Der walisische Fußballverband FAW hat als erster nationaler Verband öffentlich seine Rückendeckung für eine weitere Amtszeit von FIFA-Präsident Gianni Infantino aufgekündigt. Damit bekommt der Widerstand gegen den Schweizer eine neue Dimension, denn die Kandidatur für die Wahlperiode 2027 bis 2031 stand bislang kaum infrage.

Wales zieht Konsequenzen
Der FAW bestätigte britischen Medien am Montag, die FIFA offiziell über seine Entscheidung informiert zu haben. Man werde Infantinos erneute Kandidatur nicht mehr mittragen. In einer Stellungnahme wurde der Co-Gastgeber der Europameisterschaft 2028 deutlich: „Das Wohl des Fußballs nicht an erste Stelle zu setzen, ist ein Versagen, das wir nicht akzeptieren können.“ Weiter hieß es, jüngste Mängel bei verantwortungsvoller Verbandsführung, Entscheidungsprozessen, Führungsverhalten, Werten, Stakeholder-Management, Kommunikation und Urteilsvermögen hätten dazu geführt, dass Infantino das Vertrauen des walisischen Verbands verloren habe, weiterhin an der Spitze des Weltfußballs zu stehen.
Gescheiterter Investoren-Deal als Auslöser
Ausgangspunkt der Krisenstimmung waren die inzwischen fallengelassenen FIFA-Pläne, Anteile an den kommerziellen Rechten der Weltmeisterschaft an private Geldgeber zu veräußern. Der Vorstoß hatte im internationalen Fußball für erheblichen Unmut gesorgt. Angesichts des massiven Gegenwinds zog Infantino sein Vorhaben am vergangenen Wochenende zurück. Zuvor hatte die europäische Fußball-Union UEFA, in der auch Wales organisiert ist, offen mit einem Boykott gedroht und den FIFA-Chef auch nach der Rücknahme scharf kritisiert.
Wachsender Druck aus Europa
Einem Bericht von Sky Sports zufolge nimmt der Druck auf den seit 2016 amtierenden Verbandschef vor allem in Europa spürbar zu. Es gilt als möglich, dass sich weitere Landesverbände dem walisischen Vorstoß anschließen und ihre Unterstützung ebenfalls entziehen. Ungeachtet dieser Entwicklung hält Infantino an seinen Ambitionen fest: Am 18. März 2027 will er sich beim 77. FIFA-Kongress im marokkanischen Rabat den Statuten entsprechend ein letztes Mal für vier weitere Jahre zum Präsidenten wählen lassen.