Treffen in New York: Jürgen Klopp und der DFB verhandeln – Update mit DFB-Pressemitteilung

Jürgen Klopp und die Spitze des deutschen Fußballs sind in New York in die heiße Phase ihrer Gespräche eingetreten. Noch direkt am JFK Airport wurde der nächste Schritt Richtung Bundestrainer für den 59-Jährigen vorbereitet, die Einigung scheint näher zu rücken. Parallel laufen aber weiter die offenen Punkte rund um seinen bisherigen Vertrag mit dem Red-Bull-Umfeld.

Jürgen Klopp macht ein Selfie mit Thomas Müller (Mitte) und Bastian Schweinsteiger vor dem Gruppe-E-Spiel der WM 2026 zwischen Deutschland und Curaçao im Houston Stadium am 14. Juni 2026 in Houston. (Alexander Hassenstein / Getty Images)
Jürgen Klopp macht ein Selfie mit Thomas Müller (Mitte) und Bastian Schweinsteiger vor dem Gruppe-E-Spiel der WM 2026 zwischen Deutschland und Curaçao im Houston Stadium am 14. Juni 2026 in Houston. (Alexander Hassenstein / Getty Images)

Vier Stunden am JFK Airport

In der Metropole, die niemals schläft, verlor der DFB keine Zeit. Präsident Bernd Neuendorf rollte seinen Koffer noch am Flughafen John F. Kennedy direkt ins TWA-Hotel, wo der mit Spannung erwartete Vier-Stunden-Gipfel mit Klopp und dessen Berater Marc Kosicke stattfand. Auch Bundesliga-Boss Hans-Joachim Watzke war dabei und trug laut einer Dokumentation der Bild-Zeitung am frühen Samstagmorgen seine schwarze Reisetasche in der Hand.

Der Deutsche Fußball-Bund hatte sich Klopp schon im Vorfeld fest eingeplant. Bereits bei der offiziellen Mitteilung über Julian Nagelsmanns Rücktritt fiel sein Name. Dass Klopp seine Verhandlungspartner nach New York einfliegen ließ, zeigt zudem, wie stark seine Position derzeit ist. Die Gespräche drehen sich längst nicht mehr nur um die Grundsatzfrage, sondern um die konkrete Ausgestaltung des Deals.

Klopp als mächtigster Bundestrainer

Nach den bisherigen Planungen soll Klopp einen Vertrag für einen WM-Zyklus bis 2030 erhalten. Außerdem ist vorgesehen, dass er seine Assistenten Peter Krawietz und Pepijn Lijnders mitbringt. Beim Verband soll er nicht nur sportlich, sondern auch strukturell mitreden dürfen. Damit würde er wohl zum mächtigsten Bundestrainer werden, den der DFB je gehabt hat.

Dieses Fußball-Video könnte dich interessieren:

Offiziell unterschreiben kann Klopp allerdings erst, wenn sein Kontrakt als Fußball-Chef mit dem Red-Bull-Imperium aufgelöst ist. Genau dort zieht sich die Angelegenheit noch etwas hin. Nach SID-Informationen ist das einer der Punkte, an denen es zumindest ein wenig Reibung gibt.

Die DFB-Pressemitteilung im Wortlaut

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat nach einer Verhandlungsrunde in New York über den Stand der Gespräche mit dem Wunsch-Bundestrainer Jürgen Klopp informiert. Die Pressemitteilung von Samstagnachmittag im Wortlaut:  „DFB-Präsident Bernd Neuendorf und DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke haben gestern in New York ein erstes intensives Gespräch mit Jürgen Klopp zur möglichen Übernahme des Amtes des Bundestrainers geführt. Bei dem konstruktiven Austausch wurde eine Verständigung über wesentliche Eckpunkte eines potenziellen Vertrages erzielt. Die Gespräche werden in der kommenden Woche fortgesetzt. Beide Seiten sind zuversichtlich, dass die Verhandlungen – vorbehaltlich einer Einigung mit Klopps derzeitigem Arbeitgeber Red Bull – letztlich erfolgreich abgeschlossen werden können. Ein möglicher Vertrag muss final in einer gemeinsamen Sitzung von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der DFB GmbH und Co. KG beschlossen werden.“

Kritik an der Red-Bull-Verbindung

Besonders kritisch wird gesehen, dass Klopp als Bundestrainer weiter Werbe-Botschafter des Energydrink-Giganten sein könnte. Der DFB versucht offenbar, sich auf diesem Weg eine Millionenablöse zu sparen. Thomas Kessen, Sprecher des Fan-Bündnisses „Unsere Kurve“, nannte das gegenüber dem SID „einen weiteren Kniefall vor dem Kapital“. Der Verband würde „mit viel Geld und Integrität“ bezahlen. Bevor Klopp „als vermeintlicher Heilsbringer aufs Podest“ gehoben werde, müsse man sich daran erinnern, wie viel Kredit er mit seiner Unterschrift bei Red Bull verspielt habe.

Für viele Traditionalisten ist der Schritt ein Pakt mit dem Teufel. Selbst bei Dortmunder Hardcore-Fans sei Klopp seitdem unten durch. Sie verknüpfen das Red-Bull-Verhalten und den Fußball als reine Werbefläche zum Verkauf einer Getränkedose mit Raubtier-Kapitalismus. RB Leipzig ist ihnen als Klub aus dem Reagenzglas glühend verhasst.

Auch ein früherer DFB-Präsident äußert massive Bedenken. Theo Zwanziger sagte der FAS, ein Bundestrainer im Zeichen des österreichischen Konzerns wäre „ein völliges No-Go“. Dann, so Zwanziger, „stellt Red Bull demnächst die deutsche Nationalmannschaft auf“. Das Unternehmen wolle „Macht gewinnen in den Sport hinein“ und Klopp hätte am Ende „zwei Loyalitäten“. Seine Konsequenz: Wenn der Job wirklich Priorität habe, „dann muss er alles andere sein lassen. Der Bundestrainer kann nicht zwei Hüte tragen.“

Immer mehr Stimmen und der nächste Schritt

Die Skepsis wächst auch bei ehemaligen Nationalspielern und in den Medien. Die Süddeutsche Zeitung spricht von einem „faustischen Pakt, einer Verabredung, deren Preis man erst erkennt, wenn es zu spät ist“. Ein Nebenjob „als Maskottchen“ passe „das Letzte“ zu jemandem wie Klopp, der für Authentizität und Emotionen stehe. Weltmeisterkapitän Philipp Lahm stellte unabhängig von Red Bull offen die Frage, ob Klopp überhaupt „die Ideallösung“ sei. Bastian Schweinsteiger kritisierte die offensichtliche Alternativlosigkeit und forderte beim DFB zugleich mehr Fußball-Expertise.

Am Kurs des Verbandes dürfte das kaum etwas ändern. Noch ist offen, wie die Einigung am Ende formal aussehen wird. Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff soll erst in der kommenden Woche nach Amerika reisen. Der Zeitplan sieht deshalb vor, dass zuerst Klopp und der DFB zueinanderfinden, danach der Vertrag mit dem bisherigen Arbeitgeber endet und erst anschließend die Unterschrift beim Verband folgt. Dann wäre Klopp im dritten Anlauf endlich Bundestrainer.

Nach SID-Angaben sind Bezahlung, Laufzeit und die Wünsche für den Trainerstab bereits geklärt. Offen waren in New York noch strukturelle Fragen, Zuständigkeiten und Klopps Werbeverträge mit Unternehmen, die in Konkurrenz zu DFB-Partnern stehen. In einem längeren Telefonat habe sich jedoch „schnell herauskristallisiert, dass das am Ende auch funktionieren kann und wird“, berichtete zuletzt DFB-Sportdirektor Rudi Völler.

In New York kamen der DFB und Klopp damit noch ein Stück näher zusammen.