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Die WM 2026 hat für die Gastgeber am 12. Juni zwei sehr unterschiedliche Geschichten geliefert. Kanada erkämpfte sich in Toronto gegen Bosnien-Herzegowina mit dem ersten Punkt seiner WM-Historie ein 1:1, die USA legten in Los Angeles mit einem klaren 4:1 gegen Paraguay einen spektakulären Start hin.

Kanada holt dank Larin das erste WM-Remis
Für Kanada war der Abend in Toronto ein kleines Stück Fußballgeschichte. Das Team von Jesse Marsch kam gegen Bosnien-Herzegowina nach Rückstand noch zu einem 1:1 und verbuchte damit erstmals überhaupt einen Punkt bei einer Weltmeisterschaft. Den späten Ausgleich erzielte Joker Cyle Larin, den Marsch nach dem Schlusspfiff erleichtert umarmte.

Der Co-Gastgeber brauchte lange, um ins Spiel zu finden. Bosnien trat zunächst aktiver auf, obwohl Nationalheld Edin Dzeko nur auf der Bank saß. Amar Memic prüfte Kanada schon in der 3. Minute mit einem Weitschuss, der deutlich über das Tor ging. Marsch wirkte an der Seitenlinie unzufrieden, weil seine Mannschaft kaum Durchschlagskraft entwickelte. Als Jonathan David in der 17. Minute nach einer Flanke von Amar Dedic zum Abschluss kam, landete sein Schuss genau in den Armen von Nikola Vasilj, der zuletzt beim FC St. Pauli unter Vertrag stand.
Bosnien mit dem 1:0
Wenig später schlug Bosnien zu. Nach einer Ecke köpfte Jovo Lukic in der 21. Minute aus kurzer Distanz ein und brachte die mitreisenden Balkan-Fans in Ekstase. Das Stadion wurde für einen Moment still, ehe Kanada allmählich Druck aufbaute. Angetrieben von den „Let’s go, Canada„-Rufen verlagerte sich das Geschehen zunehmend in die bosnische Hälfte, doch im letzten Drittel fehlten Präzision und Klarheit. Tani Oluwaseyi vergab in der 32. Minute aus bester Position, was ins Bild des zähen Auftakts passte.
Dann kam Larin. Der 31-Jährige wurde in der 76. Minute eingewechselt und traf nur drei Minuten später mit seiner ersten Ballberührung zum 1:1. „Das war etwas ganz Besonderes für mich. Ich wollte die Leute auf unsere Seite ziehen. Mir war klar: Irgendwann wird das Tor fallen“, sagte der Angreifer. Später ergänzte er: „Darauf müssen wir aufbauen und beim nächsten Mal einfach eiskalt sein.“ Die Toronto Star sprach von einem „wertvollen“ Remis.
Schon vor dem Anpfiff war die Atmosphäre in Toronto hochgekocht. Tausende kanadische Fans marschierten gemeinsam vom Trinity Bellwoods Park zum Stadion, schwenkten Fahnen mit dem Ahornblatt und tauchten die Stadt in roten Rauch. Auch Anhänger vom Balkan, darunter viele Kanadier mit bosnischen Wurzeln, sorgten am Stanley Park für Stimmung. In der Arena, in der am 20. Juni Deutschland auf die Elfenbeinküste trifft, brannte die Sonne den Zuschauern auf den provisorischen Stahltribünen ins Gesicht. 17.000 zusätzliche Sitze mussten in das mit 43.036 Plätzen kleinste WM-Stadion eingebaut werden. Bei der Eröffnungsfeier sang Alanis Morissette die Nationalhymne „O Canada“, und selbst der aus den USA stammende Marsch stimmte in Anzug und Krawatte aus voller Überzeugung mit ein.
USA starten mit Macht und Prominenz
Auch die USA legten einen Auftritt hin, der Wirkung zeigte. Einen Tag nach einem Anruf von Präsident Donald Trump startete das Team von Mauricio Pochettino mit einem klaren 4:1 gegen Paraguay in die WM 2026. Im Football-Tempel von Los Angeles bejubelte ein euphorisches Publikum den Auftakt der letzten der drei Gastgeber, die sich nach der starken Vorstellung vor allem nur vorwerfen lassen mussten, nicht noch höher gewonnen zu haben.
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1:0 nach 9 Minuten
Der Anfang verlief für die US-Auswahl nach Maß. Bereits in der 9. Minute brachte ein erzwungenes Eigentor von Damian Bobadilla die Gastgeber in Führung. Folarin Balogun von der AS Monaco erhöhte mit einem Doppelpack in der 31. und in der 45.+5 Minute auf 3:0, wobei ihm zuvor in der 28. Minute wegen Abseits noch ein weiterer Treffer aberkannt worden war. Den letzten Treffer markierte der eingewechselte Giovanni Reyna von Borussia Mönchengladbach in der 90.+8 Minute.

Antreiber Christian Pulisic sprach nach dem Spiel von einem „unglaublichen Start“, stellte aber zugleich klar: „Wir haben noch nichts erreicht. Die erste Halbzeit war eine der besseren, die wir gespielt haben.“ Der Offensivspieler forderte sein Team auf, nun „so weiterzumachen“. Pochettinos Elf hatte Paraguay in den ersten 45 Minuten mit Tempo und Pressing fast überrollt. Der Südamerikameister von 2010, der erstmals seitdem wieder bei einer Endrunde dabei ist, fand zunächst kaum Mittel gegen das amerikanische Angriffsspiel.
Erst nach der Pause, als die USA etwas an Intensität herausnahmen, kam Paraguay gelegentlich nach vorne. Eine dieser Gelegenheiten nutzte Mauricio in der 73. Minute zum Ehrentreffer. Vor dem Anpfiff hatte Trump Pochettino telefonisch gesagt, er sei ein „fantastischer Typ“ und ein „fantastischer Trainer“ und ergänzte, er wisse, „wie großartig die Spieler sind. Ich denke, Sie haben eine wirklich gute Chance, es ganz bis nach oben zu schaffen“. Trump war selbst nicht im Stadion, dafür verfolgte US-Außenminister Marco Rubio die Partie an der Seite von FIFA-Boss Gianni Infantino. Unter den prominenten Gästen waren auch Tom Cruise, der von David Beckham und dessen Frau Victoria begleitet wurde, außerdem Halle Berry, Paris Hilton und Kareem Abdul-Jabbar.

Die US-Startelf entsprach bis auf eine Position jener Mannschaft, die sechs Tage zuvor beim 1:2 im letzten Test gegen Deutschland begonnen hatte. Abwehrchef Chris Richards war rechtzeitig fit geworden, nachdem er sich nach dem Sieg im Finale der Europa League mit Crystal Palace am letzten Premier-League-Spieltag verletzt hatte. Richards war zunächst kaum gefordert, während die Gastgeber vor dem erwartungsfrohen Publikum loslegten, als wollten sie die Partie schon in den ersten zehn Minuten entscheiden. Der frühe Treffer durch Bobadilla löste auf den Rängen eine solche Explosion der Begeisterung aus, dass die Tribünen förmlich vibrierten. Nach den beiden Treffern von Balogun, die auf Vorlagen des auffälligen Pulisic und des Leverkuseners Malik Tillman entstanden, wiederholte sich das Spektakel. Pulisic selbst stand nur eine Halbzeit auf dem Platz, lieferte dort aber einen überzeugenden Auftritt ab.