diesem Turnier ein Nationalspieler, dessen Wert weniger an spektakulären Aktionen als an seiner taktischen Funktion zu erkennen war. Robust, laufstark und konsequent gegen den Ball – Andrich gab der deutschen Zentrale die notwendige Balance.
Sein Weg ins DFB-Team passte zu diesem Profil. Er kam nicht als hoch gehandeltes Ausnahmetalent, sondern arbeitete sich über Dynamo Dresden, den SV Wehen Wiesbaden, den 1. FC Heidenheim und Union Berlin bis zum Meisterschaftskandidaten und Nationalspieler hoch.

Ein Wechsel könnte auch für die DFB-Perspektive wichtig werden
Mit 31 Jahren benötigt Andrich regelmäßige Spielpraxis, wenn er auf höchstem Niveau eine Rolle behalten will. Sein Profil als zweikampfstarker Sechser mit Erfahrung, Führungsqualitäten und gutem Distanzschuss bleibt für viele Mannschaften interessant.
In Leverkusen scheint dieser Spielertyp unter Martínez jedoch nicht mehr gefragt zu sein. Zwei Jahre nach der Heim-EM und dem historischen Double deutet deshalb vieles auf einen Abschied hin.