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Deutschland hat den Einzug in die K.-o.-Phase schon nach zwei Spielen sicher und Julian Nagelsmann damit vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Ecuador unerwartet Spielraum zum Ausprobieren. Der Bundestrainer könnte die Partie nutzen, um Abläufe zu festigen und Optionen für die nächste Turnierphase zu prüfen. Ganz auf Experimente verzichten dürfte er dennoch nicht müssen, denn einzelne Anpassungen bieten sich an. Doch Lothar Matthäus und Stefan Effenberg halten einen großzügigen Austausch der Startelf nicht für sinnvoll.

Rhythmus statt großer Umbau
Eigentlich hätte Julian Nagelsmann sich bei Curacao bedanken können. Der völlig überraschende erste Punktgewinn des Inselstaates in seiner Geschichte gegen Ecuador sorgte dafür, dass Deutschland den Gruppensieg in Staffel E bereits nach zwei Spielen unter Dach und Fach hat.
Damit eröffnet sich dem DFB-Coach vor dem letzten Vorrundenspiel die Gelegenheit, gezielt Dinge zu testen oder zu verfestigen, die in der K.-o.-Runde wertvoll werden können. Eine massive Rotation ist allerdings eher nicht zu erwarten. Nagelsmann hatte zuletzt immer wieder betont, dass seine Stammkräfte den gewünschten Rhythmus brauchen.
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Auch Lothar Matthäus hält einen großzügigen Austausch der Startelf nicht für sinnvoll. In seiner Kolumne bei Sky sagte der Rekordnationalspieler: „Wenn man jetzt denkt, man könne ein bisschen mehr rotieren und mal Ersatzspieler spielen lassen, weil man Gruppenerster ist – nein“, erklärte der Rekordnationalspieler in seiner Kolumne bei „Sky“. „Man sollte einen Rhythmus und Kern beibehalten. Jetzt im Spiel gegen Ecuador keine Experimente machen. Das wäre der falsche Ansatz.“
Trotz dieser Warnung sind kleinere Testläufe durchaus naheliegend. Die erste Elf überzeugte in den beiden bisherigen Partien nicht in jeder Phase restlos, und mit Blick auf stärkere Gegner im weiteren Turnierverlauf dürfte Nagelsmann ohnehin über Anpassungen nachdenken.
Die Abwehr muss sich neu sortieren
Ein zentraler Punkt betrifft die Defensive. Nico Schlotterbeck fällt für den Rest des WM-Turniers aus, was für die deutsche Auswahl ein schwerer Rückschlag ist. Seit Montagmorgen ist klar, dass der Dortmunder nicht mehr eingreifen kann.
Als nahezu gesetzt gilt deshalb, dass Antonio Rüdiger den freien Platz übernimmt. Der langjährige Stammspieler hatte das bereits in der zweiten Halbzeit gegen die Elfenbeinküste getan und dabei überzeugt, wofür er von ran die Note 2 erhielt.

Gerade in K.-o.-Duellen gegen absolute Top-Teams braucht die Nationalmannschaft eine stabile und eingespielte Kette. Deshalb sollte Nagelsmann im Idealfall Rüdiger, Jonathan Tah, Joshua Kimmich und Nathaniel Brown gemeinsam aufbieten. Jede Minute, die diese Formation zusammen auf dem Platz steht, kann im Turnierverlauf Gold wert sein.
Hinzu kommt, dass sich ohne Schlotterbecks präzise Diagonalbälle auf den rechten Flügel die deutsche Spieleröffnung spürbar verändert. Auch deshalb ist gemeinsame Spielpraxis in dieser Konstellation besonders wichtig.
Chancen für Rückkehrer und Joker
Im Mittelfeld könnte Nagelsmann ebenfalls nachjustieren. Felix Nmecha kehrte erst wenige Tage vor der Kadernominierung nach seiner Blessurenpause zurück und ist bisher der auffälligste deutsche Akteur im Turnier. Er bringt enorme Physis mit, ist aber nachweislich anfällig für kleinere und größere Verletzungen. Eine Pause wäre deshalb denkbar, damit der 25-Jährige in der K.-o.-Phase wieder voll belastbar ist.
Eine solche Lösung würde gleichzeitig Leon Goretzka eine Startelfchance eröffnen. Der erfahrene Mittelfeldmann könnte damit direkt von Beginn an eingebunden werden.

Ähnlich offen ist die Frage in der Offensive. Jamal Musiala, Kai Havertz und Florian Wirtz haben in der vergangenen Saison jeweils Zeit verloren und sind noch nicht komplett im gewünschten Rhythmus. Sollte auch nur einer von ihnen geschont werden, könnte Deniz Undav eine größere Rolle erhalten und dem Wunsch vieler Fans nach mehr Einsatzzeit für ihn entsprechen.
Der Top-Scorer dieser WM hätte dann die Möglichkeit zu zeigen, wie groß sein Einfluss auch als Starter sein kann. Auch Nadiem Amiri, der gegen die Elfenbeinküste als Joker stark auftrat, käme für den zentralen Part der offensiven Dreierreihe in Frage.
Spielzeit für die Bank denkbar
Unabhängig davon, ob Nagelsmann die Startelf umbaut oder weitgehend zusammenlässt, dürfte er mehreren Akteuren aus der zweiten Reihe Minuten verschaffen. Angelo Stiller, Nick Woltemade, David Raum oder Maximilian Beier sollen zum Einsatz kommen. Vielleicht findet der Bundestrainer sogar Platz für Assan Ouedraogo, der im Training bislang einen guten Eindruck hinterlässt.
Das Spiel gegen Ecuador sollte Deutschland dabei keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen. Per Mertesacker machte im ZDF deutlich, dass auch der zwölfte Sieg in Serie sportlich Gewicht hätte: „Sportlich ist das gar nicht egal, wie du das nächste Spiel gestaltest. Du hast jetzt elf Siege in Serie. Gelingt dir der zwölfte, stärkt das erneut den Glauben. Glaube ist alles“, beschwört „ZDF“-Experte Per Mertesacker.
Nagelsmann wird das bei seiner Aufstellung im Hinterkopf behalten.