DFB-Sportdirektor Rettig übt scharfe Kritik: Vertrauen in Infantino irreparabel

Der geplatzte Investorendeal um Anteile an der Fußball-WM zieht weiter Kreise. DFB-Sportdirektor Andreas Rettig geht davon aus, dass das Vertrauen zwischen dem DFB und FIFA-Präsident Gianni Infantino nachhaltig zerrüttet ist. Im Interview mit dem Stern spricht er von einem Bruch, der sich kaum noch kitten lässt.

Bundestrainer Julian Nagelsmann trifft gemeinsam mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf (links) und DFB-Sportdirektor Andreas Rettig (rechts) am Smith Reynolds Airport in Winston-Salem ein. Die deutsche Mannschaft schlägt dort am 8. Juni 2026 ihr Quartier für die WM 2026 auf. (Alexander Hassenstein / Getty Images North America via Getty Images)
Bundestrainer Julian Nagelsmann trifft gemeinsam mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf (links) und DFB-Sportdirektor Andreas Rettig (rechts) am Smith Reynolds Airport in Winston-Salem ein. Die deutsche Mannschaft schlägt dort am 8. Juni 2026 ihr Quartier für die WM 2026 auf. (Alexander Hassenstein / Getty Images North America via Getty Images)

Ein Bruch mit Ansage

„Das ist aus meiner Sicht ein irreparabler Vertrauensverlust – und nicht nur zum DFB“, stellte Rettig klar. Für diese Einschätzung führt er zwei zentrale Gründe an, die eng miteinander verknüpft sind. Zum einen kritisiert er das Vorgehen bei der Entscheidungsfindung, die abseits der Öffentlichkeit und ohne breite Abstimmung erfolgt sei. Wörtlich sprach er vom „stillen Kämmerlein“ und den „unlauteren Ködern“, die dabei ausgelegt worden seien.

Zum anderen stört sich Rettig am Inhalt des Vorstoßes selbst. Er sieht darin ein Symptom für eine schleichende Neuausrichtung im Umfeld des Verbandschefs: „Daran sieht man auch, dass Herr Infantino sich mittlerweile mit Menschen umgeben hat, die von außerhalb des Fußballs kommen.“ Hintergrund der Kontroverse ist der Versuch Infantinos, Beteiligungen an der Fußball-WM sowie an weiteren FIFA-Turnieren an externe Investoren zu veräußern.

Kritik an Tempo und Lockmitteln

Besonders scharf geht Rettig mit der Vorgehensweise ins Gericht, mit der das Vorhaben durchgedrückt werden sollte. Der FIFA-Chef habe versucht, „den Weg über Überraschung, Zeitdruck und vor allem diesen 20-Millionen-Köder zu gehen“, so der Sportdirektor. Für ihn überschreitet dieses Vorgehen eine klare Grenze: „Das ist in höchstem Maße ungehörig. Was hier verkauft werden sollte, ist ein unbezahlbarer immaterieller Vermögenswert.“

Als treibende Kraft des Widerstands gegen den Deal hebt Rettig UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hervor. Dieser habe „den Rücken gerade gemacht und Position bezogen“, als sich der Konflikt zuspitzte. Aus Sicht Rettigs war in diesem Fall eine Belastungsgrenze für den gesamten Fußball erreicht: „War der Punkt erreicht, an dem der Fußball als Ganzes beschädigt worden wäre. Das war der Point of no return.“

Blick auf die FIFA-Wahl 2027

Mit Blick auf die kommende FIFA-Präsidentschaftswahl im Jahr 2027 äußerte Rettig vor allem einen grundsätzlichen Wunsch. Ihm gehe es darum, „dass es überhaupt zu einer Wahl kommt“, also um einen echten demokratischen Wettbewerb um das Amt. Konkrete Namen möglicher Gegenkandidaten zu Infantino nannte er in dem Gespräch jedoch nicht.