Ex-Stars mit Kritik an Infantino: Genug ist genug

Die Kritik nimmt kein Ende! Nach dem Scheitern von Gianni Infantinos Investorenplänen formiert sich prominenter Widerstand gegen den FIFA-Präsidenten. Mehrere ehemalige Nationalspieler, darunter Weltmeister Emmanuel Petit, verlangen einen Umbruch an der Spitze des Weltverbands. Der Ton der Kritik ist ungewöhnlich scharf.

FIFA-Präsident Gianni Infantino winkt beim Final Draw der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in die Kameras. Im Hintergrund ist das offizielle Motto des Turniers Football Unites the World zu lesen. (Copyright Depositphotos.com)
FIFA-Präsident Gianni Infantino winkt beim Final Draw der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in die Kameras. Im Hintergrund ist das offizielle Motto des Turniers Football Unites the World zu lesen. (Copyright Depositphotos.com)

Ex-Profis rechnen mit der FIFA-Führung ab

In einem gemeinsamen Statement, das unter anderem von Petit und dem früheren französischen Nationalverteidiger und Ex-Bremer Mikael Silvestre über Instagram verbreitet wurde, ist von einem dringend notwendigen Wandel die Rede. „Ein Wandel ist notwendig. Die Macht hat die Fähigkeit der derzeitigen Führung getrübt, zwischen ihren eigenen Interessen und dem, was für den Fußball am besten ist, zu unterscheiden“, heißt es darin. Silvestre gehört zudem einem FIFA-Gremium an, das sich mit der Bekämpfung von Rassismus im Fußball beschäftigt.

Namentlich wird Infantino in dem Schreiben nicht erwähnt, doch die Adresse ist unmissverständlich. Die Unterzeichner werfen der aktuellen Führungsriege vor, sich von den Grundwerten des Sports entfernt zu haben. „Wir teilen genau dieselben Bedenken wie Millionen von Fans auf der ganzen Welt. Wie sie haben auch wir beobachtet, wie sich der Sport, den wir lieben, unter der derzeitigen Führung der FIFA von seinen Grundwerten entfernt hat“, heißt es weiter.

Frankreichs Fabien Barthez, Emmanuel Petit und Mikaël Silvestre zeigen sich nach dem 0:0 gegen Uruguay bei der WM 2002 enttäuscht.
BUSAN, SÜDKOREA – 6. Juni 2002: Frankreichs Torwart Fabien Barthez sowie Emmanuel Petit und Mikaël Silvestre zeigen sich enttäuscht nach dem 0:0 gegen Uruguay in der Gruppenphase der Weltmeisterschaft 2002. (Foto: Andreas Rentz/Getty Images)

Die jüngsten Entwicklungen rund um den Weltverband hätten für die Ex-Profis das Maß voll gemacht. Man habe es „unmöglich gemacht, weiter zu schweigen. Genug ist genug“, schreiben sie und ergänzen mit Blick auf die Entscheidungsprozesse innerhalb der FIFA: „Viel zu lange mussten wir mit ansehen, wie wichtige Entscheidungen getroffen wurden, ohne dass die Spieler befragt oder einbezogen wurden und ohne Rücksicht auf die Fans, die diesen Sport am Leben erhalten.“

Ceferin hält sich Optionen offen, Infantino bislang ohne Gegenkandidat

Der öffentliche Druck auf Infantino wächst damit weiter, während im Hintergrund bereits die nächste Präsidentschaftswahl vorbereitet wird. Sie findet im März 2027 in Rabat statt, entschieden wird sie von der Mehrheit der 211 FIFA-Mitgliedsverbände. Bislang ist der Amtsinhaber der einzige offizielle Kandidat.

Aleksander Ceferin (UEFA President), ber der offiziellen Enthüllung des UEFA EURO 2024 logos in Berlin, 05.10.2021, Photo: Thomas Boecker/DFB
Aleksander Ceferin (UEFA President), ber der offiziellen Enthüllung des UEFA EURO 2024 logos in
Berlin, 05.10.2021,
Photo: Thomas Boecker/DFB

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin schloss am Montag zwar eine eigene Bewerbung aus, machte im britischen Podcast „The Rest is Politics“ aber deutlich, dass er weiterhin auf einen Neuanfang ohne Infantino hinarbeitet. „Die erste Möglichkeit ist, dass er erkennt, dass er nicht über die Unterstützung verfügt“, erklärte Ceferin. Für den Fall einer erneuten Kandidatur Infantino kündigte er Widerstand an: „Die andere Möglichkeit ist, dass er bei der Wahl antritt. In diesem Fall werden wir meiner Meinung nach einen Gegenkandidaten ins Rennen schicken. Wer das sein wird, weiß ich noch nicht.“

Neben einem möglichen Bewerber aus dem europäischen Lager wird auch der kanadische CONCACAF-Präsident Victor Montagliani als denkbarer Herausforderer gehandelt. Sowohl sein Kontinentalverband für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik als auch der asiatische Verband AFC zählen neben der UEFA zu den lautstärksten Kritikern von Infantinos Kurs an der FIFA-Spitze.