Jürgen Klopp gönnt sich als neuer Bundestrainer keine Verschnaufpause. Der 58-Jährige ist derzeit quer durch die Republik unterwegs, um sich ein Bild von seinen künftigen Nationalspielern zu machen und erste Gespräche zu führen. Viel Zeit bleibt dem neuen DFB-Coach ohnehin nicht: Am 17. September steht die erste Kadernominierung an, ehe im September die ersten Länderspiele unter Klopp warten. Trotz des engen Terminplans und der großen Erwartungen strahlt der 58-Jährige vor allem eines aus: Vorfreude auf seine neue Aufgabe.

Der Kalender des Fußballlehrers liest sich derzeit wie ein Reiseplan. Am Freitagabend stand der Bundesliga-Auftakt in München auf dem Programm, am Samstag folgte in derselben Stadt die Abschiedsfeier bei seinem bisherigen Arbeitgeber. Am Sonntag stattete er dem FC Bayern einen Besuch ab, ehe es zügig weiter zum Liga-Spiel nach Augsburg ging. Am Montag steht dann der Abstecher zum VfB Stuttgart an. Über seine ersten Stationen berichteten wir bereits im Artikel „Der Bundestrainer beim Bundesliga-Start: Stadion-Tour in München, Leipzig & Augsburg“. „Ich war lange weg, elf Jahre. Deshalb ist genug zu tun“, begründete Klopp sein Pensum. Tatsächlich muss der Coach bereits am 17. September erstmals einen Kader benennen, nachdem er über ein Jahrzehnt der Bundesliga fernblieb.
Erste Kontakte zu den Schlüsselspielern
Um sich ein Bild von seinem künftigen Personal zu machen, sucht Klopp den direkten Draht zu den Profis, sei es persönlich oder per Telefon. Mit Florian Wirtz führte er bereits ein Gespräch, Jamal Musiala erreichte er zunächst per Sprachnachricht. Beim Bayern-Besuch am Sonntag war der Austausch mit Vincent Kompany eingeplant, in Stuttgart will er am Montag unter anderem mit Dzenan Pejcinovic und Deniz Undav sprechen. Beide zählen zu den angeblich 57 Kandidaten, die Klopp für seinen ersten Kader in Betracht zieht.
Das Treffen mit Pejcinovic war bereits im Vorfeld angekündigt worden. „Klopp trifft sich mit VfB-Talent Pejcinovic“ lautete eine der jüngsten Schlagzeilen. Der Angreifer hat damit gute Chancen, beim neuen Bundestrainer weiter in den Fokus zu rücken.
Von der neuen Rolle zeigt sich der gebürtige Stuttgarter beeindruckt und euphorisch zugleich. „Bisher macht alles Spaß. Ich habe den besten Job der Welt“, sagte er sowohl bei Sat.1 als auch bei Sky und fügte an: „Es ist so, wie es sein soll. Voller positiver Gefühle und Vorfreude.“ Zugleich mahnte er zur Nüchternheit: „Ich habe noch kein Spiel verloren.“ Eine Aussage, die sich schon bald ändern könnte, denn viel Zeit, um wirklich Einfluss auf die Nationalmannschaft zu nehmen, bleibt ihm vor den vier anstehenden Nations-League-Partien nicht.
Klopp weiß um den Erwartungsdruck
Der Bundestrainer ist sich der Ausgangslage bewusst. „Wir haben ganz viel vor beim DFB“, erklärte er, schränkte aber ein, dass sich Geduld nur über sportlichen Erfolg erkaufen lasse, „also über Fortschritte“. Große Ankündigungen allein reichten nicht aus, betonte er: „Wenn wir am Ende die Spiele verlieren, dann habe ich auch nicht so wahnsinnig viel Zeit.“ Die Aufgaben stehen bereits fest: Am 24. September geht es in den Niederlanden los, es folgen die Heimspiele gegen Griechenland in Augsburg (27. September) und gegen Serbien in München (1. Oktober), ehe am 4. Oktober das Rückspiel in Griechenland ansteht.
Die erste große Deadline steht dabei längst fest: Klopp gibt die Nominierung seines ersten DFB-Kaders am 17. September bekannt. Entsprechend wenig Zeit bleibt dem neuen Bundestrainer, um sich ein möglichst genaues Bild von seinen Kandidaten zu verschaffen.
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Angesichts der kurzen Vorbereitungszeit dämpfte Klopp bereits die Erwartungen an spielerische Revolutionen. „Wir haben dann anderthalb Trainingseinheiten vor dem Holland-Spiel. Da werden wir den Fußball nicht großartig verändern“, räumte er ein. Stattdessen setzt er auf eine veränderte Grundhaltung im Team. Die Botschaft, die er den kontaktierten Akteuren übermittelt habe, sei simpel: „Dass wir vieles intensiver gestalten wollen. Da sind sich aber auch alle einig. Es ist ja wirklich so: Besser spielen sollte möglich sein, und dafür muss jeder ein bisschen mehr machen.“
Rückenwind aus Stuttgart und München
Unterstützung für seinen neuen Job erhält Klopp bereits aus den eigenen Reihen der Bundesliga. Deniz Undav, den der Bundestrainer möglicherweise noch am Montag in Stuttgart trifft, äußerte sich nach der deutlichen 1:5-Niederlage des VfB in München voller Respekt. „Einer der besten deutschen Trainer jemals“, schwärmte der neue VfB-Kapitän, „wahrscheinlich sogar der beste.“ Für ihn sei Klopp schon zu Liverpool-Zeiten eine Symbolfigur an der Seitenlinie gewesen. „Mal gucken, was jetzt passiert. Ich freue mich auf jeden Fall“, so Undav weiter. Wenige Tage zuvor war bereits Undavs Ernennung zum neuen Kapitän des VfB Stuttgart Thema.
Auch von Vincent Kompany, der den FC Bayern derzeit auf ein neues Leistungsniveau hebt, darf sich Klopp Rückhalt erhoffen. Der Bundestrainer zeigte Verständnis für die Anforderungen, denen der Bayern-Coach im Kluballtag begegnet. „Ich kenne den Druck, den er bekommt, und was das für seine Entscheidungen bedeutet“, sagte Klopp und betonte die gemeinsame Verantwortung beider Trainer für die Nationalspieler: „Gemeinsam haben wir eine Rolle: die Spieler dahin zu bringen, wo sie bei Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und großen Turnieren sein müssen, fit und gut vorbereitet.“