Jürgen Klopp nominiert am 17. September seinen Premieren-Kader als Bundestrainer. Vier Nations-League-Spiele in elf Tagen erzwingen eine breite Auswahl – und bieten Raum für neue Gesichter. Die Torwartfrage bleibt offen, im Sturm drängen sich Kandidaten auf, und Klopps Ankündigung, „mutig“ zu sein, wird an der Nominierungsliste gemessen.

Am Donnerstag, 17. September, wird Jürgen Klopp auf dem DFB-Campus in Frankfurt seinen ersten Kader bekannt geben. Drei Tage später versammelt er die Mannschaft in Herzogenaurach – früher als üblich –, um auf das Nations-League-Auftaktspiel in Amsterdam gegen die Niederlande (24. September) vorzubereiten. Es folgen Griechenland (27. September, Augsburg), Serbien (1. Oktober, München) und das Rückspiel in Griechenland (4. Oktober). Vier Partien in elf Tagen: Klopp plant mit 26 bis 29 Spielern, niemand soll alle Begegnungen bestreiten.
System und Anspruch: 4-3-3 mit Intensität
Klopp hat bei seiner Vorstellung klargemacht, wie seine Nationalmannschaft spielen soll: Viererkette, ein defensives Mittelfeld-Duo, davor eine Acht mit Offensivdrang, drei flexible Offensivkräfte. Gegenpressing, schnelles Umschaltspiel, vertikale Pässe, hohe Laufbereitschaft – die bekannten Klopp-Prinzipien. „Wenn man bei uns mitspielen will, muss man gegenpressen“, formulierte er die Bedingung. Nicht Körperlichkeit entscheide, sondern der Wille, sich einzubringen.
Der Kader wird zeigen, wen der Bundestrainer für diesen Fußball hält. 57 Spieler stehen auf seiner Beobachtungsliste. In den vergangenen Wochen besuchte er Bundesliga-Spiele in München, Stuttgart, Augsburg, Mainz und Frankfurt, sprach mit Trainern, beobachtete Trainingseinheiten. Die Nominierung ist der erste harte Beleg dafür, wie konsequent er den angekündigten Neustart nach dem WM-Aus umsetzt.
Torwart: Erfahrungswerte und mehrere Talente
Die größte Einzelentscheidung betrifft die Nummer eins. Manuel Neuer hat seine DFB-Karriere beendet. Marc-André ter Stegen ist nach langer Verletzungspause wieder fit, hat mit Klopp bereits gesprochen. Oliver Baumann wäre bei der WM 2026 die klare Nummer eins gewesen, verhielt sich nach seiner Degradierung loyal. Alexander Nübel war unter Nagelsmann regelmäßig dabei. Jonas Urbig gilt als größtes Torwarttalent, steht beim FC Bayern aber hinter Neuer und Peretz nicht im Tor.
Loris Karius meldete sich nach starken Leistungen für Schalke 04 ins Gespräch, bestätigte aber: „Es gab keinen Kontakt.“ Ob Klopp auf Erfahrung (ter Stegen, Baumann) oder Entwicklung (Urbig) setzt, wird die Hierarchie im neuen Team früh definieren. Weitere Keeper wie Atubolu, Backhaus oder Seimen gelten als Talente, die man im Auge behalten sollte.
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Abwehr: Baku drängt rechts, Banks und Jeltsch als Optionen
Rechtsverteidiger bleibt eine Problemposition. Ridle Baku (RB Leipzig) erzielte drei Saisontore in den ersten Pflichtspielen, will nach WM-Nominierungsverzicht zurück in den Fokus. Joshua Kimmich bleibt die Notlösung, die Klopp vermeiden will. Anton Kade (FC Augsburg) traf zum Bundesliga-Auftakt vor Klopps Augen, verletzte sich aber am zweiten Spieltag. Noahkai Banks (19, Augsburg) steht vor dem Sprung, spielte bislang aber nur für US-Juniorenteams.
In der Innenverteidigung sind Jonathan Tah, Waldemar Anton, Malick Thiaw, Matthias Ginter und Yann Aurel Bisseck die arrivierten Kandidaten. Nico Schlotterbeck trainiert nach Sprunggelenksverletzung wieder mit dem BVB, seine Belastbarkeit entscheidet über eine Nominierung. Links verteidigen voraussichtlich Maximilian Mittelstädt und Nathaniel Brown (Bayern), der auch als Zehner denkbar wäre.
Mittelfeld: Pavlovic und Kimmich gesetzt, Reitz als Klopp-Typ
Aleksandar Pavlovic und Joshua Kimmich gelten als Fixpunkte im defensiven Mittelfeld. Angelo Stiller (VfB Stuttgart) und Felix Nmecha (BVB) ergänzen das Feld. Anton Stach (Leeds United) und Nadiem Amiri (Mainz) bieten Alternativen. Besonders interessant: Rocco Reitz (RB Leipzig). Der 24-Jährige führte die Bundesliga in intensiven Läufen und Sprints an, gewann Zweikämpfe im Spitzenbereich – ein Profil, das Klopps Anforderungen an Gegenpressing und Laufbereitschaft fast ideal abbildet.
Im offensiven Mittelfeld sind Jamal Musiala (wieder fit) und Florian Wirtz die Referenzgrößen. Bei Wirtz stellt sich die Passungsfrage zum gegenpressinglastigen System. Brajan Gruda (Leipzig, genesen von Sprunggelenksproblemen) kann Zehner und Flügel, Wael Mohya (Gladbach) und Nathanial Brown sind weitere Optionen.
Offensive: Füllkrug-Comeback, El Mala gesetzt, Pejcinovic und Ebnoutalib als Überraschungen
Said El Mala (20, 1. FC Köln) gilt nach Vertragsverlängerung und starkem Saisonstart als sicherer Nominierter. Klopp könnte fest mit ihm planen. Niclas Füllkrug (33, Werder Bremen) traf bei seiner Rückkehr sofort, bringt 14 Tore in 24 Länderspielen mit – sein letztes Spiel datiert vom Juni 2025. Als klassischer Strafraumstürmer bietet er ein Profil, das im Kader selten ist. Phillip Tietz (29, Mainz 05) netzte fünfmal in Pokal und Liga, nennt eine Nominierung „Traum“, hält sie aber für fern.
Younes Ebnoutalib (22, Eintracht Frankfurt) traf am ersten Spieltag dreimal, besitzt aber auch die marokkanische Staatsbürgerschaft. Dzenan Pejcinovic (Stuttgart, 20) und Paris Brunner (Monaco, 20, vier Tore in fünf Spielen) drängen mit Tempo und Abschlussstärke in den Kreis. Nicolo Tresoldi (22, Brügge) wartet auf seine Verbandsentscheidung (Deutschland, Italien, Argentinien). Kevin Schade (24, Brentford) spielt in der Premier League durch, will nach WM-Aus unter Klopp zurück. Karim Adeyemi (Barcelona) traf in der Champions League, war zuletzt im November 2025 dabei. Nick Woltemade (Juventus) kommt kaum zum Einsatz, muss um seinen Platz bangen. Deniz Undav (Stuttgart) und Kai Havertz (Arsenal) runden das Stürmerfeld ab.
Was die Nominierung über Klopp verrät
Der 17. September ist mehr als ein Nominierungstag. Er markiert den eigentlichen Start der Klopp-Ära. Die Liste wird zeigen: Setzt er auf Kontinuität oder öffnet er den Konkurrenzkampf radikal? Wer die Torwart-Hierarchie anführt. Ob junge Talente wie El Mala, Pejcinovic, Kade oder Banks sofort Vertrauen erhalten. Ob Rückkehrer wie Füllkrug, ter Stegen oder Karius eine Rolle spielen. Und ob das Personal die angekündigte Spielidee – Intensität, Tempo, Mut – personell abbildet.
Vier Tage später in Herzogenaurach beginnt die Arbeit auf dem Platz. Wenige Trainingseinheiten bis Amsterdam. Der Kader ist der erste Fingerzeig. Die Spiele werden beweisen, ob er trägt.