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Kanada hat zum WM-Auftakt in Toronto einen Fehlstart gerade noch abgewendet. Ohne den verletzten Alphonso Davies von Bayern München kam der Co-Gastgeber gegen Bosnien-Herzegowina spät zu einem 1:1 und sicherte sich damit zumindest einen Punkt. Cyle Larin traf drei Minuten nach seiner Einwechslung in der 79. Minute zum Ausgleich, nachdem Jovo Lukic die Bosnier in der 21. Minute in Führung gebracht hatte.

Davies fehlt, Kanada sucht nach Rhythmus
Der Auftakt hätte für das Team von Jesse Marsch beinahe zum Albtraum werden können. Der kanadische Kapitän plagt sich mit einer Muskelverletzung im Oberschenkel, und der US-Amerikaner hofft nun, dass Davies vielleicht bis zum zweiten Gruppenspiel am Donnerstag in Vancouver gegen Katar wieder fit wird. Für Kanada, das als Mutterland des Eishockeys bei seinem Heimturnier erstmals die K.o.-Runde erreichen will, war es zumindest der erste Punktgewinn bei einer Weltmeisterschaft.
Das Warten auf den ersten WM-Sieg im Debütjahr der Nordamerikaner geht damit weiter. Bereits 1986 und 2022 war Kanada bei seinen bisherigen Endrunden ohne Zähler in der Vorrunde ausgeschieden.
Bosnischer Jubel, kanadische Geduld
Die Bosnier, die in den Playoffs sensationell Italien aus dem Rennen geworfen hatten und bei ihrer zweiten WM nach 2014 ebenfalls erstmals die nächste Runde schaffen möchten, treffen in Gruppe B am 18. Juni in Los Angeles auf die Schweiz. Gegen Kanada legten sie den besseren Start hin, obwohl Edin Dzeko, der 40 Jahre alte Nationalheld und Torjäger, zunächst nur auf der Bank saß.
Schon vor dem Anpfiff war die Atmosphäre in Toronto eindrucksvoll. Tausende kanadische Fans marschierten gemeinsam vom Trinity Bellwoods Park zum Stadion, schwenkten Fahnen mit dem Ahornblatt und tauchten die Millionenmetropole in roten Rauch. Auch Anhänger vom Balkan sorgten für Stimmung, viele von ihnen mit bosnischen Wurzeln leben in Toronto.
In der Arena, in der am 20. Juni Deutschland auf die Elfenbeinküste trifft, traf die Sonne die Zuschauer auf den provisorischen Stahltribünen hart. Für das kleinste WM-Stadion mit 43.036 Plätzen waren 17.000 zusätzliche Sitze eingebaut worden. Dazu gab es eine stimmungsvolle Eröffnungsfeier, bei der Alanis Morissette die Nationalhymne „O Canada“ sang. Selbst Marsch, im Anzug und mit Krawatte, stimmte in die Hymne aus den USA mit ein.

Zu viele Fehler, dann doch die Erlösung
Zu Beginn wirkten die hohen Erwartungen eher hemmend auf die Gastgeber, die Marsch sogar mit dem Ziel Gruppensieg in das Turnier geschickt hatte. Bosnien war aktiver. Amar Memic prüfte Kanada schon in der dritten Minute mit einem Fernschuss, der deutlich über das Tor ging. Marsch gefiel das nicht und trieb sein zunächst zu behäbiges Team immer wieder von der Seitenlinie an.
Als Kanada sich einmal nach vorn spielte, vergab Jonathan David in der 17. Minute die beste Chance der ersten Hälfte. Nach einer Flanke, die Amar Dedic vor seine Füße klärte, schoss der Starstürmer den bosnischen Keeper Nikola Vasilj, zuletzt beim FC St. Pauli, direkt an. Kurz darauf schlug Bosnien eiskalt zu. Nach einer Ecke köpfte Lukic am Fünfmeterraum ein, und bis auf den jubelnden Bosnien-Block wurde es im Stadion für einen Moment ganz still.
Der Rückstand weckte Kanada zumindest phasenweise auf. Getragen von den Rufen „Let’s go, Canada“ drängten die Gastgeber in die bosnische Hälfte, doch im Passspiel und im Abschluss fehlten weiter Präzision und Klarheit. Auch Davids Sturmpartner Tani Oluwaseyi verzog in der 32. Minute aus bester Strafraumposition deutlich.

Nach der Pause setzte sich das Muster fort. Kanada hatte mehr Ballbesitz, konnte daraus aber zu wenig machen. Wenn doch einmal eine Lücke entstand, fehlte oft nur wenig. Richies Laryea, der Davies ersetzte, hatte Vasilj in der 53. Minute schon überwunden, doch Sead Kolasinac, früher beim FC Schalke, rettete den Ball noch an die Latte. Im direkten Gegenzug verpasste Stuttgarts Ermedin Demirovic das mögliche 2:0 frei vor dem Tor und stolperte die Großchance weg.
Als die Auftaktpleite näher rückte, erhöhte Kanada den Druck noch einmal. Ein Kopfball von David in der 66. Minute wurde vom Schalker Nikola Katic gerade noch auf der Linie geklärt. Erst in der 79. Minute belohnte sich „Les Rouges“ für die Schlussoffensive, als Larin kurz nach seiner Einwechslung den späten Ausgleich erzielte.