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Argentinien weiter, England raus im Halbfinale der WM 2026: Der Weltmeister hat das zweite Halbfinale in Atlanta spät gedreht und Thomas Tuchels Team mit 2:1 (0:0) ins Tal der Tränen gestürzt. Anthony Gordon brachte die Three Lions in der 55. Minute in Führung, doch jeweils nach einer Vorlage von Lionel Messi trafen Enzo Fernández (85.) und Lautaro Martínez (90.+2) für die Albiceleste. Im WM-Finale am Sonntag, dem 19. Juli 2026, um 21:00 Uhr MESZ im New York New Jersey Stadium von East Rutherford fordert Argentinien nun Europameister Spanien heraus. Hier die Pressestimmen zum Spiel.

Zweikämpfe statt Spielkunst: eine erste Halbzeit für die Statistiker
Tuchel hatte sein Team auf ein intensives und hitziges Duell eingestimmt, und der deutsche Trainer sollte recht behalten. Schon nach zwei Minuten standen sich nach einem Foul an Elliot Anderson mehrere Spieler Stirn an Stirn gegenüber, und mit dieser Intensität ging es weiter. Sechs Fouls in den ersten zehn Minuten bedeuteten einen Turnier-Höchstwert, am Ende des ersten Durchgangs hatten die Statistiker 19 Fouls notiert, aber keinen einzigen Schuss aufs Tor. Mehr noch: In den ersten 30 Minuten gab es überhaupt keinen Abschluss, laut Datenerfassung ein WM-Novum seit 1966. Schiedsrichter Ismail Elfath aus den USA ging streng zu Werke und hatte alle Hände voll zu tun, den Deckel auf der Partie zu halten.
Bei aller Hektik hinterließen die Engländer den etwas gefährlicheren Eindruck. Über die linke Seite kamen Djed Spence und Anthony Gordon mehrfach zumindest in die Nähe des Strafraums, die Torjäger Harry Kane und Jude Bellingham blieben jedoch wirkungslos. Den ersten Torschuss der Partie setzte John Stones in der 33. Minute per Kopf nach einer Freistoßflanke von Declan Rice neben das Tor. Auf der Gegenseite fand Messi zunächst kaum in den Rhythmus, was auch an seinem Sonderbewacher Anderson lag, der dem 39 Jahre alten Kapitän kaum von der Seite wich und ihn bei einem Solo schließlich nur per Foul stoppen konnte (37.). Kurz darauf flog ein Distanzschuss von Enzo Fernández knapp über den Kasten von Jordan Pickford (38.), die mit Abstand gefährlichste Szene des ersten Durchgangs.

Vor dem Anpfiff war viel über die bewegte Historie der beiden rivalisierenden Fußball-Nationen gesprochen worden. Argentinien lief wie beim legendären Viertelfinal-Sieg von 1986 in dunkelblauen Shirts auf. Damals führte Diego Maradona sein Team mit der „Hand Gottes“ und einem sensationellen Solo zum Sieg, 40 Jahre später ruhten die Hoffnungen auf Messi, der erst ein Jahr nach Maradonas Sternstunde geboren wurde.
Gordon trifft, Pickford hält England lange im Spiel
Mit dem Seitenwechsel bekam die Partie endlich Tempo. Julián Álvarez sorgte gleich nach Wiederanpfiff mit einer Doppelchance für die ersten echten Abschlüsse des Spiels, scheiterte aber an Pickford (47.). Ausgerechnet in dieser Phase schlugen die Three Lions zu: Kanes Pass wurde zwar abgefangen, doch Rice schnappte sich den zweiten Ball und steckte auf Morgan Rogers durch, dessen Flanke Gordon in der 55. Minute perfekt in die Lücke startend zur Führung verwertete. Es war der erste gelungene Angriff der Engländer und Gordons erstes Tor bei dieser WM.

Der Rückstand wirkte auf die Albiceleste wie ein Weckruf. Messi ließ sich immer häufiger ins Mittelfeld fallen, verteilte die Bälle und leitete Angriff um Angriff ein, während sich England tief zurückzog und auf Konter lauerte. Der eingewechselte Nicolás González kam in der 69. Minute frei zum Kopfball, doch Pickford reagierte blitzschnell und parierte zweimal in einer Aktion. Bei einem Kopfball von Alexis Mac Allister an den Pfosten (76.) hatten die Engländer zusätzlich Glück. Trainer Lionel Scaloni warf derweil alles nach vorne und brachte unter anderem Rodrigo de Paul und Lautaro Martínez.
Messi dreht das Spiel: Fernández und Lautaro treffen spät
Fünf Minuten vor dem Ende fiel der verdiente Ausgleich. Nach einer kurzen Ecke bekam Messi den Ball zurück, dribbelte in die Mitte und band dabei drei englische Gegenspieler, ehe er auf Enzo Fernández ablegte. Der Mittelfeldspieler ließ Pickford mit einem präzisen Rechtsschuss ins linke Eck keine Chance (85.). Ein Kontakt, ein Schuss, ein Treffer wie ein Kunstwerk.
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In der neunminütigen Nachspielzeit wurde der Titelverteidiger dann endgültig belohnt. Erst traf Mac Allister zum zweiten Mal nur den Pfosten, Sekunden später flankte Messi mit seinem schwächeren rechten Fuß punktgenau an den langen Pfosten, wo der eingewechselte Lautaro Martínez zwischen Stones und Reece James am höchsten stieg und zum 2:1 einköpfte (90.+2). England warf mit den eingewechselten Ivan Toney und Marcus Rashford noch einmal alles nach vorne, doch Argentinien verteidigte die verbleibenden Minuten leidenschaftlich und brachte den Sieg über die Zeit.
Finale gegen Spanien, England wartet weiter seit 1966
Nach der beeindruckenden Aufholjagd greift der Weltmeister von 2022 einmal mehr nach den Sternen: Im Endspiel am Sonntag wartet mit Spanien der Europameister, der am Vortag Top-Favorit Frankreich mit 2:0 ausgeschaltet hatte und seit 38 Pflichtspielen ungeschlagen ist. Für England platzten die Titelträume dagegen erneut auf dramatische Weise. Das Mutterland des Fußballs wartet seit dem Triumph bei der Heim-WM 1966 auf den nächsten Titel, und auch Tuchel konnte diese Leidenszeit nicht beenden. Am Samstag um 21:00 Uhr MESZ geht es für die Three Lions in Miami im Spiel um Platz drei gegen Frankreich nur noch um einen würdevollen Abschied. Alle Szenen der Partie gibt es im Liveticker auf der Übersichtsseite der Begegnung zum Nachlesen, alle weiteren Termine im WM-2026-Spielplan.