Drama um Irans Fußballerinnen nach Aus beim Asien-Cup

Drama um Irans Fußballerinnen nach dem Vorrunden-Aus beim Asien-Cup: Nach dem 0:2 gegen die Philippinen und dem Ausscheiden suchten mindestens fünf Spielerinnen in Australien Schutz bei der Polizei. Videos zeigen eine verunsicherte Mannschaft im Bus, während draußen Fans „Rettet unsere Mädchen“ riefen. Der Vorfall steht in direktem Zusammenhang mit dem bereits kontrovers diskutierten Verzicht auf die Nationalhymne beim Auftaktspiel gegen Südkorea. Internationale Stimmen fordern inzwischen Schutz und Asyl für die Spielerinnen.

Iranische Frauen fordern eine Disqualifikation von der WM 2022 (Foto Depositphotos)
Iranische Frauen fordern eine Disqualifikation von der WM 2022 (Foto Depositphotos)

Unruhe nach dem Vorrunden-Aus in Gold Coast

Als der Mannschaftsbus Irans Fußballerinnen das Stadion auf der australischen Gold Coast verließ, brach kurzzeitig Chaos aus. Hunderte Fans standen im Regen und skandierten Slogans wie „Rettet unsere Mädchen“ und „Regimewechsel für Iran“, einige versuchten offenbar, die Abfahrt zu verhindern. Auf Videomaterial ist zu sehen, wie Spielerinnen die Szenen mit dem Handy filmten, winkten oder sich nach vorne starrend abwendeten; eine Spielerin zog den Vorhang zu. Dennoch fuhr der Bus schließlich in die Dunkelheit davon, was die Sorge um die Sicherheit des Teams weiter anheizte.

Fünf Spielerinnen flüchten ins Polizeischutz

Den Berichten von CNN zufolge verließen fünf Spielerinnen am folgenden Morgen das Mannschaftshotel und suchten Schutz bei der australischen Polizei. Öffentlich äußerte sich niemand aus der Mannschaft — wohl auch aus Sorge vor möglichen Konsequenzen in der Heimat. Gleichzeitig bleibt offen, ob alle Teammitglieder Schutz oder Asyl in Australien wünschen; viele fürchten Folgen für ihre Familien im Iran und einige Spielerinnen haben Kinder. Nach Angaben der Nationaltrainerin Marziyeh Jafari wolle sie persönlich schnellstmöglich in ihr Land zurückkehren und bei ihrer Familie sein, erklärte sie in der Pressekonferenz nach dem letzten Spiel.

Auslöser: Verzicht auf die Nationalhymne und mögliche Repressalien

Der unmittelbare Auslöser der Angst liegt beim ersten Gruppenspiel gegen Südkorea (0:3): Die iranischen Spielerinnen verzichteten damals auf das Singen der Nationalhymne — ein Schritt, der international als offener Protest gegen die Führung gewertet wurde. Menschenrechtsgruppen warnen vor ernsthaften Konsequenzen für die Beteiligten nach ihrer Rückkehr. Im staatlichen Fernsehen wurden die Spielerinnen von einem Kommentator als „Kriegsverräterinnen“ bezeichnet, was den Druck noch erhöhte. Vor den folgenden Spielen gegen Australien (0:4) und die Philippinen (0:2) sang das Team die Hymne wieder und salutierte; ob dieser Wechsel freiwillig oder unter Druck geschah, blieb unklar.

Dieses Fußball-Video könnte dich interessieren:

Internationale Unterstützung und Asyl-Forderungen

Die Sorge um die iranischen Fußballerinnen löste internationale Solidaritätsbekundungen aus: Menschenrechtsaktivisten, Prominente wie J.K. Rowling und Exilpolitiker suchten öffentlich Unterstützung für das Team. Reza Pahlavi forderte Australiens Regierung auf, für die Sicherheit der Spielerinnen zu sorgen und ihnen bei Bedarf jede notwendige Unterstützung zu gewähren. Auch US-Präsident Donald Trump trat laut Berichten öffentlich dafür ein, Australien Asyl für die Spielerinnen zu gewähren und bot an, die Spielerinnen aufzunehmen, falls Canberra dies nicht tue. Dennoch blieb unklar, welchen Schutz die übrigen Teammitglieder suchen und wohin ihre Reise nach dem Turnierende führt.