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WM-Stimmung in Berlin und große Erwartungen an das junge Team
Die Elfenbeinküste hat ihr Auftaktspiel gewonnen, und für Koffi war das nur der Beginn eines Turniers, auf das er sich schon seit Monaten gefreut hatte. Das erste Spiel lief nachts um ein Uhr, doch er stellte sich extra einen Wecker, um nichts zu verpassen. Die Mühe lohnte sich für ihn, denn seitdem sei er „im WM-Modus“.
Auch unter ivorischen Freunden und Bekannten in Berlin ist die Vorfreude groß. Die Menschen, die er kennt, seien sehr fußballbegeistert und wollten die Spiele am liebsten gemeinsam schauen. Bei vielen sei das Vertrauen in die eigene Mannschaft gewachsen, sagt Koffi. Zwar habe die Elfenbeinküste bei Weltmeisterschaften noch nie das Achtelfinale erreicht, doch diesmal sehe es anders aus. Mit vielen Topspielern könne das Team nach seiner Einschätzung zumindest ins Viertelfinale kommen. Manche Ivorerinnen und Ivorer trauten der Auswahl sogar den ganz großen Wurf zu.
Dass die bisherige WM-Bilanz der Elfenbeinküste lange hinter den Möglichkeiten zurückblieb, erklärt Koffi auch mit schwerem Losglück. 2006, bei der ersten WM-Teilnahme in Deutschland, warteten Argentinien und die Niederlande in der Gruppe. Gegen beide verlor sein Team nur 1:2, Serbien wurde besiegt. 2010 in Südafrika standen Brasilien und Portugal im Weg, 2014 folgten Kolumbien, Japan und Griechenland. Trotz dieser komplizierten Gegner sei keine schlechte Weltmeisterschaft dabei gewesen, sagt er, und genau deshalb tue ihm die goldene Generation um Didier Drogba und Salomon Kalou leid, die den Sprung aus der Vorrunde nie schaffte.

Vom Afrika-Cup-Titel zum WM-Anwärter
Dass Koffi dennoch an eine starke WM glaubt, liegt auch an der Qualität des aktuellen Kaders. Amad Diallo spielt bei Manchester United, Nicolas Pépé bei Villarreal, zahlreiche Akteure stehen in der Champions League auf dem Platz. In Italien ist die Elfenbeinküste vertreten, in Deutschland mit Yann Diomandé von RB Leipzig und Bazoumana Touré von der TSG Hoffenheim. Erfahrung auf höchstem Niveau sei also vorhanden, auch wenn die Mannschaft jung ist.
Der große Schub kam aus Koffis Sicht mit dem Afrika-Cup 2024 im eigenen Land. Die Gastgeber hätten sich durch das Turnier gequält, berichtet er. Erst als letzter „bester“ Gruppendritter zog das Team ins Achtelfinale ein. Dann aber habe man befreit aufgespielt. Ab diesem Moment sei die Mannschaft bereit gewesen, richtig Fußball zu spielen, und genau das hätten auch die Fans gespürt. Besonders bedauert Koffi bis heute, dass er das Endspiel nicht in Abidjan erleben konnte, sondern bereits wieder in Berlin war. Über die ganze Nacht hielt er per Telefon und Nachricht Kontakt zu Freundinnen, Freunden und Familie, die ihm Videos und Bilder schickten. So habe er aus der Ferne noch intensiver erlebt, wie fußballverrückt die Elfenbeinküste ist, von Kindern bis zu älteren Menschen.
Wenn man das, was damals passiert ist, in Hollywood vorschlägt, würden die einen für verrückt halten.
(Eliezer Koffi über den Gewinn des Afrika-Cups 2024)
Auch die Umstände rund um den Titelgewinn bleiben für ihn außergewöhnlich. Im letzten Gruppenspiel verlor der Favorit gegen Äquatorialguinea mit 0:4, woraufhin der Trainer mitten im Turnier entlassen wurde. Emerse Faé übernahm erst dann als Chefcoach, hatte aber den Vorteil, die Mannschaft, die jungen Spieler und die Gruppe genau zu kennen. Diese Vertrautheit habe einen großen Anteil am Titel gehabt. Für Koffi war schon zu Beginn der WM-Qualifikation klar, dass die Elfenbeinküste bei der Endrunde dabei sein würde. Der Weg dorthin schien machbar, auch wenn Gabun Probleme bereitete und die Partien gegen die Seychellen, Kenia oder Gambia aus seiner Sicht deutlich lösbarer waren.
Fußball als gesellschaftlicher Kitt in der Elfenbeinküste
Besonders deutlich wird im Gespräch, welch hohen Stellenwert die Nationalmannschaft im Land hat. Die Elfenbeinküste lag vor nicht einmal 20 Jahren noch im Bürgerkrieg, und dennoch versammelten die WM-Teilnahme 2006 und die Spiele der Auswahl Menschen aus allen Bevölkerungsschichten. Für Koffi ist das ein starkes Symbol. Fußball sei dort nicht einfach Unterhaltung, sondern ein Ort des Zusammenhalts. Nachbarn, die lange nicht miteinander gesprochen hatten, hätten damals gemeinsam gefeiert, ganz ohne Worte, nur durch das gemeinsame Erleben.
Die Nationalelf stehe für gesellschaftliches und friedliches Miteinander, für ein Zusammenleben ohne Rücksicht auf Sprache oder Herkunft. Politisch und sozial spiele der Sport eine größere Rolle als in Deutschland, sagt Koffi. Hierzulande wolle man zwar die WM gewinnen und verfüge über starke Spieler, doch der Zusammenhalt sei oft nur zeitweise und eher spontan. In der Elfenbeinküste richte sich der Fokus stärker auf die Nationalmannschaft als auf Klubteams. Für Koffi ist Fußball dort ein regelrechter Zufluchtsort, an dem alle zusammenkommen.

Vorfreude auf das WM 2026 Spiel Deutschland gegen Elfenbeinküste
Das erklärt auch die Vorfreude auf das direkte Duell mit Deutschland. Am Samstagabend, den 20.6.2026, um 22 Uhr MESZ wird die Nationalmannschaft wieder das ganze Land bewegen, wenn es gegen die DFB-Elf geht. Koffi selbst ist an diesem Tag zwar auf Reisen und nicht in Berlin, das Spiel will er aber keinesfalls verpassen. Viele Bekannte wollen sich treffen, ein Mitarbeiter der ivorischen Botschaft hat sogar angeboten, die Partie bei sich gemeinsam zu schauen. Die meisten werden sich in Charlottenburg versammeln. Für Koffi kommt nur das Zuschauen infrage, gerade gegen Deutschland, weil es ein spannendes Spiel werde.
Beim Ergebnis bleibt er diplomatisch. Ein freundschaftliches 1:1 wäre aus seiner Sicht gerecht. Beide Teams wollten gewinnen, sagt er, und vor allem Deutschland wolle im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador nicht zittern. Gleichzeitig schaut Koffi auch auf die private Seite des Duells. Er ist mit einer Deutschen verheiratet, sodass zu Hause ohnehin niemand traurig wäre, egal wie die Partie ausgeht. Das Paar hat zudem einen acht Monate alten Sohn. Für ihn wäre ein Unentschieden am schönsten, sagt Koffi, und deshalb freut sich die Familie einfach darauf, dass die beiden Nationen überhaupt aufeinandertreffen können.
