Schiedsrichter bei der WM 2026: Frust und Fragezeichen: Nur zwei WM-Einsätze für Zwayer

Die WM 2026 endet für den DFB mit einem bitteren Beigeschmack. Der einzige deutsche Schiri Felix Zwayer bekam bei seinem ersten großen Endrundenturnier nur zwei Einsätze in der Vorrunde und blieb in der K.o.-Phase komplett außen vor. Für den Berliner ist das eine herbe Enttäuschung, für den deutschen Schiedsrichterbereich ein deutliches Fragezeichen.

Chris Richards von den USA diskutiert mit Schiedsrichter Felix Zwayer während des WM-2026-Gruppenspiels zwischen den USA und Australien am 19. Juni 2026 im Seattle Stadium. (Emilee Chinn / Getty Images)
Chris Richards von den USA diskutiert mit Schiedsrichter Felix Zwayer während des WM-2026-Gruppenspiels zwischen den USA und Australien am 19. Juni 2026 im Seattle Stadium. (Emilee Chinn / Getty Images)

Schon die Nominierung durch die FIFA hatte für Stirnrunzeln gesorgt. Mehr als 50 Unparteiische wurden für die erste XXL-WM der Geschichte berufen, viele Nationen dürfen zwei Referees stellen, der größte Verband aber nur einen. Als FIFA-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina die ausgewählten Spielleiter um Zwayer auch noch als die „Besten“ einordnete, fühlte sich der DFB zusätzlich vor den Kopf gestoßen. Schließlich steht mit Daniel Siebert ein weiterer Berliner bereit, der international hohes Ansehen genießt.

Collinas Auswahl sorgt für Unverständnis

Siebert hatte im Mai das Finale der Champions League geleitet und dafür fast durchweg positive Bewertungen erhalten. Für die FIFA reichte das offenbar dennoch nicht. Warum der Berliner leer ausging, ist bis heute unklar. Wahrscheinlich kennt nur Collina die Antwort, dem seit Langem Probleme in der internen Kommunikation nachgesagt werden.

Auch sein Ruf hat zuletzt gelitten. Spätestens seit dieser Endrunde gilt der Italiener als Reizfigur, weil Regeländerungen ohne vorherige Veröffentlichung durchgesetzt wurden, etwa beim Schutz des Torwarts und im Zusammenhang mit Waldemar Anton. Dazu kam sein Auftritt als treuer Gefolgsmann von FIFA-Boss Gianni Infantino im „Fall Balogun“. Vor diesem Hintergrund halten sich Spekulationen, Collina könne die oft kritischen Deutschen bewusst nach seiner eigenen Art abgestraft haben. Dass Zwayer am Ende nur zwei Vorrundenspiele erhielt, trauen Beobachter dem Schiedsrichterboss durchaus als Retourkutsche zu.

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Pierluigi Collina, Vorsitzender der FIFA-Schiedsrichterkommission, bei der offiziellen Auslosung der FIFA WM 2026 im John F. Kennedy Center for the Performing Arts. Die Gruppen-Auslosung fand am 5. Dezember 2025 in Washington, D.C. statt. (Kevin Dietsch / Getty Images North America via Getty Images)
Pierluigi Collina, Vorsitzender der FIFA-Schiedsrichterkommission, bei der offiziellen Auslosung der FIFA WM 2026 im John F. Kennedy Center for the Performing Arts. Die Gruppen-Auslosung fand am 5. Dezember 2025 in Washington, D.C. statt. (Kevin Dietsch / Getty Images North America via Getty Images)

Zwayer bleibt die K.o.-Runde verwehrt

Die Hoffnung auf weitere WM-Auftritte erfüllte sich für Zwayer nicht. Statt eines Einsatzes in der heißen Turnierphase musste sich der 45-Jährige mit der Rolle des Vierten Offiziellen beim Achtelfinale zwischen Spanien und Portugal begnügen, das Portugal mit 1:0 gewann. Als Trost taugt das kaum.

Wie im Camp der FIFA-Referees in Miami entschieden wurde und warum die Verantwortlichen um Collina Zwayer kein Vertrauen schenkten, blieb bislang im Dunkeln. Genau das sorgte im deutschen Lager für Unverständnis. DFB-Schiri-GmbH-Chef Knut Kircher reagierte dennoch betont zurückhaltend und meinte: „Natürlich möchte man als Sportler maximal viel erreichen und ist erstmal enttäuscht, wenn man trotz seiner Qualitäten nur zu zwei Spielen angesetzt wird“. Er ergänzte: „Auf der anderen Seite wird vermutlich dann nach etwas Zeit der Stolz und die Freude überwiegen, an solch einem Turnier dabei gewesen zu sein.“

Vom Tiefpunkt zurück auf die große Bühne

Bis Zwayer solche Gefühle entwickelt, dürfte noch viel Zeit vergehen. Schon seine WM-Premiere verlief ernüchternd, auch wenn er mit dem Auftaktspiel zwischen Co-Gastgeber USA und Australien, das die Amerikaner 2:0 gewannen, immerhin auf dem Platz stand. Danach blieb ihm aber jede weitere Chance verwehrt. Für den einzigen deutschen Endrunden-Referee wirkt das wie eine klare Abwertung.

Kircher stellte dennoch die Leistung seines Schützlings heraus und sagte: „Wir sind als DFB Schiri GmbH sehr stolz auf die Leistung von Felix Zwayer und seinem Team bei dieser WM“. Gleichzeitig hob er auch Bastian Dankert hervor, der als einer der erfahrensten Videoassistenten weltweit weiter im Turnier vertreten ist und dem der DFB die Daumen drückt.

Für Zwayer ist die Enttäuschung auch deshalb besonders groß, weil seine Karriere schon einmal am Abgrund stand. Vor viereinhalb Jahren geriet er durch die erneute Thematisierung seiner Verstrickung in den Manipulationsskandal um Robert Hoyzer durch die Aussage des damaligen Dortmunder Profis Jude Bellingham unter massiven Druck. Wochenlang überschlugen sich die Schlagzeilen, Zwayer stand damals kurz davor, seine aktive Laufbahn zu beenden. Den Rückzug vollzog er schließlich nicht, was Kircher ausdrücklich begrüßte.

Vor der WM hatte der DFB-Boss die Nominierung seines Schützlings als „höchst verdient“ bezeichnet. Er lobte ihn als „sehr professionell“ in seiner Haltung auf und neben dem Platz und verwies auf dessen „sehr, sehr hohe Grundlagen von Fitness, Regelkenntnis und Spielvorbereitung“. Auch international war diese Sicht zuletzt geteilt worden. Bei der Heim-EM vor zwei Jahren sammelte Zwayer gute Kritiken und kam als Belohnung auf vier Spielleitungen, darunter das Halbfinale zwischen England und den Niederlanden, das England mit 2:1 gewann. Bei der FIFA sah man ihn nun offenkundig deutlich anders.

Am Ende bleibt von Zwayers WM vor allem die verletzungsbedingte Pause beim Debüt gegen die USA und Australien in Erinnerung, dazu die Tatsache, dass es bei zwei Einsätzen in der Vorrunde blieb. Mehr bekam der Berliner in dieser Endrunde nicht.