Profis, die sich in einer Auseinandersetzung mit Gegenspielern den Mund zuhalten, können bei der Fußball-WM im Sommer künftig mit Rot bestraft werden. Das hat das International Football Association Board (IFAB) nach einer Forderung von FIFA-Präsident Gianni Infantino in einer Sondersitzung im kanadischen Vancouver beschlossen. Auslöser war der Wirbel um Gianluca Prestianni von Benfica Lissabon, der Vinicius Junior von Real Madrid im Playoff-Duell der Champions League rassistisch beleidigt haben soll und dabei das Trikot vor den Mund zog.

Neue Linie gegen mutmaßliche Beleidigungen
Infantino hatte zuletzt deutlich gemacht, wie das IFAB den Vorgang bewertet. „Es muss vermutet werden, dass ein Spieler etwas gesagt hat, das er nicht hätte sagen dürfen – sonst hätte er seinen Mund nicht bedecken müssen“, sagte der FIFA-Präsident. Eine Hinausstellung sei eine Maßnahme, „die wir ergreifen müssen, wenn wir es mit unserem Kampf gegen Rassismus ernst meinen“.
Ob diese Regelauslegung auch in anderen Wettbewerben wie der Bundesliga oder der Champions League greift, liegt zunächst bei den jeweiligen Organisatoren. Für die WM greift die Neuerung allerdings verbindlich, wenn im Sommer in den USA, Mexiko und Kanada gespielt wird.
Auch Protest gegen Schiedsrichterentscheidungen im Fokus
Mit einer weiteren Anpassung reagierte das IFAB zudem auf die chaotischen Szenen beim Afrika-Cup-Finale zwischen Marokko und dem Senegal. Nach einem späten Elfmeterpfiff für Marokko hatten Senegals Spieler beim Endspiel Mitte Januar in Rabat aus Protest zeitweise das Feld verlassen, ehe die Partie nach längerer Unterbrechung fortgesetzt wurde. Senegal gewann zwar nach Verlängerung, später wurde dem Team der Titel vom CAF wieder aberkannt.
Die Konsequenz ist nun klar formuliert: „Nach Ermessen des Veranstalters kann der Schiedsrichter jeden Spieler, der aus Protest gegen eine Schiedsrichterentscheidung das Spielfeld verlässt, mit einer Roten Karte bestrafen“, teilte das IFAB mit. Diese Regel soll ebenfalls erstmals bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada angewendet werden. Sie gilt auch für alle Offiziellen, die Spieler zum Verlassen des Platzes anstiften. Zudem stellt das IFAB klar: „Eine Mannschaft, die den Abbruch eines Spiels verursacht, verliert grundsätzlich das Spiel.“