Nein, den Gefallen tat Jürgen Klopp den Journalisten nicht, die zu seiner Antrittspressekonferenz auf den DFB-Campus gekommen waren und die es nach Namen dürstete. 57 Feldspieler habe er sich für die deutsche Fußballnationalmannschaft in einer Liste notiert, sagte der neue Bundestrainer. Nur welche das sind, verriet der 59-Jährige auch auf Nachfrage nicht. Wer im ersten DFB-Kader der Ära Klopp stehen könnte, lässt sich trotzdem ziemlich genau eingrenzen.

Immerhin: Der Nationaltrainer gab ein paar Hinweise darauf, wie sich seine Liste zusammensetzt. So verwies er auf den Mut, den er auf seinen bisherigen Stationen in der Auswahl des Personals stets an den Tag gelegt habe. In Dortmund mit Spielern wie Marcel Schmelzer, Kevin Großkreutz oder Lukasz Piszczek. In Liverpool mit Andy Robertson oder dem zuvor beim FC Chelsea gescheiterten Mo Salah. Es würden deshalb Spieler eine Chance bekommen, „die noch gar nicht damit rechnen“, sagte Klopp, zu dessen Stärken als Trainer es gehört, Potenziale nicht nur früher zu erkennen als andere, sondern sie auch zum Vorschein zu bringen. Doch dazu müssen die Grundvoraussetzungen stimmen, und die lauten bei Klopp: mehr, mehr, mehr!
Mehr Intensität als bei der WM 2026
„Wenn wir über die WM nachdenken, da hatten wir schon das Gefühl, es hätte intensiver sein können“, blickte der neue Bundestrainer auf die enttäuschenden Leistungen der deutschen Mannschaft beim WM-Turnier in Kanada, Mexiko und den USA zurück. „Verbesserungen hängen im Fußball oft mit mehr zusammen. Deshalb ist schon der Plan, mit mehr Intensität zu spielen.“
Dass intensiver Fußball ein Publikum findet, weiß Klopp spätestens seit seiner Zeit beim BVB, wo er mit Heavy-Metal-Fußball in Europa für Furore sorgte. Auch heute, mehr als zehn Jahre später, hat sich seine Einstellung nicht gravierend geändert: „Ich habe Lust, mit Jungs zusammenzuarbeiten, die einen Fußball spielen wollen, der allen gefällt.“ Einen Fußball mit hoher Intensität, viel Power, einem Maximum an Herz. „Ich möchte auch mit der Nationalmannschaft erreichen, dass die Leute nach Hause gehen und denken: Wow!“
Dazu braucht es nicht reihenweise Ausnahmespieler wie Michael Olise, Kylian Mbappé, Lionel Messi oder Harry Kane in der Mannschaft, auch wenn sie ohne Frage helfen würden. Entscheidend ist eine hohe Anzahl an mannschaftsdienlichen Spielern, die sich für ihr Team aufopfern, damit die Individualkönner glänzen können. Und von dieser Kategorie gibt es in Florian Wirtz und Jamal Musiala durchaus welche in der DFB-Elf. Vorausgesetzt, sie sind in Form und werden richtig eingesetzt.
Wer vom 4-3-3 profitieren könnte
Da Klopp ein 4-3-3 präferiert und mit klaren Flügelspielern plant, werden künftig teils deutlich andere Spielerprofile benötigt als unter seinem Vorgänger Julian Nagelsmann. Wer diese Profile mitbringt, hat plötzlich reelle Chancen auf den DFB-Kader, auch ohne bisherige Länderspiele.

Neue Namen für die Offensive
Profitieren könnten vom Systemwechsel Kölns Said El Mala und Karim Adeyemi, der jüngst vom BVB nach Barcelona wechselte. Auch die Leipziger Offensivspieler Brajan Gruda und Assan Ouedraogo kommen infrage, ebenso wie die Stürmer Nicolo Tresoldi, um den sich zuletzt gleich mehrere Topklubs bemühten und der weiter beim FC Brügge unter Vertrag steht, und Dzenan Pejcinovic, der noch beim Absteiger Wolfsburg spielt.
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Rechtsverteidiger und Innenverteidigung: Klopps offene Baustellen
Doch auch auf den hinteren Positionen bietet sich neues Personal an. Ins Blickfeld könnte etwa Rocco Reitz rutschen, der im Sommer von Mönchengladbach nach Leipzig wechselte und als lauf- und zweikampfstarker Mittelfeldspieler perfekt ins Klopp’sche Schema passt. Der flexibel einsetzbare Tom Bischof (FC Bayern) könnte ebenso den nächsten Schritt machen wie perspektivisch das erst 16 Jahre alte Top-Talent Kennet Eichhorn (Bayer Leverkusen). Allerdings dürfte auch Münchens Joshua Kimmich, der bisherige Kapitän, künftig wieder für eine Rolle in der Zentrale infrage kommen, ist es doch schwer vorstellbar, dass Klopp ihn wie sein Vorgänger als Rechtsverteidiger einplant.
Doch wer könnte auf dieser Problemposition künftig spielen? Infrage kommt etwa Philipp Treu vom Europa-League-Finalisten SC Freiburg, der allerdings, wie so viele Kandidaten, erst noch dauerhaft bestätigen muss, dass er höchsten Leistungsansprüchen genügt. Für die Innenverteidigung dürfte Yann Aurel Bisseck (Inter Mailand) wieder ein Kandidat werden. Ebenso Stuttgarts Youngster Finn Jeltsch, der 2023 mit der deutschen U17 Welt- und Europameister wurde und damit einer Generation angehört, von der Klopp am Freitag sagte: „Die müssten jetzt 20 Jahre alt sein. Jetzt, mit Führerschein, können wir sie gebrauchen.“
Klopps Liste: Diese Spieler dürften auf den 57 Namen stehen
Klopp hat seine Aufstellung der Kandidaten für sich behalten, die Kriterien aber offengelegt: Intensität, Flügelspiel, Mut zu Unbekannten. Daraus ergibt sich ein Kreis, den wir hier zusammengestellt haben, 16 Feldspieler plus drei Torhüter-Kandidaten neben Oliver Baumann. Der aktuelle Stand der Nationalmannschaft steht jederzeit im aktuellen DFB-Kader.
| Name | Position | Verein | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Florian Wirtz | Offensive / Individualkönner | FC Liverpool | Gesetzt, vorausgesetzt in Form und richtig eingesetzt |
| Jamal Musiala | Offensive / Individualkönner | FC Bayern | Gesetzt, gleiche Einschränkung |
| Said El Mala | Flügel | 1. FC Köln | Profiteur des 4-3-3 mit klaren Flügelspielern |
| Karim Adeyemi | Flügel | FC Barcelona | Jüngst vom BVB gewechselt, hofft auf Comeback |
| Brajan Gruda | Offensive | RB Leipzig | Profiteur des 4-3-3 |
| Assan Ouedraogo | Offensive | RB Leipzig | Profiteur des 4-3-3 |
| Nicolo Tresoldi | Sturm | FC Brügge | Kommt als Stürmer infrage |
| Dzenan Pejcinovic | Sturm | VfL Wolfsburg (Absteiger) | Kommt als Stürmer infrage |
| Rocco Reitz | Zentrales Mittelfeld | RB Leipzig | Im Sommer aus Gladbach gekommen, passt perfekt ins Klopp'sche Schema |
| Tom Bischof | Mittelfeld (flexibel) | FC Bayern | Könnte den nächsten Schritt machen |
| Kennet Eichhorn | Mittelfeld | Bayer Leverkusen | Erst 16, perspektivischer Kandidat |
| Joshua Kimmich | Zentrales Mittelfeld | FC Bayern | Bisheriger Kapitän, künftig wohl wieder Zentrale statt Rechtsverteidiger |
| Philipp Treu | Rechtsverteidiger | SC Freiburg | Kandidat für die Problemposition, muss sich noch beweisen |
| Yann Aurel Bisseck | Innenverteidiger | Inter Mailand | Dürfte wieder Kandidat werden |
| Finn Jeltsch | Innenverteidiger | VfB Stuttgart | U17-Welt- und Europameister 2023 (Führerschein-Generation) |
| Oliver Baumann | Torwart | 1899 Hoffenheim | Nummer 1 vor der WM, Status offen |
| Jonas Urbig | Torwart | FC Bayern | Jüngerer Kandidat auf die Neuer-Nachfolge |
| Noah Atubolu | Torwart | SC Freiburg | Jüngerer Kandidat (noch beim SC Freiburg) |
| Mio Backhaus | Torwart | SC Freiburg | Jüngerer Kandidat |
Torwartfrage: Baumann oder ein jüngerer Kandidat?
Eine der spannendsten Zukunftsfragen stellt sich derweil im Tor. Hierzu äußerte sich Klopp gar nicht, sodass sich trefflich darüber streiten lässt, ob nun fünf, zehn oder 15 Kandidaten auf seiner Liste stehen. Klar ist: Nach dem erneuten Rücktritt von Manuel Neuer wird eine neue Nummer 1 gesucht. Ob sie wie vor der WM Oliver Baumann heißt oder aber künftig von einem der jüngeren Kandidaten wie Jonas Urbig (FC Bayern), Noah Atubolu (noch beim SC Freiburg) oder Mio Backhaus (ebenfalls SC Freiburg) getragen wird, wird sich Mitte September bei der ersten Kaderbekanntgabe von Klopp zeigen. Denn spätestens dann muss auch der neue Bundestrainer öffentlich Farbe bekennen.
Wann nominiert Klopp seinen ersten DFB-Kader?
Die erste Kadernominierung des neuen Bundestrainers steht Mitte September an, rund zwei Wochen vor dem Auftakt in der UEFA Nations League. Klopps erstes Länderspiel als Bundestrainer steigt am Donnerstag, 24. September 2026, um 20.45 Uhr in Amsterdam gegen die Niederlande, RTL überträgt live. Drei Tage später, am 27. September, folgt in Augsburg das Heimspiel gegen Griechenland in der ARD. Alle weiteren Termine bis November stehen im DFB-Spielplan 2026 mit allen Länderspielen. Erst dann wird sich zeigen, wie viele der 57 Namen tatsächlich den Sprung in den Kader schaffen, denn nominiert werden am Ende gut zwei Dutzend.
FAQ: Klopps Liste und der neue DFB-Kader
Wie viele Spieler stehen auf Jürgen Klopps Liste?
Klopp hat bei seiner Antrittspressekonferenz von 57 Feldspielern gesprochen, die er sich notiert hat. Wie viele Torhüter zusätzlich auf der Liste stehen, ließ er offen.
Hat Klopp die Namen der 57 Spieler verraten?
Nein. Der Bundestrainer nannte auch auf Nachfrage keinen einzigen Namen, sondern nur seine Kriterien: hohe Intensität, klare Flügelspieler im 4-3-3 und Mut zu Spielern, „die noch gar nicht damit rechnen“.
Wann gibt Jürgen Klopp seinen ersten DFB-Kader bekannt?
Die erste Kaderbekanntgabe ist für Mitte September 2026 angesetzt, gut zwei Wochen vor dem Start in der UEFA Nations League.
Wann spielt die deutsche Fußballnationalmannschaft das nächste Mal?
Am 24. September 2026 um 20.45 Uhr in Amsterdam gegen die Niederlande, live bei RTL. Am 27. September folgt das Heimspiel gegen Griechenland in Augsburg, live in der ARD.
In welchem System lässt Klopp die Nationalmannschaft spielen?
Klopp präferiert ein 4-3-3 mit klaren Flügelspielern. Dadurch werden andere Spielerprofile gefragt sein als unter Julian Nagelsmann, profitieren könnten vor allem schnelle Außenstürmer und laufstarke Mittelfeldspieler.
Welche neuen Spieler könnten im DFB-Kader stehen?
Als Kandidaten für einen ersten Anruf gelten unter anderem Said El Mala, Karim Adeyemi, Brajan Gruda, Assan Ouedraogo, Nicolo Tresoldi, Dzenan Pejcinovic, Rocco Reitz, Tom Bischof, Philipp Treu, Yann Aurel Bisseck und Finn Jeltsch.
Wer wird neue Nummer eins im Tor?
Das ist offen. Nach dem erneuten Rücktritt von Manuel Neuer konkurrieren der bisherige WM-Torhüter Oliver Baumann sowie die jüngeren Jonas Urbig, Noah Atubolu und Mio Backhaus um den Platz im Tor.
Ist Joshua Kimmich weiter Kapitän der Nationalmannschaft?
Klopp hat sich zur Kapitänsfrage noch nicht geäußert. Klar ist nur: Der bisherige Kapitän dürfte im neuen System wieder in der Zentrale gebraucht werden statt wie zuletzt als Rechtsverteidiger.
Seit wann ist Jürgen Klopp Bundestrainer?
Klopp übernahm die deutsche Fußballnationalmannschaft nach der WM 2026 als Nachfolger von Julian Nagelsmann, seine Antrittspressekonferenz gab der 59-Jährige am 24. Juli 2026 auf dem DFB-Campus in Frankfurt. Alle Hintergründe stehen im Porträt zum Bundestrainer Jürgen Klopp.