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Joachim Klement hatte die letzten drei Weltmeister richtig vorhergesagt und setzt bei der WM 2026 in Nordamerika auf die Niederlande. Der in Großbritannien lebende deutsche Ökonom räumt zwar selbst ein, dass bei seinem Modell auch Glück eine Rolle spielte. Doch ausgerechnet Oranje, das Team des Total Football und wohl die beste Mannschaft, die nie Weltmeister wurde, könnte diesmal tatsächlich fällig sein. Am heutigen 16. Juni 2026 startet die Niederlande gegen Japan in die WM 2026, Anstoß ist um 22:00 Uhr.

Oranje zwischen Historie und neuer Realität
Die Niederlande haben den WM-Titel bereits dreimal knapp verpasst, zweimal davon im Elfmeterschießen. Kann das Team von Ronald Koeman nun besser abschneiden als die Oranje-Generationen von 1974, 1978 und 2010? Eher nicht. Der Mannschaft fehlen im Vergleich zu den großen Vorgängern die Leichtigkeit und die Kreativität, zudem reist sie nach Kansas City in die Nähe des englischen Teams mit einer schwierigen Vorbereitung an.
Der niederländische Verband hat das Erreichen des Halbfinals als Mindestziel ausgegeben, doch selbst das wirkt vor dem Auftakt in Gruppe F gegen Japan in Dallas ambitioniert. Für Koeman ist es eine Rückkehr an einen besonderen Ort, denn dort bestritt er 1994 seinen letzten Einsatz für sein Land, als die Niederlande im Viertelfinale in Texas gegen den späteren Turniersieger Brasilien verloren. Gleichzeitig war das die letzte WM, bei der Oranje ein Gruppenspiel verlor, damals gegen Belgien in Orlando. Seit 1974 schafften die Niederländer bei jeder WM den Sprung in die K.o.-Runde.
In einer anspruchsvollen Vorrundengruppe mit Schweden und Tunesien will Koeman deshalb unbedingt Platz eins sichern. Nur so lässt sich womöglich vermeiden, dass im Achtelfinale direkt Brasilien wartet, falls die Niederländer nur Zweiter werden.
„Die Leute sehen uns vielleicht nicht als einen der Favoriten auf den WM-Titel. Aber die Stärke der Niederlande ist, dass wir jeden schlagen können, weil die Qualität in unserem Kader steckt.“ (R. Koeman)
WM 2026 Spielplan der Niederlande in Gruppe F
Verletzungen trüben die WM-Vorbereitung
Die Vorbereitung verlief jedoch alles andere als reibungslos. Nach einer ungeschlagenen Qualifikation verloren die Niederlande in Rotterdam gegen Algerien und holten im letzten Test Anfang der Woche in New York gegen Usbekistan erst spät den Sieg. Dazu kommen Sorgen um die personelle Lage.
Jurrien Timber verließ das Camp vor dem Spiel gegen Usbekistan, weil er seine Leistenprobleme nicht rechtzeitig auskurieren konnte. Der Verteidiger hatte deshalb schon die letzten zwei Monate der Meisterschaftssaison von Arsenal verpasst. Auch Torhüter Bart Verbruggen ist angeschlagen, der Schlussmann von Brighton laboriert an einer Hüftverletzung und ist für das Duell mit dem starken Japan fraglich.
Hinzu kommt eine ganze Reihe weiterer Ausfälle und angeschlagener Leistungsträger. Koeman musste bereits auf Xavi Simons von Tottenham und Jerdy Schouten wegen längerfristiger Kreuzbandverletzungen verzichten, außerdem auf Matthijs de Ligt von Manchester United nach einer Rückenoperation. Frenkie de Jong, Memphis Depay und Denzel Dumfries waren zudem während der Saison über längere Zeit verletzt.
Erfahrung aus der Premier League als Trumpf
Depay gehörte in der europäischen Qualifikation gemeinsam mit einem weiteren Spieler zu den zweiterfolgreichsten Torschützen. Mit seinen zwei Treffern gegen Litauen im September löste er Robin van Persie als Rekordschütze der Niederlande ab. Dennoch wissen die Fans von Manchester United, dass der 32-Jährige, der inzwischen in Brasilien für Corinthians spielt, stark schwanken kann.
Sollte Depay bis zum Anpfiff nicht vollständig fit sein, dürfte Donyell Malen den Angriff anführen. An seiner Seite wären wohl West Hams Crysencio Summerville und Cody Gakpo vom FC Liverpool gesetzt, nachdem Malen seit seinem Leihwechsel im Januar von Aston Villa zu Roma in herausragender Form auftritt.

Koeman setzt im gewohnten 4-3-3 auf ein spielstarkes Mittelfeld mit Frenkie de Jong, Ryan Gravenberch vom FC Liverpool und Tijjani Reijnders von Manchester City. Gleichzeitig bleibt der größte Trumpf der Niederländer die Defensive, auch wenn die Mannschaft eher für Funktionalität als für große Eleganz steht.
Das Abwehrzentrum wird von Virgil van Dijk organisiert, der für sein Land bislang überragend agierte, in wenigen Wochen aber 35 Jahre alt wird und eine kräftezehrende Saison hinter sich hat. Neben ihm soll der bei Tottenham umworbene Jan Paul van Hecke spielen, auf links dürfte Micky van de Ven von Tottenham vor Nathan Aké den Vorzug erhalten.
Mehr als die Hälfte des Kaders steht in der Premier League unter Vertrag. Genau auf diese Erfahrung und das dort gesammelte Know-how wird Koeman bauen, um die fehlende Brillanz zu kompensieren. Der 63-Jährige musste in der WM-Qualifikation auch privat Schweres schultern und verließ zeitweise das Camp, um sich um seine Frau Bartina zu kümmern, die sich einer Krebsbehandlung unterzieht.
In seiner zweiten Amtszeit weiß der frühere Kapitän der Niederlande, dass ein starker Start nötig ist, um die skeptischen Fans zu überzeugen. Vielleicht reichen die aktuelle Generation nicht an die Teams um Cruyff, Neeskens und Krol heran, die 1974 gegen Westdeutschland und 1978 gegen Argentinien im Finale scheiterten, oder an die Elf von 2010, die an Spanien verzweifelte. Ganz abschreiben sollte man Oranje aber nie. Joachim Klement würde dem wohl zustimmen.