Trump im WM 2026 Finale: Triumph für den US-Präsidenten

Am Sonntag betritt Donald Trump erstmals persönlich die Bühne der WM 2026 und wird dem Weltmeister die Trophäe überreichen. Während der gesamten FIFA WM hat sich der US-Präsident kein einziges Spiel im Stadion angeschaut, seine Politik prägte das Turnier dennoch spürbar. Kritiker sprechen von einer gezielten politischen Instrumentalisierung des Sportgroßereignisses.

US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania Trump im Gespräch mit FIFA-Präsident Gianni Infantino bei der offiziellen Auslosung der Fußball-WM 2026 am 5. Dezember 2025 im John F. Kennedy Center in Washington D.C. (Pool / Getty Images North America via Getty Images)
US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania Trump im Gespräch mit FIFA-Präsident Gianni Infantino bei der offiziellen Auslosung der Fußball-WM 2026 am 5. Dezember 2025 im John F. Kennedy Center in Washington D.C. (Pool / Getty Images North America via Getty Images)

Weltmeisterschaften
19.7.2026
- 21:00
Spanien
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Argentinien

Wenn Trump am Finaltag zum ersten Mal WM-Luft schnuppert, dürfte ihm vieles bekannt vorkommen. Eine Halbzeitshow mit prominenter Starbesetzung, Championship-Ringe für die neuen Weltmeister, die US-Hymne und reichlich patriotisches Beiwerk, das FIFA-Präsident Gianni Infantino aufbietet, erinnert stark an die heimischen Profiligen, mit denen der wenig fußballbegeisterte Präsident deutlich vertrauter ist. Das amerikanische Flair dürfte allerdings nicht der einzige Grund sein, weshalb er das Finale als eine Art „Super Bowl“ genießen wird. Trump darf nach Spielende die Siegertrophäe übergeben und kann die Mega-WM nach Ansicht mancher Beobachter sogar als politischen Erfolg verbuchen, obwohl er sich abseits der Einmischung im „Fall Balogun“ weitgehend zurückgehalten hat.

Politikwissenschaftler Jules Boykoff sieht das differenzierter. Die Regierung Trump habe die Weltmeisterschaft „definitiv für ihre politischen Zwecke instrumentalisiert“, so sein Urteil. Sportlich stand über weite Strecken des Turniers dennoch der Ball im Mittelpunkt: das Märchen von Kap Verde, die Rekordjagd von Lionel Messi oder die schwer erkämpften Auftritte der Norweger sorgten für Schlagzeilen. Als handfeste Kontroverse blieben nach dem frühen Aus des Iran zunächst nur die umstrittenen Trinkpausen sowie Diskussionen über eine mögliche weitere Aufstockung auf 64 Teilnehmer.

Zwischen Rampenlicht und Schattenzonen

Ob tatsächlich die befürchtete „MAGA-WM“ Realität wurde, bleibt umstritten. Daniel Norona von Amnesty International verweist darauf, dass sich vieles „im Schatten der WM“ abgespielt habe. Gemeint sind etwa die Razzien der umstrittenen Einwanderungsbehörde ICE, die sich im direkten WM-Umfeld zurückhielt, abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit laut Menschenrechtsorganisationen aber unvermindert hart durchgriff. Erst vor wenigen Tagen erschossen ICE-Beamte zwei weitere Menschen in ihren Fahrzeugen.

Bemerkenswert erscheint dabei, dass der Präsident, der in seiner zweiten Amtszeit kaum ein bedeutendes Sportereignis im eigenen Land ausließ, den WM-Stadien fernblieb. Seine politische Handschrift zeigte sich trotzdem deutlich, etwa durch die strengen Einreisebestimmungen. Nach Angaben von Ronan Evain von der Fanorganisation Football Supporters Europe schlossen diese Regelungen die Hälfte der Weltbevölkerung faktisch aus und machten die von der FIFA als „inklusivste WM aller Zeiten“ beworbene Veranstaltung zu einem Event „für wenige Privilegierte“.

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International für Aufsehen sorgten zudem die Einmischung in die Personalie um Nationalspieler Folarin Balogun, die Zurückweisung des somalischen Schiedsrichters Omar Artan sowie die Vereinnahmung des US-Teams durch das Heimatschutzministerium. Einige der dabei verwendeten Formulierungen erinnerten Beobachter unangenehm an die Rhetorik des Nationalsozialismus.

Innenpolitisches Kalkül statt internationaler Imagepflege

Boykoff zufolge zeige Trumps Verhalten wenig Interesse daran, außerhalb der USA jemanden von seinen Qualitäten als Präsident zu überzeugen. Vielmehr habe er vor allem innenpolitische Ziele verfolgt. Nicholas McGeehan, Direktor der Organisation FairSquare, wird gegenüber dem SID deutlicher: Trump und sein Beraterstab hätten die WM genutzt, um „ihren aggressiven Nationalismus und Rassismus“ zu demonstrieren. Diese Ziele habe der Präsident erreicht, der Weltverband habe dies „ganz eindeutig ermöglicht“.

Infantino selbst, der Trump erst kürzlich mit einem neu geschaffenen Friedenspreis auszeichnete, kann sich derweil über den wirtschaftlichen Erfolg des Turniers freuen. Rekordeinnahmen von bis zu 13 Milliarden US-Dollar sichern seinen Einfluss im Weltverband, ungeachtet der Kritik aus Europa im „Fall Balogun“, pünktlich zur anstehenden Wahl im kommenden Jahr. Als zusätzlichen Bonus erhält der FIFA-Chef rund um das Endspiel ein gemeinsames Erinnerungsfoto mit dem US-Präsidenten.

Trump, der sich zuletzt mit der spanischen Regierung überworfen hatte, deren Team im Finale steht, wird bei der Siegerehrung die Bühne mit dem neuen Weltmeister teilen. Bereits im Vorjahr hatte er sich bei der Klub-WM unter die jubelnden Profis des FC Chelsea gemischt, sehr zu deren Erstaunen. Eine Sprecherin des Weißen Hauses kündigte an, Trumps Auftritt werde den würdigen Abschluss der „meistgesehenen, sichersten und erfolgreichsten WM in der amerikanischen Geschichte“ bilden. Nicht alle Beobachter teilen diese Einschätzung.