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RTL hat von der EU-Kommission grünes Licht für die Übernahme von Sky Deutschland erhalten. Für Fußballfans und Streaming-Kunden könnte das den lang kritisierten Abo-Dschungel spürbar verändern, zugleich stehen aber noch mehrere Fragen zu Preisen, Rechten und möglichen Umstrukturierungen offen.

Die Eckdaten des Milliarden-Deals
Das Vorhaben, Sky Deutschland zu kaufen, hatte die RTL Group bereits im Juni 2025 angekündigt. Nun gab Brüssel die Genehmigung ohne wettbewerbsrechtliche Bedenken. RTL zahlt der Sky-Mutter Comcast aus den USA zunächst einen Festbetrag von 150 Millionen Euro. Hinzu kommt über fünf Jahre ein variabler Anteil von bis zu 377 Millionen Euro, der sich an der Entwicklung des RTL-Aktienkurses orientiert.
Mit dem Schritt baut RTL, bislang vor allem als Unterhaltungssender wahrgenommen, sein ohnehin deutlich gewachsenes Sportportfolio weiter aus. Die Marken Sky und WOW sollen erhalten bleiben, ebenso der Standort von Sky in München.
Mehr Fußball im Free-TV und Bewegung bei den Rechten
Für die Zuschauer kündigten die Verantwortlichen vor allem eines an: deutlich mehr Sport im Free-TV, allen voran Fußball. RTL-CEO Stephan Schmitter sagte, es würden „so viele Spiele wie nie zuvor im Free-TV zu sehen sein“, nannte aber noch keine konkrete Zahl.
Bislang sublizensiert Sky aus seinem Bundesliga- und DFB-Pokal-Rechtepaket pro Hin- und Rückrunde jeweils ein Bundesliga-Spiel an einen Free-TV-Sender. Künftig dürfte diese Zahl steigen, denn laut Rechtepaket wären bis zu zehn Partien pro Saison möglich. RTL soll dabei die erste Anlaufstelle werden. Zudem werden ab sofort alle 63 Spiele des DFB-Pokals auch beim Streamingdienst RTL+ laufen.
In die Gegenrichtung ist ebenfalls ein Tausch denkbar: Sky soll ab der kommenden Saison die Europa League übertragen, für die RTL noch bis 2027 Rechte hält. Auch abseits des Fußballs könnte es zu einem Rechteschieben kommen. Sky besitzt unter anderem die Rechte an der Formel 1, an mehreren großen Tennisturnieren, an der NBA und an der NHL. Da RTL in den vergangenen Jahren bereits für einzelne Formel-1-Rennen Sublizenzen erhalten hatte, wären künftig auch Finalspiele von Alexander Zverev oder Partien von Basketball-Weltmeister Franz Wagner und Dennis Schröder im Free-TV möglich.
Neue Pakete, mehr Konkurrenz und offene Fragen
Auch bei den Abos will RTL nach eigenen Angaben nachlegen. Der Konzern will den von vielen Fans beklagten Abo-Dschungel entschärfen und dafür „diverse Abo-Pakete und -Bundles schnüren, um Preisvorteile für die Fans zu ermöglichen“, wie Schmitter erklärte. Die Preisgestaltung solle „unter die Maxime stellen, dass es ab sofort ein Angebot für möglichst jeden Geldbeutel geben sollte“. Spätestens zum Start der neuen Bundesligasaison sollen neue Auswahlmöglichkeiten verfügbar sein.
Im Streamingmarkt kommt die neue Größenordnung ebenfalls zum Tragen. RTL+ und Sky-Streamingdienst WOW bringen zusammen laut Schmitter gut 12 Millionen Abonnements auf die Waage und sollen künftig gemeinsam mit Amazon, Netflix und Youtube konkurrieren. „Im Konzert der Großen treten wir nicht an, um nur an Position drei zu stehen, sondern uns letztlich an die Spitze kämpfen“, sagte Schmitter. Das gelte nicht nur für den Sport, sondern auch für das Serienangebot, das WOW mitbringt.
Wie genau die neuen Abo-Strukturen aussehen und ob es im Streamingbereich sogar zu einer Verschmelzung kommen könnte, ist aber weiter offen. Ebenso bleibt abzuwarten, wie viel und welcher Livesport tatsächlich im Free-TV landet und ob etwa die Formel-1-Partnerschaft dadurch ausgebaut wird. Für RTL galt die Rennserie über viele Jahre als sportliche Heimat.
Personalabbau und das Fernziel 15 Millionen Abos
Der Zusammenschluss wird auch personelle Folgen haben. Thomas Rabe, Vorstandschef von Bertelsmann, zu dem die RTL-Gruppe gehört, sprach im Handelsblatt von einer notwendigen „Verschlankung“. Im Zuge der Zusammenlegung werde es „auch zu einer Verschlankung“ kommen, sagte er, „wir werden Doppelstrukturen abbauen.“
Langfristig verfolgt der Konzern nach der Sky-Übernahme das Ziel, bei RTL+, Sky und Wow gemeinsam auf 15 Millionen Abonnentinnen und Abonnenten zu kommen.