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Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft weist bei Weltmeisterschaften insgesamt eine starke Auftaktbilanz auf. Von 20 1.Wm-Spielen gewann sie 13, spielte viermal remis und verlor nur dreimal bei 51:15 Toren, allerdings gehörten auch die jüngsten beiden Niederlagen dazu. Auffällig bleibt zugleich, dass bei allen Titelgewinnen WM 1954, WM 1974, WM 1990 und WM 2014 ein Sieg zum Start gelang.

Wenn der Anfang stimmt, läuft oft alles
In anderen Jahren war der erste Auftritt dagegen der Beginn einer schwierigen Turniergeschichte. Der Rückblick auf die deutschen WM-Auftaktspiele zeigt, wie schnell sich ein verheißungsvoller Start in einen Fehlstart verwandeln kann.
1938 war für die WM-Premiere vier Jahre zuvor gegen Belgien noch alles gut ausgegangen, damals hatte die DFB-Elf 5:2 gewonnen und Platz drei geholt. Doch unter dem Druck der Nazis musste Sepp Herberger die erfolgreiche „Breslau-Elf“ auseinanderreißen und ein „großdeutsches“ Team zusammenstellen. „Oh, heilige Einfalt!“, notierte er erbost. Die unausgewogene Mischung aus sechs Deutschen und fünf Österreichern kam gegen die Schweiz nur zu einem 1:1 n.V. und verlor anschließend das Entscheidungsspiel um den Viertelfinaleinzug mit 2:4. Herberger machte später die Österreicher wegen ihres „unzulänglichen Einsatzes“ verantwortlich.

1962 hatte die Auswahl die Türkei 4:1 und 1958 Argentinien 3:1 bezwungen, in Chile reichte es gegen Italien aber nur zu einem 0:0 gegen die Meister der Defensivtaktik, die mit ihrem „Catenaccio“ auftraten. Nach den teils harten Attacken des Gegners klagte Herberger: „Es war unser schwerstes Länderspiel seit Jahren.“ Zwar holte Deutschland den Gruppensieg, doch im Viertelfinale war beim 0:1 gegen Jugoslawien Schluss. Herberger blieb trotz Rücktrittsforderungen noch zwei Jahre im Amt, während Uwe Seeler andere Gedanken hatte: „Für die nächste Zukunft hoffe ich nur, dass mich meine Frau mit dem Wagen vom Flughafen abholt.“
Ausgewählte Deutschland WM Spiele
| Jahr | Gegner 1 | Gegner 2 | Ergebnis |
| 1934 | 🇩🇪 Deutschland | 🇧🇪 Belgien | 5:2 |
| 1938 | 🇩🇪 Deutschland | 🇨🇭 Schweiz | 1:1 n.V. (2:4) |
| 1954 | 🇩🇪 Deutschland | 🇹🇷 Türkei | 4:1 |
| 1958 | 🇩🇪 Deutschland | 🇦🇷 Argentinien | 3:1 |
| 1962 | 🇩🇪 Deutschland | 🇮🇹 Italien | 0:0 |
| 1962 | 🇩🇪 Deutschland | Jugoslawien* | 0:1 |
| 1978 | 🇩🇪 Deutschland | 🇵🇱 Polen | 0:0 |
| 1978 | 🇩🇪 Deutschland | 🇦🇹 Österreich | 2:3 |
| 1982 | 🇩🇪 Deutschland | 🇩🇿 Algerien | 1:2 |
| 1986 | 🇩🇪 Deutschland | 🇺🇾 Uruguay | 1:1 |
| 2018 | 🇩🇪 Deutschland | 🇲🇽 Mexiko | 0:1 |
| 2018 | 🇩🇪 Deutschland | 🇰🇷 Südkorea | 0:2 |
| 2022 | 🇩🇪 Deutschland | 🇯🇵 Japan | 1:2 |
(Für das historische Jugoslawien existiert kein offizielles Flaggen-Emoji).
Vom Fehlstart zur Blamage
1978 stand die WM in Argentinien nach Startsiegen 1966, 1970 und 1974 mit dem späteren Triumph von München von Beginn an unter keinem guten Stern. Ein „geheimnisvolles Ticken“, so Bundestrainer Helmut Schön, raubte allen in der Nacht vor dem Spiel gegen Polen den Schlaf. Am Morgen blieben drei Stars im Aufzug stecken, außerdem war der Platz unbespielbar. DFB-Präsident Hermann Neuberger polterte nach dem 0:0 über „Fußball wie vor 20 Jahren – stoppen, gucken, abgeben.“ Später blamierte sich das Nationalteam bei der „Schmach von Cordoba“ gegen Österreich mit 2:3.
1982 reiste der mit Stars wie Schumacher, Breitner und Rummenigge gespickte Europameister als Titelkandidat nach Spanien. Selbst Jupp Posipal, der als Weltmeister von 1954 nicht für Hochmut bekannt war, meinte, man könne in der Vorrunde „morgens gegen Chile und abends gegen Algerien spielen“. Doch die Vorbereitung am „Schlucksee“ geriet außer Kontrolle. Die Folge war das peinliche 1:2 gegen den Neuling Algerien, die erste deutsche WM-Auftaktpleite. Algeriens Trainer jubelte: „Wir sind nicht die bessere Mannschaft, aber wir haben besser gespielt. Fußball ist keine Wissenschaft!“ Für Rummenigge und Co. reichte es am Ende dennoch noch bis ins Finale.
1986 zeigte sich Teamchef Franz Beckenbauer vor dem Turnier überzeugt: „Wir werden weder Weltmeister noch 1988 Europameister, das könnt ihr vergessen!“, sagte der „Kaiser“. Wenn die „Todesgruppe“ E mit Dänemark, Schottland und Uruguay überstanden werde, sei „viel erreicht“. Der bis dahin jüngste Chefcoach der DFB-Geschichte schickte den ältesten Kader der Verbandshistorie ins Rennen, und nach einem groben Fehler von Lothar Matthäus lag Deutschland gegen Uruguay schon nach vier Minuten 0:1 zurück. Klaus Allofs rettete mit seinem Treffer in der 84. Minute noch ein Remis, am Ende stand die Vize-Weltmeisterschaft.

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Die jüngsten Bruchlandungen
Von 1990 bis 2014 folgten dann sieben Auftaktsiege in Serie bei einem Torverhältnis von 27:3. Doch 2018 riss diese Serie in Moskau abrupt. Juan Carlos Osorio erklärte nach dem 1:0 für Mexiko, er habe „seit Monaten“ gewusst, wie die deutsche Elf spielen werde. Joachim Löw scheiterte mit seinem überholten Ballbesitzstil kläglich. „Ich war zu arrogant“, räumte er ein. Die Vorrunde endete schließlich in Kasan gegen Südkorea mit einem historischen Desaster beim 0:2, begleitet von rassistischen Anfeindungen gegen Spielmacher Mesut Özil.
2022 schien Deutschland in Ar-Rayyan lange auf Siegkurs, doch nach Ilkay Gündogans Führung drehte Japan im zweiten Durchgang auf. Bochums Takuma Asano und der Freiburger Ritsu Doan bestraften die DFB-Auswahl beim 1:2. Später wurde weniger über das Sportliche als über die „Mund zu“-Geste der Nationalspieler vor der Partie diskutiert, mit der sie auf das Verbot der „One Love“-Binde reagiert hatten. Nach dem erneuten Vorrunden-Aus stand auch die Eignung von Graugänsen als Motivationshilfe zur Debatte.