WM 1938 in Frankreich

Die Fußball WM 1938 in Frankreich

Bei der Vergabe der WM 1938 entschieden sich die FIFA-Funktionäre für die Austragung in Frankreich, hier alles zur Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften. Die Franzosen setzten sich gegen Argentinien und Deutschland durch. Nazi-Deutschland erhielt bei der Abstimmung keine einzige Stimme. Zusätzlich bewarb sich Deutschland auch für die Austragung der WM 1942. Aufgrund des Ausbruchs des 2.Weltkriegs sollte die dritte Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft 1938 allerdings für 12 Jahre die letzte Austragung der Fußball-WM sein.

Nachdem vier Jahre zuvor mit Ägypten ein afrikanisches Land seine WM-Premiere feierte, war nun Asien an der Reihe. Mit Niederländisch-Indien trat eine Nationalmannschaft bei dieser Weltmeisterschaft an, die zumindest aufgrund ihrer geografischen Lage Asien zuzurechnen ist, auch wenn Niederländisch-Indien damals, wie es der Name schon sagt, unter dem kolonialen Einfluss der Niederlande stand. Ansonsten dominierten auch bei der zweiten WM in Europa die europäischen Teams. Lediglich eine Nationalmannschaft aus Asien und zwei aus Amerika bzw. der Karibik sorgten für ein internationales WM-Feeling.

Italiens Nationalmannschaft gewinnt nach einem 4:2 Sieg gegen Ungarn die Fußball-Weltmeisterschaft 1938. (vorne von links : Amadeo Biavati (4th L), coach Vittorio Pozzo holding the trophy, Silvio Piola, Giovanni Ferrari, Gino Colaussi; erste Reihe von links : Ugo Locatelli, Giuseppe Meazza, Alfredo Foni, Pietro Serantoni, Aldo Olivieri, Pietro Rava and Michele Andreolo) / AFP PHOTO / STAFF

Italiens Nationalmannschaft gewinnt nach einem 4:2 Sieg gegen Ungarn die Fußball-Weltmeisterschaft 1938. (vorne von links : Amadeo Biavati (4th L), coach Vittorio Pozzo holding the trophy, Silvio Piola, Giovanni Ferrari, Gino Colaussi; erste Reihe von links : Ugo Locatelli, Giuseppe Meazza, Alfredo Foni, Pietro Serantoni, Aldo Olivieri, Pietro Rava and Michele Andreolo) / AFP PHOTO / STAFF

Erstmals schaffte es bei der WM 1938, der amtierende Weltmeister seinen Titel zu verteidigen. So gewann die italienische Nationalmannshaft auch 1938 die Weltmeisterschaft. Nachdem vier Jahre zuvor bei der Heim-WM noch die Schiedsrichter maßgeblich für den Sieg Italiens verantwortlich waren, schafften die Italiener ihren zweiten WM-Sieg auch ohne den maßgeblichen Einfluss der Referees.

WM Teilnehmer 1938

Niederlande 🇳🇱 Österreich 🇦🇹 Polen 🇵🇱 Schweiz 🇨🇭
Belgien🇧🇪 Italien 🇮🇹 Frankreich 🇫🇷 Deutschland🇩🇪
Ungarn 🇭🇺 Rumänien 🇷🇴 Tschechoslowakei 🇨🇿 Norwegen 🇳🇴
Niederländisch-Indien Kuba Brasilien🇧🇷

Offizielles Poster der 2.Fußball-Weltmeisterschaft 1938 in Frankreich. AFP PHOTO / AFP PHOTO / FIFA / HO

Offizielles Poster der 2.Fußball-Weltmeisterschaft 1938 in Frankreich. AFP PHOTO / AFP PHOTO / FIFA / HO

Allerdings lastete abermals großer Druck auf den Schultern der italienischen Spieler. Der italienische Duce Benito Mussolini hatte vor dem Turnier die Parole „Siegen oder Sterben“ ausgegeben. Unvergessen bleibt wohl das Zitat des Torwarts des italienischen Finalgegners aus Ungarn, der nach dem verlorenen Endspiel sagte: „Ich war noch nie so stolz wie jetzt. Wir haben elf Menschen das Leben gerettet.“

Bei der WM 1938 gab es eine Regel, die zum letzten Mal berücksichtigt werden sollte. Bei den vorhergegangenen Turnieren und auch 1938 musste bei einem Unentschieden im K.O. Modus eine Wiederholungspartie ausgetragen werden, deren Sieger in die nächste Runde einzog. Kurioserweise schieden in der zweiten Runde sämtliche Mannschaften, die zuvor ein Wiederholungsspiel absolvieren mussten, aus. Die Mehr-Belastung gegenüber den anderen Teams, die ihr Vorrundenspiel direkt gewannen, war unübersehbar zu groß. Dies nahm die FIFA zum Anlass, die Praxis des Wiederholungsspiels nach der Weltmeisterschaft 1938 abzuschaffen.

Datum Ort Team 1 Team2 Ergebnis
19.06.38 Paris   Italien 🇮🇹   Ungarn 🇭🇺 4:2 (3:1)
Tore: 1:0 Colaussi (6.), 1:1 Titkos (8.), 2:1 Piola (16.)3:1 Colaussi (35.), 3:2 G. Sarosi (70.), 4:2 Piola (82.)

Eine andere, heute veraltete Regel sorgte für kuriose Szenen. Da das Auswechseln 1938 noch nicht erlaubt war, musste im Viertelfinale der tschechoslowakische Torwart mit einem gebrochenen Arm das Spiel zu Ende spielen. Diese Regel sollte jedoch vorerst noch beibehalten bleiben.

Deutschland bei der WM 1938

Ein besonderes Hauptaugenmerk gilt bei der WM 1938 in Frankreich dem deutschen Team. Nur drei Monate vor der Eröffnung des Turniers, fand der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich statt. Nachdem die NSDAP-Führung sich dazu entschied, mit einem gemeinsamen Team Großdeutschlands in Frankreich anzutreten, mussten die Österreicher ihre Teilnahme absagen. Da Österreich sich zuvor bereits für die WM qualifiziert hatte, waren infolgedessen nur 15 statt 16 Teams bei der dritten WM-Auflage dabei. Schweden profitierte von der deutschen politischen Entscheidung und zog kampflos in das WM-Viertelfinale ein.

Die deutsche Fußballnationalmannschaft mit dem Hitlergruß am 04.Juni 1938 im Parc des Princes stadium in Paris vor dem WM-spiel gegen die Schweiz (von links : Hans Mock, Rudi Raftl, Willi Schmaus, Jupp Gauchel, Rudi Gellesh, Ernst Lehner, Paul Janes, Willi Hahnemann, Anderl Kupfer, Hans Pesser, Albin Kitzinger) / AFP PHOTO / STAFF

Die deutsche Fußballnationalmannschaft mit dem Hitlergruß am 04.Juni 1938 im Parc des Princes stadium in Paris vor dem WM-spiel gegen die Schweiz (von links : Hans Mock, Rudi Raftl, Willi Schmaus, Jupp Gauchel, Rudi Gellesh, Ernst Lehner, Paul Janes, Willi Hahnemann, Anderl Kupfer, Hans Pesser, Albin Kitzinger) / AFP PHOTO / STAFF

Der Nationaltrainer Sepp Herberger war von der Entscheidung für eine gemeinsame Nationalmannschaft so kurz vor der Weltmeisterschaft nicht überzeugt. Er wies darauf hin, dass die technisch besseren Fußballer Österreichs nicht wirklich mit der deutschen Elf harmonieren würde. Allerdings blieb die Entscheidung bestehen und Herberger musste in drei Monaten aus den ehemals getrennten Teams eine Mannschaft formen. Beim ersten Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 1938 standen infolgedessen sechs Deutsche und fünf Österreicher auf dem Rasen. Dies Auf dem Papier war somit die Nationalmannschaft Großdeutschlands der klare Favorit. Schließlich bestand die Nationalmannschaft nun aus den besten Spielern des Dritten und Vierten der WM 1934.

Aufgrund der größer werdenden Spannungen in Europa wurde die deutsche Nationalmannschaft bei ihrem Eröffnungsspiel gegen die Schweiz mit purem Hass von den größtenteils französischen Zuschauern konfrontiert. Als bei der Nationalhymne die deutsche Nationalmannschaft den Hitlergruß zeigte, gab es ein schrillendes Pfeifkonzert und Eier, Tomaten und Flaschen flogen in Richtung der deutschen Mannschaft. Da das Spiel gegen die Underdogs aus der Schweiz 1:1 endete, musste die „deutsch-österreichische“ Nationalelf fünf Tage später in einem Wiederholungsspiel abermals gegen die Eidgenossen antreten.

Im Wiederholungsspiel schien alles, zugunsten des haushohen Favoriten zu laufen. Nach wenigen Minuten Spielzeit führte die deutsche Nationalmannschaft bereits mit 2:0 und die Zeichen der Zeit standen auf Viertelfinale. Ab dann lief jedoch alles gegen die deutsche Elf und letztendlich setzten sich die Schweizer mit 4:2 gegen Deutschland durch. Somit ist das Ausscheiden der deutschen Mannschaft im Achtelfinale die bis heute schlechteste WM-Teilnahme Deutschlands.

DFB Spiele WM 1938

Phase Datum Team1 Team 2 Ergebnis
Achtelfinale 04.06.1938 Schweiz🇨🇭 Deutschland 🇩🇪 1:1 n.V.
Achtelfinale 09.06.1938 Schweiz🇨🇭 Deutschland 🇩🇪 4:2

Nachdem Sepp Herberger vier Jahre vorher noch Co-Trainer war, hatte der geborene Mannheimer nun das alleinige Sagen. Und auch bei den nachfolgenden Weltmeisterschaften war Herberger der deutsche Bundestrainer.

DFB Kader WM 1938

Name Pos. Verein Geburtstag
Fritz Buchloh TW Hertha BSC 26.11.1909
Rudolf Raftl TW Rapid Wien 07.02.1911
Hans Jakob TW Regensburg 16.06.1908
Paul Janes AB Düsseldorf 11.03.1912
Reinhold Münzenberg AB Aachen 25.01.1909
Ludwig Goldbrunner AB FC Bayern 05.03.1908
Jakob Streitle AB FC Bayern 11.12.1916
Willi Schmaus AB First Vienna 16.06.1912
Hans Mock MF Austria Wien 09.12.1906
Ernst Lehner MF Schwaben Augsbu 07.11.1912
Josef Stroh MF Austria Wien 05.03.1913
Andreas Kupfer MF Schweinfurt 07.05.1914
Rudi Gellesch MF Schalke 04 01.05.1914
Stefan Skoumal MF Rapid Wien 29.11.1909
Albin Kitzinger MF Schweinfurt 01.02.1912
Franz Wagner ST Rapid Wien 23.09.1911
Hans Pesser ST Rapid Wien 07.11.1911
Fritz Szepan ST Schalke 04 02.09.1907
Leopold Neumer ST Austria Wien 08.02.1919
Willi Hahnemann ST Admira Wacker 14.04.1914
Jupp Gauchel ST TuS Koblenz 11.09.1916
Otto Siffling ST SVW Mannh. 03.08.1912
Sepp Herberger TR 28.03.1897