Männer-Nationalmannschaft DFB Pressekonferenz – Wir sind in den nächsten Wochen wie eine Familie

Die deutsche Nationalmannschaft ist bei DFB-Partner adidas in Herzogenaurach in die Vorbereitung auf die WM in den USA, Kanada und Mexiko gestartet. Vor dem vorletzten WM-Test am Sonntag ab 20.45 Uhr live im ZDF gegen Finnland in Mainz äußerten sich Bundestrainer Julian Nagelsmann und Sportdirektor Rudi Völler auch zum Fahrplan bis zum ersten Turnierspiel sowie dem DFB WM Kader 2026.

Bundestrainer Julian Nagelsmann (links) und DFB-Sportdirektor Rudi Völler bei der Pressekonferenz am 27. Mai 2026 in Herzogenaurach. Die DFB-Führung informierte über die Vorbereitungen auf das Freundschaftsspiel gegen Finnland, das letzte Testpartie vor der WM 2026 in den USA. (Copyright AFP/Daniel Karmann)
Bundestrainer Julian Nagelsmann (links) und DFB-Sportdirektor Rudi Völler bei der Pressekonferenz am 27. Mai 2026 in Herzogenaurach. Die DFB-Führung informierte über die Vorbereitungen auf das Freundschaftsspiel gegen Finnland, das letzte Testpartie vor der WM 2026 in den USA. (Copyright AFP/Daniel Karmann)

Nagelsmann setzt auf Teamgeist und Flexibilität

Nagelsmann stellte den Zusammenhalt in den Mittelpunkt und gab den Spielern mit, dass sie in den kommenden Wochen „wie eine Familie“ auftreten sollen. Vertrauen, ein gemeinsamer Nenner und offene Worte seien entscheidend, betonte er. Die Reise beginne zudem nicht erst jetzt, sondern habe schon in den vergangenen drei Jahren eingesetzt. Vieles hänge überdies an guten Ergebnissen, denn wer gewinne, habe keinen Anlass für schlechte Stimmung. Jeder Einzelne im Kader müsse seinen Teil zum Teamspirit beitragen.

Zum Härtetest gegen Finnland erklärte der Bundestrainer, die kommenden Partien sollten dazu dienen, eine Mannschaft zu sehen, die im Turnier auch starten könne. Festgelegt sei jedoch noch nichts. Kai Havertz werde wegen des Champions-League-Finales fehlen und müsse ersetzt werden, doch die Spielidee habe sich in den vergangenen Jahren so weit entwickelt, dass sie nicht von einem einzelnen Akteur abhänge. Es sei gut möglich, dass gegen Finnland noch weitere Spieler zum Einsatz kommen. Zwar gehe es darum, einen Rhythmus in der Gruppe zu finden, die Startelf für den Test müsse aber nicht zwingend auch bei der WM beginnen.

Auch bei Manuel Neuer beschwichtigte Nagelsmann. Man müsse sich keine Sorgen machen, die Entscheidungen würden gemeinsam mit dem Arzt getroffen. Bei einer kleinen Verhärtung gebe es immer ein Restrisiko, und der Keeper solle in der Gruppenphase fit sein. Für Finnland mache ein Einsatz daher keinen Sinn. „Oli wird das Spiel machen und er wird es gut machen“, sagte der Bundestrainer mit Blick auf Oliver Baumann.

Zu Lennart Karl verwies Nagelsmann darauf, dass viel davon abhänge, wie sich der Youngster in den nächsten ein, zwei Wochen präsentiere. Er habe sich schnell eingefügt und seine Stärken vor allem zentral sowie auf der rechten Außenbahn gezeigt. Entscheidend sei auch immer, wie der Gegner verteidige. Nick Woltemade bescheinigte Nagelsmann gute Auftritte im Nationaltrikot. Die Spielweise der Auswahl werde ihm helfen, weil er in der DFB-Elf eine kürzere Distanz zum Tor habe als in Newcastle, wo es für ihn schwerer gewesen sei, in den Strafraum zu kommen. Man müsse ihn in torgefährliche Situationen bringen. Beim Mindset formulierte Nagelsmann schließlich einen klaren Auftrag: Die nächste Aufgabe sei immer die wichtigste, deshalb müsse der Fokus konsequent auf dem Hier und Jetzt liegen, auf dem nächsten Training und dem nächsten Spiel am Wochenende.

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Völler blickt auf die WM und die USA-Erinnerung

Völler kehrte mit „positiven Gefühlen“ an den Home Ground zurück. Für ihn sei vor allem wichtig, von dem überzeugt zu sein, was man tue. Er freue sich auf die anstehenden Aufgaben und erinnerte daran, dass es bereits seine fünfte WM in drei verschiedenen Funktionen sei. Entsprechend sei er „total optimistisch“.

Rückblickend auf die WM 1994 in den USA erklärte Völler, dass sich seitdem in vielen Jahrzehnten einiges verändert habe, nicht aber die Grundvoraussetzung, dass es im Team funktionieren müsse. Damals habe der Kader zwar sehr hohe Qualität besessen, vielleicht sogar mehr als 1990, doch innerhalb der Mannschaft habe es nicht gepasst. Zu Beginn der Vorbereitung sei noch alles in Ordnung gewesen, im Turnier habe dann aber Unruhe geherrscht, zudem habe das Team nicht gut gespielt. Heute sieht Völler eine ganz andere Lage, vor allem dank des ausgeprägten Teamgeists. Der Bundestrainer habe den Spielern gut vermittelt, dass jeder mitgenommen werde und dass es trotz aller Qualität auch diesen gemeinschaftlichen Geist brauche. Das werde fundamental sein.

Zur Stimmung im Land sagte Völler, die Mannschaft sei gefordert, denn gute Laune entstehe nicht von selbst. Nach der Niederlage in der Slowakei habe das Team aus der Drucksituation heraus allerdings gute Spiele gezeigt und siebenmal nacheinander gewonnen. Er habe zwar erwartet, dass die WM-Euphorie früher anspringt, doch es bleibe noch etwas Zeit. Dass die gesamte Nation Dinge kritisch hinterfrage, sei in Ordnung. Wichtig sei aus seiner Sicht, dass Nagelsmann Entscheidungen nur nach sportlichen Kriterien treffe. Man könne es nie allen recht machen, und nicht alles sei immer einfach. Nun gelte der Blick nach vorn, um mit guten Leistungen die richtige Stimmung zu erzeugen.

Beim Thema WM-Ziele gab sich Völler selbstbewusst. Er sei fest davon überzeugt, dass es schwer werden werde, gegen Deutschland zu gewinnen. Die Mannschaft wolle die Gruppenphase auf jeden Fall überstehen, am besten als Gruppensieger. Danach sei alles möglich, im positiven wie im negativen Sinne.

Quelle DFB