FIFA Kongress: Trump, Iran, Sicherheit – Infantino im Zentrum der Spannungsfelder

Beim FIFA-Kongress in Vancouver steht Gianni Infantino erneut im Zentrum der Aufmerksamkeit. Der Präsident des Weltverbands reist ohne den geplanten Kurztrip mit Donald Trump an, sucht aber bereits im Vorfeld die große Bühne. Gleichzeitig lasten politische Konflikte, Sicherheitsfragen und die Debatte um den Iran auf dem 76. Kongress.

FIFA-Präsident Gianni Infantino spricht am 15. April 2026 beim Semafor World Economy 2026 Summit in Washington, D.C. Das Wirtschaftsgipfeltreffen bringt führende Unternehmer und Tech-CEOs zu Diskussionen über Wirtschaft, Künstliche Intelligenz und Geschäftstrends zusammen. (Alex Wong / Getty Images North America via Getty Images)
FIFA-Präsident Gianni Infantino spricht am 15. April 2026 beim Semafor World Economy 2026 Summit in Washington, D.C. Das Wirtschaftsgipfeltreffen bringt führende Unternehmer und Tech-CEOs zu Diskussionen über Wirtschaft, Künstliche Intelligenz und Geschäftstrends zusammen. (Alex Wong / Getty Images North America via Getty Images)

Infantino zwischen Machtinszenierung und Sicherheitsdebatte

Nach seiner verspäteten Ankunft beim FIFA-Kongress in Paraguay im Vorjahr war Infantino diesmal rechtzeitig vor Ort. In Vancouver nahm er bereits vor dem eigentlichen Kongressauftakt an wichtigen Sitzungen teil und schüttelte fleißig Hände. Der Auftritt als großer Staatsmann blieb ihm dennoch verwehrt, weil die kanadische Polizei laut Medien einen Antrag auf Sicherheitseskorte mit Straßensperrungen und einer gesonderten Autokolonne für den FIFA-Boss ablehnte.

Dennoch wird der 56-Jährige am Donnerstag um 18.30 Uhr MEZ im Convention Centre im Mittelpunkt stehen. Dort will er sich für Rekordprämien feiern lassen, für die von ihm als „größte und inklusivste“ WM der Geschichte gepriesene Endrunde werben und sich zugleich für eine erneute Wiederwahl in Stellung bringen.

Nahost, Iran und die Nähe zu Trump

Im Hintergrund sorgen aber weitaus brisantere Themen für Spannung. Der Krieg des WM-Gastgebers, die offene Frage einer Turnier-Teilnahme des Iran, die hohen Kosten für Fans sowie Infantinos Nähe zu Trump verleihen dem Kongress eine politische Schärfe, die in dieser Form selten war. Obwohl die Tagesordnung vergleichsweise unspektakulär wirkt, ist die Vollversammlung des Weltverbands so stark von geopolitischen Spannungen geprägt wie kaum je zuvor.

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Vor allem der Nahost-Krieg und die Fragezeichen um den Iran bleiben Dauerthema. DFB-Präsident Bernd Neuendorf sagte dem SID, er denke, Infantino werde „darüber berichten und uns Auskunft erteilen“. Bisher hatte der FIFA-Boss stets betont, der Iran werde „auf jeden Fall“ teilnehmen. Sein guter Freund Trump änderte seine Position dagegen mehrfach, sicher ist deshalb nichts.

Präsident erhält den neu geschaffenen FIFA Friedenspreis
Präsident erhält den neu geschaffenen FIFA Friedenspreis

Zusätzlich verschärfen die aggressive Politik des US-Präsidenten und die Eskalation bei Einsätzen der US-Einwanderungsbehörde ICE mit Todesopfern die allgemeinen Sicherheitsbedenken. In der Fußballwelt stößt Infantinos enge Beziehung zu Trump ohnehin vielen sauer auf. Besonders die Kritik an der Verleihung des Friedenspreises an den US-Präsidenten im vergangenen Jahr kochte nun erneut hoch. Dem FIFA-Mächtigen wird vorgeworfen, damit gegen die Regeln der politischen Neutralität verstoßen zu haben. Der norwegische Verband stellte sich deshalb sogar hinter eine Beschwerde der Menschenrechtsorganisation FairSquare bei der Ethikkommission.

Rekordprämien und neue Rote-Karte-Regel

Widerstand muss Infantino in Vancouver sonst kaum fürchten. Vielmehr ist damit zu rechnen, dass der FIFA-Präsident die große Bühne nutzt, um eine erneute Kandidatur für 2027 anzukündigen. Gleichzeitig kann er sich als Architekt höherer WM-Prämien präsentieren. Viele Verbände hatten wegen der enormen Reise-, Organisations- und Steuerkosten vor allem in den USA finanzielle Verluste befürchtet und teilweise erst ab dem Halbfinale schwarze Zahlen erwartet.

Nach einer Beschwerde lenkte die FIFA ein. Laut Beschluss des Councils vom Dienstag werden nun insgesamt 871 Millionen US-Dollar an die 48 Teilnehmer ausgeschüttet, statt wie zuvor geplant 727 Millionen. Zudem wurde nach einer Forderung Infantinos vom International Football Association Board eine Regeländerung beschlossen. Profis, die sich in einer Auseinandersetzung mit Gegenspielern den Mund zuhalten, sehen schon bei der WM im Sommer die Rote Karte. Infantino bezeichnete dies als Maßnahme, „die wir ergreifen müssen, wenn wir es mit unserem Kampf gegen Rassismus ernst meinen“.

Der FIFA-Boss präsentiert sich damit einmal mehr als Vorkämpfer gegen Rassismus und als Impulsgeber in vielen anderen Bereichen. Für eine Sicherheitseskorte auf dem Niveau des US-Präsidenten reicht es in Vancouver allerdings noch nicht ganz.