UEFA verzichtet auf Boykott, fordert Infantino-Rückzug

Die UEFA lässt ihre Boykott-Pläne fallen, doch der Machtkampf mit Gianni Infantino ist damit keineswegs beigelegt. Der europäische Fußball-Dachverband setzt seine Drohung gegen FIFA-Wettbewerbe vorerst aus, macht aber unmissverständlich klar: Tritt der Weltverbandschef 2027 erneut an, wird man ihm einen Gegenkandidaten entgegenstellen.

FIFA-Präsident Gianni Infantino hält am 17. Juli 2026 beim FIFA-Empfang im Trump Tower in New York eine Ansprache, neben ihm US-Präsident Donald Trump. Wenige Tage später steigt im MetLife Stadium das WM-Finale 2026 zwischen Spanien und Argentinien. (Andrew Harnik / Getty Images North America via Getty Images)
FIFA-Präsident Gianni Infantino hält am 17. Juli 2026 beim FIFA-Empfang im Trump Tower in New York eine Ansprache, neben ihm US-Präsident Donald Trump. Wenige Tage später steigt im MetLife Stadium das WM-Finale 2026 zwischen Spanien und Argentinien (Andrew Harnik / Getty Images North America via Getty Images)

Nachdem der inzwischen zurückgezogene Investorenplan der FIFA für erheblichen Wirbel gesorgt hatte, stand die UEFA kurz davor, europäische Teams von Weltverbands-Turnieren fernzuhalten. Diese Linie gibt das Exekutivkomitee nun auf, wie es am Donnerstag erwartet worden war. Gleichzeitig senden die europäischen Funktionäre eine deutliche Warnung in Richtung Zürich: Sollte sich Infantino beim FIFA-Kongress im März 2027 erneut zur Wahl stellen, werde man dafür sorgen, dass den Mitgliedsverbänden „eine glaubwürdige Alternative angeboten wird“. Diese Ansage findet sich in einer gemeinsamen Erklärung der UEFA-Exekutive, der europäischen Vertreter im FIFA-Council sowie der Präsidenten aller nationalen Verbände.

Krisengespräche rund um die Champions-League-Auslosung

Am Rande der Gruppenauslosung zur Champions League in Monaco hatten die Bosse der 55 europäischen Verbände, angeführt von DFB-Präsident Bernd Neuendorf, gemeinsam mit dem Exekutivkomitee um Hans-Joachim Watzke über die nächsten Schritte im Streit mit Infantino beraten. Ausschlaggebend für die Kehrtwende war offenbar eine schriftliche Zusicherung der FIFA, dass ein Vorhaben wie der gescheiterte Investorenplan künftig ausgeschlossen sei. Vor diesem Hintergrund entschied sich die UEFA, den angedrohten Boykott europäischer Mannschaften bei FIFA-Wettbewerben der kommenden Saison „vorläufig“ auszusetzen.

Konkrete Folgen hat das vor allem für die Frauen-U20-WM, die am 5. September beginnt. Das Turnier wäre als erstes von der Boykott-Ankündigung betroffen gewesen und kann nun planmäßig stattfinden. Ganz vom Tisch ist die Angelegenheit für die UEFA damit aber nicht. Man werde die Haltung „fortlaufend überprüfen“ und könne sie „umgehend erneut ändern, falls die Umstände dies erforderlich machen“, betonte der Verband.

Kein Vertrauen trotz Rückzieher bei den Investoren-Plänen

Infantino hatte sein Projekt, Anteile an FIFA-Turnieren an private Investoren zu verkaufen, darunter auch Akteure aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump, nach heftigem öffentlichen Gegenwind fallen lassen. Für die UEFA reicht dieser Rückzieher jedoch nicht aus, um die Wogen zu glätten. Der Verzicht auf den Deal mache „weder die Täuschung, Einschüchterung und den Machtmissbrauch“ vergessen, hieß es in der Erklärung weiter, „ebenso wenig stellt es das verlorengegangene Vertrauen wieder her“.

Wie scharf der Ton inzwischen geworden ist, zeigt auch die angekündigte Strafanzeige. Die UEFA bereitet einem Bericht zufolge eine Anzeige gegen den Schweizer wegen „krimineller Misswirtschaft“ vor. Genau deshalb soll es im Fall einer erneuten Kandidatur Infantinos einen Herausforderer geben, der sich nach Worten der Europäer „Integrität, Rechenschaftspflicht, Entwicklung und einem echten institutionellen Wandel“ verpflichtet fühlt. Ähnlich hatte sich bereits zu Wochenbeginn UEFA-Präsident Aleksander Ceferin positioniert.

Ceferin mit klarem Reform-Auftrag ausgestattet

Laut der Mitteilung wurden Ceferin und seine Administration „einstimmig“ damit beauftragt, „alle verfügbaren institutionellen, politischen und rechtlichen Möglichkeiten“ auszuschöpfen. Erklärtes Ziel sei es, „grundlegende Reformen durchzusetzen, die Befugnisse des Präsidenten wieder klar zu begrenzen und sicherzustellen, dass die FIFA wieder als Institution geführt wird, und nicht um eine einzelne Person herum“. Der Machtkampf zwischen Europas Fußball-Funktionären und dem Weltverbandschef dürfte damit in eine neue, entscheidende Phase gehen.